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Dienstag, Januar 09, 2018

GENERALI Lebensversicherung - Altverträge (Update)

Früher ging's im Blog um Minirockträgerinnen und Stinky Tofu, heute um Versicherungen. So ändern sich die Zeiten


Da gibt es Dinge, die hat man nur so im Hinterkopf und setzt sie als selbstverständlich voraus. Bis man sich näher mit ihnen beschäftigt.


In den 80er und 90er Jahren habe ich zwei Lebensversicherungen bei der VOLKSFÜRSORGE-Versicherung abgeschlossen. Diese gibt es heute nicht mehr, weil die italienische GENERALI die Volksfürsorge übernommen hat. Laut den über die Jahre kommenden Statusberichten sollten beide jeweils eine (Zusatz-)Rente von um die 380 Euro (Garantiesumme bei einer 370 Euro) bieten oder einen Einmalertag in Höhe von mehreren Zehntausend Euro. Nah am Sechsstelligen, so viel sei verraten.

Ich erinnere mich noch gut an das letzte Gespräch. Damals stellte der Volksfürsorgevertreter noch 250.000 DM pro Vertrag in Aussicht, also 125.000 Euro. Davon kann freilich heute nicht mehr die Rede sein sondern die jüngsten Prognosen nähern sich offenbar immer mehr den Garantiesummen an. Ich kann auswählen, ob Einmalbetrag oder Monatsrente und auch letztere fällt immer weiter über die Jahre. Seit 2012 ist beispielsweise die Rente von prognostizierten 439 über 419 auf 408 gefallen.

Die Tage dann eine Horrormeldung in den Nachrichten: GENERALI erwägt den Verkauf solcher Altversicherungen mit hohen Garantiezinsen an chinesische oder britische Investoren, die die Versicherungen dann "abwickeln" wollen. "Abwickeln" bedeutet im günstigsten Fall, dass die Versicherungen einfach weiterlaufen, wenn wohl auch näher an den Garantiesummen orientiert als dass früher der Fall gewesen war. Die Großinvestoren wollen nicht nur Verwaltungskosten sparen sondern auch bei den Auszahlungen sparen.

*** Refrain von Nobbie Blüm: Die Rente ist sischer ***

Noch hat die Generali die Verträge selbst, doch während meines Deutschlandaufenthalts bekam ich schon Besuch von einem Vertreter von GENERALI. Dieser schlug mir natürlich eine Kündigung des einen Vertrages vor, bei dem ich nach wie vor jährlich einzahle. "Minussparen" sei das und als Alternative hatte er...

- Kündigung (etwa um einen "Renault Twingo" zu kaufen wie er sagte)
- Ersetzen durch Pflegeversicherung
- Ersetzen durch neuen Vertrag mit in Aussicht gestellten viel höheren Erträgen aber einem Garantiezins von 0 %.

Fällt mein Altvertrag auf die Garantiesumme zurück hat er sich zwar kaum gelohnt, wirft aber immerhin etwas ab. Daher habe ich natürlich nichts abgeschlossen, auch wenn der Vertreter mit hohen Endsummen gelockt hat. Aber mir war eben noch gut im Gedächtnis wie auch bei Altvertrag damals von unrealistisch hohen Summen geredet wurde und so habe ich das Angebot natürlich abgelehnt. Wer will schon Twingo fahren.

Also nicht auf die Silberzungen der Generali mit Verträgen ohne Garantili reinfallen - letztlich wollen die ihrer Versicherung nur Geld sparen. Die Fürsorge für den Versicherten werden sie nicht im Auge haben.

Theoretisch könnte man mit so einem Neuvertrag beide Seiten glücklich machen: Den Versicherten und die Versicherung. Denn im Gegensatz zu den Altverträgen dürfen die Versicherer am Geldmarkt bei den Neuverträgen höheres Risiko eingehen; etwa sehr ertragreiche Fonds am Markt kaufen.

Aber wenn ich mir vorstelle dass bald ein britischer oder chinesischer Großkapitalist meinen Vertrag besitzt: Soll ich ernsthaft glauben, dass mir ein Herr Fong aus Peking etwas von seinen hohen Erträgen aus purer Menschenfreundlichkeit abgeben will? Er wird mir das abgeben was er muss - und das wären eben 0,0% vom Gewinn. Nichts. Fisch gibt's. Fliegerbrille.

Wer in ähnlicher Lage ist soll bitte die Altverträge behalten. Sonst kichert der Vertreter wenn er mit dem Nullvertrag glücklich das Haus verlässt über die Dummheit des Altkunden.

Edit: Auch ein chinesischer Investor muss in Deutschland voll als Vertragspartner für die Versicherungen einstehen und kann diese nicht einfach kündigen. Die deutsche BAFIN-Aufsicht über Banken und Finanzdienstleister hat hier ein Auge drauf. Ich frage mich allerdings wie das laufen soll, wenn am Ende der Besitzer in China sitzt. Aber gut, vermutlich gibt es dann eine in Deutschland registrierte Dependanz des chin. Eigentümers. Auf jeden Fall werden die letzten Jahre bis zur Auszahlung ein spannendes Rennen...

Dazu passend, was Neuverträge angeht:

https://www.focus.de/finanzen/versicherungen/lebensversicherung/ueberschussbeteiligung-schock-fuer-generali-kunden-lebensversicherung-senkt-zinsen-auf-rekordtief_id_8272347.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=newsletter_FINANZEN

Kommentare:

Martin hat gesagt…

Hallo Ludigel,

der Vertragswechsel wird für kaum einen Kunden sinnvoll sein, sondern für die Versicherung und vor allem für den Vertreter. Dass riskantere Verträge höhere Erträge ermöglichen ist richtig, aber heißt nicht dass sie deshalb besser sind. Es heißt primär dass ohne höheres Risiko keine lockenden mehr Erträge in Aussicht gestellt werden können.

Dass die Versicherung handeln will ist allerdings verständlich. Der Garantiezins ist hoch und kaum erreichbar. Einige Euro-Länder haben derart hohe Schulden, dass sie bei "normalen" Zinsen bankrott gehen würden. Daher wird es mindestens mittelfristig bei extrem tiefen Zinsen bleiben müssen. Bei einer gemeinsamen Währung ohne gemeinsame Wirtschaftspolitik kann eine Umverteilung nicht ausbleiben - die Umverteilung findet jetzt statt indem wir auf das geliehene Geld keine Zinsen mehr bekommen (Umverteilung durch Zinsschenkung) und über die europäische Zentralbank für die Schulden haften (durch Aufkauf der Staatsschuldtitel).
Nicht alle früher in Aussicht gestellten Erträge waren verlogene Fata Morganas, manches erschien damals durchaus realistisch. Das Problem ist vor allem die Konstruktion des Euros, die damals niemand erahnen konnte.
Bitte nicht vergessen auf Basis der Niedrigstzinsen für die Rente vorzusorgen (Versorgungslücke).
Just for fun: da die Geschäftsbanken für ihr "Girokonto" bei der EZB Negativzinsen zahlen müssen, gehen sie dazu über, Bargeld zu bunkern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/banken-horten-tonnenweise-bargeld-wegen-negativzinsen-a-1159334.html Als erstes wird nun der 500 Euro-Schein abgeschafft. Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Sicher auch bald der 200er, dann der 100er. Negativzinsen machen keinen Sinn wenn man via Bargeld ausweichen kann.

Das mit den chinesischen Investoren ist interessant, wusste ich noch nicht. Wenn mal ein Investor (chinesische Versicherung) unter ominösen Umständen pleite geht, wird die BAFIN bestimmt versuchen, derartiges in Zukunft zu verhindern. Es bleibt spannend, denn die Versicherung kann den Vertrag weiterverkaufen, Du kannst aber nicht ohne Verluste zu einer anderen Versicherung weiterziehen.

Martin hat gesagt…

"...Theoretisch könnte man mit so einem Neuvertrag beide Seiten glücklich machen: Den Versicherten und die Versicherung. Denn im Gegensatz zu den Altverträgen dürfen die Versicherer am Geldmarkt bei de Neuverträgen höheres Risiko eingehen; etwa sehr ertragreiche Fonds am Markt kaufen..."

Genau, die Versicherungen müssen nur wissen, welcher Fonds ein sehr ertragreicher Fonds ist. Ein sehr ertragreicher Fonds ist ein Fonds, der in sehr ertragreiche Finanzprodukte investiert.
Es gibt aber keine sehr ertragreichen Finanzprodukte, die nicht auch ein sehr hohes Risiko haben. Gäbe es sie, würden alle Investoren nur noch darin investieren anstatt in ertragsärmere Alternativen bei gleichem Risiko (bis die Preise der Finanzprodukte so weit steigen dass die Rendite so zurückfällt wie bei Produkten vergleichbaren Risikos).
Falls Du von Aktienfonds redest: es gibt keine Aktienfonds, bei denen man vorab weiß dass sie in den nächsten Jahren sehr ertragreich sind - sonst würden alle da investieren. Nur rückblickend sieht man, wie man hätte investieren sollen. Vorher weiß man es von keinem einzigen. Wenn Du googlest wie viele Fonds den Börsenindex schlagen (das sollte ein "sehr ertragreicher" ja locker schaffen) spricht das Ergebnis Bände.

"Ludigel" hat gesagt…

Und ich denke auch, der Herr Fong oder Smith macht dann seine Erträge irgendwo in Peking oder Offshore und die Verluste verbucht er bei der deutschen Dependanz, die wiederum von der BAFIN kontrolliert wird. Und dann kriege ich eben 0% ab vom Gewinn. Mir fehlt einfach das Vertrauen, denn im Manchester-Kapitalismus kriegt man nur das, was man bekommen muss. Und das sind 0% beim Neuvertrag.
Ich bin nicht ohne Verständnis für die GENERALI bzgl. des Nullzinses. Aber noch mehr habe ich natürlich das Eigenwohl im Auge.

Anonym hat gesagt…

Hallo Ludigel,
clever das Schmierenspiel der Versicherungskonzerne durchschaut.
Und viele sind davon überzeugt das im Schadensfall für den Verbraucher die BAFIN ein doch recht zahnloser Tiger ist.
Na warten wir mal ab wies ausgeht.