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Mittwoch, November 22, 2017

My Taiwanlife - Eine Krankengeschichte

Taiwan ist kein Land für kleine Kinder oder Leute ab 50. Reizklima durch 99-100% Luftfeuchte Smog aus Abgasen und rüberwehendem China-Dreck setzen auch jüngeren zu. Die fast permanente Verseuchung des Essens mit illegalen Chemiezusätzen (ein Skandal jagte bis 2014 den nächsten) tut sein übriges, den Körper zu belassen.

Nur in Stichworten:

Ludigel 2004-ca.2008: im damals noch vermüllten Taipei (heute Straßen weitgehend müllfrei, damals nicht) setzen mir Hautkrankheiten massiv zu. Pelzige Haustürgriffe, stinkende käferlastige Bürotoiletten und tote Ratten und Uringeruch im Treppenhaus lassen ahnen, woher das kommt. Der Dreck wird nach der SARS-Epidemie schrittweise weniger. Insbesondere Treppenhäuser sind heute sauberer.

Ludigel 2004: Massiver Smog an Hauptverkehrsstraßen gepaart mit feuchter Sommerhitze führen zu Schwindel, Kreislaufversagen und Trombose in den Beinen.

Seit 2011: Junior (heute 6 Jahre) ist seit Geburt praktisch dauererkältet. Verschleimte Erkältung, von Ärzten öfter mal als Allergie umschrieben.

Ludigel ab ca. 2014: Dauererkältung mit Verschleimung. Ab 2016 mit Nasennebenhöhlenreizung. Ausweitung zu Schwindel/Nackenschmerzen. Abhilfe liefert Benutzung einer Nasendusche.

Ludigel 2015: Ein gutartiges Wucherwachstum wird festgestellt. Tierversuche haben in einer wissenschaftlichen Studie erwiesen, dass der statt Palmöl seit den späten 90er Jahren verwendete Industrieschmierstoff DEHP - fast überall im Taiwan-Essen zu finden bis 2014 - eben dieses Wachstum auslöst. Abhilfe durch OP in Privatklinik (nach Versagen der taiwan. Kassenärzte die OP auf Sant-Nimmerleinstag verschieben oder falsch diagnostizieren).

Seit ca. 2014: Frau entwickelt eine Dauererkältung, die sich ab 2017 in Dauerhusten ausweitet

2017: Junior (6) hat hohes Fieber, Lungenentzündung. Ärzte reden von Allergie.

Frau hatte schon recht. Die Lebensqualität in Taiwan ist einfach höher als in Deutschland. Man kann schließlich auch um 2 Uhr morgens ein gottverfluchtes Plastikjoghurt im Plastikbecher kaufen im Seven-Eleven.

Dienstag, November 14, 2017

Sexuelle Belästigungen (das Taiwanblog gibt auch...)

... seinen Senf dazu.

Sexuelle Belästigungen und Schlimmeres sind das große Thema der Zeit. Natürlich erscheint die massive Beschäftigung der Presse damit exzessiv und natürlich kann man von Vorverurteilung reden - wenn Karrieren allein durch die Macht von Facebook und Co beendet werden. Ohne Anklage, Gericht und Urteil.
Wie es weiter geht weiß ich auch nicht. Zwischenzeitlich halte ich eine weitere Aufhitzung der Diskussion für denkbar. Ich dachte zwischendurch "jetzt rasten alle aus und übertreiben" und mag das auch noch kommen oder schon so sein, so fiel mir jedoch auf, dass sexuelle Übergriffe offensichtlich sehr viel häufiger sind, als ich bislang so angenommen habe. Auch weil Sexualität eben immer noch ein Tabuthema ist und auf gewisse Art wohl auch immer bleiben wird und man daher nicht immer drüber nachdenkt.

Selbst sind mir als Zuhörer, an der Aufklärung beteiligter oder sogar als Opfer (im Kindesalter) sexuelle Übergriffe in der Tat hinreichend häufig begegnet. Häufiger als es sein sollte und daher denke ich, dass am Ende der gegenwärtigen Aufregung ein anständigerer Umgang von Menschen (Männern) in irgendwelchen Machtpositionen gegenüber Schwächeren oder irgendwie Abhängigen stehen wird.

Meine persönlichen Erfahrungen:

1) In meiner Zeit in einer Dot-Com - Softwarebude in Deutschland war ich in der heftigen Umstrukturierphase ein Ansprechpartner für Kolleginnen und Kollegen. Eine Kollegin erklärte ein Kollege (meine Wertung: etwas weltfremder, netter Computernerd, hielt Frauen vermutlich für Wesen von Omega Centauri) würde sie immer unangemessen Anstarren und auch immer wieder an unangenehmer Stelle antatschen. Da sie ihm zuarbeiten musste bat sie mich das Problem vielleicht in den Griff zu kriegen. Ich löste es durch ein Gespräch von "Mann zu Mann" bei dem der Beschuldigte alles zunächst schroff zurück wies, nach meinem rhetorisch ausgefeilten Nebensatz sonst mal kurz mit einem "hohen Tier" im Unternehmen zu reden (mit dem er zusammenarbeitete) räumte er jedoch die Vorwürfe halbwegs ein und gelobte Besserung. Die auch eintrat. Hätte ich wirklich mit dem "hohen Tier" reden müssen - ich glaube nicht, dass das viel gebracht hätte. So ließ es sich durch Psychologie lösen. Alles war noch unter strafbarem Niveau.

2) Selbe Firma. Kollegin bat mich und andere Kollegen auch um Hilfe. Kurzfassung: Sie hatte eine beginnende Affaire mit ihrem Chef, diese jedoch abgebrochen wie es ihr gutes Recht gewesen ist. Daraufhin würde ihr Chef (sehr einflussreich im Unternehmen und ein bekannter Provokateur und extrem schwieriger Kollege) ihr massive berufliche Probleme machen. Sie als vorgeblich inkompetent vor der Geschäftsführung anschwärzen und ihr mit Kündigung drohen.
Ich bat den Kollegen zum persönlichen Gespräch, doch konnte ich gegen einen so im täglichen Mobbing gewieften Menschen nicht angekommen - der auch noch im Bunde mit einem Mitglied der Geschäftsführung war. Der Kollege beschwerte sich bei mir, es sei ein Unding gewesen, dass die Kollegin ihn sexuell zurückgewiesen habe nach vorher eindeutigen Signalen. Er lies sich bei allen Verweisen auf sexuelle Selbstbestimmung gerade von abhängig Angestellten nicht davon abbringen und führte sein Mobbing weiter. Erst mit seinem Weggang löste sich die Situation. Später kam er zurück ins Unternehmen, aber da waren sein Opfer und selbst ich schon weg. Er war ein ganz und gar unangenehmer Mensch der bizarrerweise zu hysterischen Reaktionen beim Anblick einer ... Tomate ... tendierte.

3) Meine Frau beschwert sich immer mal wieder, sie würde in Taipei von Herren im Vorbeigehen angegrabscht. In der Menge will sie den Täter nicht identifizieren und es wäre auch schwierig. Oder es passiert, wenn ich eh gerade nicht da bin.

4) Auch in Deutschland ist so etwas offenbar für Frauen zwar kein Alltag, aber kommt immer mal wieder vor, wie ich jetzt im persönlichen Kontakt erfahren haben.

5) Und zu guter Letzt:  Als Kleinkind(!) bin ich selbst von einem angesifften stadtstreicherhaften älteren Mann auf einem Spielplatz angetascht worden. Ich hatte unaufgeklärt damals keine Ahnung was eigentlich vor sich ging und bin einfach weggegangen. Die messerscharfe Erinnerung daran, die erst 15 Jahre später oder so gepaart mit großer Wut auftauchte zeigt, wie psychologisch relevant solche Belästigungen sind.

Ein unerquickliches Thema und wenn es tatsächlich noch einen der wenig gewordenen Blogkommentare diesmal zu diesem Thema gibt versteht sich sicher angemessene Wortwahl von selbst - um nicht von der Kommentarfee durch Löschung belästigt zu werden.

Die Presse fordert Männer pauschal immer wieder dazu auf ihr Verhalten "einzugestehen" und zu ändern. Nun mag unser Herz grundsätzlich ein finsteres Loch sein, aber etwas weniger Pauschalität wäre doch wünschenswert.
Sexismus sei auch schon, wenn man Damen beim Heben schwerer Taschen hilft etc habe ich neulich gelesen. Im überkorrekten Spiegel (Online) war das wohl. Nun, in dieser Hinsicht muss ich zugeben, mich bei jedem zweiten bis dritten Aufenthalt in Flugzeugen sexistisch betätigt zu haben. Die so von physikalischer Arbeit befreite Damenwelt möge es mir nachsehen.

EDIT: Den schlimmsten Fall habe ich vergessen. In meiner Kindheit war unten im Haus eine Familie mit einer wunderschönen blonden kleinen Tochter und einem für mich damals exotischen holländischen Namen. Ich habe die Gleichaltrige nie zu Gesicht bekommen, weil sie immer kreischend verschwand, sowie jemand in ihre Nähe kam. Jahrzehnte später hörte ich, dass sie magersüchtig ist und vom Vater missbraucht worden war. Natürlich ein Fall der über die aktuelle Pressediskussion weit hinaus geht.

Freitag, November 10, 2017

Kindergeld...

Ludigel stellt Kindergeldantrag. Wird natürlich abgelehnt

OK, viele bekommen heute deutsche Sozialleistungen ohne je einen Cent eingezahlt zu haben. Es claro. Wenn ich nun aber einen Wohnsitz in Deutschland anmelde (Ende letzten Jahres gemacht) und mir Juniors deutsche Auslandsschule in Taiwan die Haare vom Kopf frisst, wird mein Antrag auf Kindergeld natürlich abgelehnt. Hatte ich auch nicht anders erwartet. Ich werde allerdings Einspruch erheben, denn die Ablehnung sagt:

a) (Ich müsse einen Wohnsitz in D haben ODER in D steuerpflichtig sein) UND (mit Junior im Ausland in gemeinsamer Wohnung leben) 
um Kindergeld zu bekommen.

b) Ich würde weder in D einen Wohnsitz haben noch dort steuerpflichtig sein.

Meiner Kenntnis nach ist (a) korrekt und daher müsste ich Kindergeld bekommen, denn ich erfülle sogar alle zwei Voraussetzungen vor dem UND und die dahinter auch noch.

- Ich bin seit Dez. 2016 in Deutschland gemeldet. Ich bewohne das Einfamilienhaus zu 1/4 räumlich und zu etwa 1/4 des Jahres zeitlich. Und habe 1/4 Eigentum daran.
- Daraus müsste sich die deutsche Steuerpflicht ergeben, auch wenn mein Taiwangehalt korrekt nach Deutsch-Taiwanischem Doppelbesteuerungsabkommen in Taiwan versteuert werden müsste.

Wenn die Kindergeldkasse also ablehnen will, bräuchten sie schon eine andere Begründung. Ich werde daher Einspruch erheben und Meldebescheinung aus Heimatstadt in D und (die wohl noch zu beantragende Steuerkarte) in Kopie belegen (Steuernummer habe ich natürlich schon).

Mal gucken wie es weiter geht.

INFO: Keinen Anspruch auf Kindergeld in Deutschland hat etwa, wer nur im Ausland lebt und in D keinen Wohnsitz hat und z.B. mangels Einkünften keine Steuern zahlt. In Fallballspielen wäre das so:

I) Hugo lebt in Taipei mit Frau Fanny Low und Sohn Hannes-Ashton. Arbeitet bei Gobbletec in Taipei. Keine Meldung in D, keine Einkünfte in D (reden wir mal nicht über Minizinsen unter Freibetrag*). => kein Kindergeld.

II) Hannes ist wie Hugo, hat sich aber von Frau (räumlich) getrennt und lebt wieder in Hannover. Junior lebt mit Frau im herrlichen Taipei. => kein Kindergeld (denke ich, weil keine gemeinsame Wohnung mit Junior).

III) Ludigel ist wie Hugo, ist aber in D gemeldet (bewohnt die Wohnung auch zeitweilig) und wird eine Steuererklärung wegen Zinseinkünften ausfüllen. Schon die Meldung ODER die steuerpflicht müsste meiner derzeitigen Kenntnis nach für Kindergeld ausreichen.

Selbst wenn man meine Wohnsituation so interpretieren würde, dass mein Hauptwohnsitz Taiwan ist müsste Meldung in D und faktisches Bewohnen einer Wohnung zu einem Teil des Jahres immer noch reichen für die Kindergeld- und Steuerpflicht.

* mir unklar, reicht aber sicher nicht für unbeschr. Einkommenssteuerpflicht, die man für Kindergeld bräuchte

Montag, November 06, 2017

Verkehrschaos...(umfallende Fußgängerin, Fast-Unfall...)

Kurznotizen


Ludigel holt mit dem Auto Frühstück, fädelt sich locker vom Kurvenparkplatz a la Taipei wieder in den Verkehr ein, muss scharf bremsen weil vor ihm ein Minivan plötzlich dreht. Mitten auf der vielbefahrenen lokalen Hauptstraße. Auch noch auf dem Zebra-Streifen, fällt mir auf, während ich warte und nervös in den Rückspiegel gucke, ob mir gleich jemand hinten rein fährt. Das fast neue Auto ist da von hinten schon ein bisschen "taiwanifiziert" durch meine Mitverkehrsteilnehmer.

"Gut, ein Zebrastreifen ist hier eh bedeutungslos", denke ich noch so. Da sehe ich, dass ein Mann mit Kleinkind auf dem Arm vom wendenden schwarzen Minivan verdeckt ist und verzweifelt versucht, diesem auszuweichen. Flott dreht der Minivan, der Fußgänger mit Kleinkind bringt sich durch einen Hechtsprung nach Vorn in Sicherheit. Sicherheit? Denkste! Damit springt er vor einen PKW, der gerade auf der anderen Straßenseite versucht um den wendenden Minivan herum zu fahren. Mir stockt der Atem, das Herz setzt kurz aus, als der Mann vor der Motorhaube eines silbernen Mitsubishi-Schlicht-SUV landet. Der kann bremsen, aber der Vater mit Kind muss einen Satz rückwärts machen, um der Stoßstange zu entgehen. Sicher erreicht er schließlich den Bürgersteig und wir alle fahren weiter als sei nichts gewesen. Zuhause freut sich Frau über den Sweet-Bun mit Schinken a la Hong-Kong-Style. Der ältere Herr im neuen Frühstückslokal redet immer beruhigend auf mich ein und klopft mir beruhigend auf die Schulter, wenn ich gestresst vom parkplatzlosen Verkehr hinein haste um Samstags und Sonntags das Frühstück zu holen.

 Altes Foto aus Taipei, hat nichts mit dem hier beschriebenen zu tun. Taiwaner denken nicht so viel im Verkehr, auch nicht bei der Deko am Auto.

Am Abend zuvor waren wir in der Stadt beim chin. trad. Arzt. Dort fertig standen Frau, Junior und ich auf dem fast von Mopeds zugeparkten Bürgersteig und warteten auf das bestellte Taxi. Zwischen uns und dem Handygeschäft mit den vielen jungen Frauen und den iPhones an der Wand ist wegen der Mopeds kaum noch Platz für die zahlreichen Fußgänger, die über das nasse glatte Fliesenflaster hechten. Ich ziehe Junior zur Seite damit eine Frau in den 60ern oder End-50ern die volle Durchgangsbreite zwischen Haus und Mopeds hat und wir stehen eingekastelt zwischen den Mopeds mit meiner Frau. Da bleibt die ältere Dame genau neben uns stehen und zieht ein Smartphone aus der Tasche. "Ah, will auch ein Taxi", denke ich noch. Da sackt sie in einer fließenden Bewegung zusammen. Flüssig wie Wasser, als würde sie das täglich machen. Sie liegt auf dem Rücken, die Augen leicht auf. Gesunde rosige Gesichtsfarbe. Gleichmäßige Atmung, wie ich mich vergewissere. Die Hände gefaltet mit dem Handy auf dem Bauch. Frau eilt hin. Ich halte mich lieber im Hintergrund. Warum fragen nur Newbies. Sie ist nicht ansprechbar. Wir holen einen Krankenwagen. Der ist schon fünf Minuten später da. Frau hat noch Angehörige der Dame mit dem Handy angerufen. Ein Polizist kommt im Schlepptau der Ambulanz, die die Dame einlädt mit der Trage. Der Polizist befragt Frau und einen älteren Herrn und eine Dame aus dem Handyladen. Wir werden entlassen und düsen mit dem Taxi davon.

Jetzt folgt das interessante Warten: Kriegen wir eine Schadensersatzklage fürs Helfen die nächsten Tage? Eigentlich empfiehlt man in Taiwan bei Unglücken nicht zu helfen, wenn man nicht selbst involviert ist, da Taiwaner die Tendenz haben, Unfallhelfer z.B. wegen unsachgemäßer Hilfe zu verklagen oder ihnen gar zu unterstellen, den Unfall verursacht zu haben.

Aber wenn, dann gibt das auch wieder einen interessanten Blogartikel. Man darf gespannt sein.

Freitag, November 03, 2017

Milka in Taiwan

Die Lila Kuh erobert Taiwan

Es war vor Jahren, da musste meine Frau für ihr MBA-Fernstudium einen Text schreiben, der die Markteinführung einer Marke beschreibt, die noch nicht auf dem heimischen Markt zu finden ist. Mit meiner Assistenz wählte sie Milka, Weil die Taiwaner wenig Schokolade essen und wenn dann fast nur Bitterschokolade oder Voll-Nuss, hatte sie - mit meiner kauenden Assistenz - geschrieben, dass Milka es rein über die Milch-Vollmilch-Assoziationskette schwer hätte auf dem taiwanischen Markt, gerade weil Bitterschokolade damals gar nicht im Programm war.

Seit einiger Zeit fallen mir nun kleine verschämte 40g-Riegel von Milka an der Kasse der Family-Convenience-Stores auf zu 35 NT das Stück, also knapp 1 Euro. Durchaus also ein Importpreis. Flugs gekauft fehlte mir dann doch der besonders cremige und vanillieartige Geschmack von Milka, aber es war ein durchaus durchschnittliches - also nicht schlechtes - Schokaladenerlebnis. Natürlich Meilen besser als taiwanische Horroschokolade wie die kerzenwachsartige TAPPL oder die "Kaiser"-Schokolade, die nicht von Adel ist.

Hersteller ist Milkas Mutterunternehmen Mondalez, vgl. Pressemeldung hier, aber hergestellt ist die Tafel in China und nicht in Taiwan. Also gesunde Chinamilch aus den chinesischen "Alpen". China ist ja quasi ein Synonym für gesunde Milch (kicher, röchel, spuck).

Die Empfehlung des Essays meiner Frau war damals für die taiwanischen Markt auf Vollnuss und Bitter nebst Zartbitter zu setzen, mit dem Hinweis, dass sich eine eigene Bitterlinie nur für Taiwan wohl nicht lohnen würde. Da Kuhmilch=gesund manchmal auch den Taiwanern über Fernsehwerbung beigebracht wird (obwohl 99% aller Taiwaner die Lactose nicht vertragen), hatte sie eher eine Nische für Milka prognostiziert. Vielleicht mit Zarbitter und die in Taiwan etwas populäre Erdbeere* (Vollnuss gibt es ja wohl auch nicht).

Interessant finde ich worauf Milka jetzt wirklich - ohne viel Werbung - setzt: In Taiwan sehe ich nur die Sorten Vollmilch und "kleine Nussstücke", wie auch immer sich letztere marketingtechnisch nennt. Der VR-Chinese soll im Jahr nur 100g Schoki vertilgen, habe ich irgendwo gelesen, der Engländer hingegen 8kg. Die Taiwaner sind da sicher eher chinesisch. Mal gucken, wie lange die Chinamilka liegt. Schlecht schmeckt sie nicht.

* eine exotische Frucht in TWN, die manchmal mit regelrechten "alles Erdbeersüßigkeiten"-Aktionen in den Convenience Stores propagandiert wird

Edit: Ich dachte erst, dass Mondalez über Milka auf den Cadbury-Marktanteil in Taiwan zielt. Denn das bisschen Vollmilchschokolade hier ist meist Cadbury Dairy Milk. Aber Cadbury gehört auch zu Mondalez. Kannibalisieren sie da nicht ihren eigenen Umsatz? Reicht die Milch-Nische wirklich für 2 Marken?

Mittwoch, November 01, 2017

"Geh mal raus"

EDIT: Nach 3 Monaten am Stück hier habe ich sowieso wieder mal den Taipei-Koller ;-)

Wieso ich nicht mal mehr spazieren gehe kam in einer Diskussion neulich auf. Mit jemanden aus der Heimat. Tue ich fast nie hier. Wieso eigentlich?

Also gut. Stellen wir uns vor ich würde spazieren gehen wollen. Es ist 21 Uhr, Junior ist eingeschlafen, ich bin wieder wach nachdem ich ihn zu Bett gebracht habe und vielleicht selbst ein bisschen luxuriösen Vor-Nachtschlaf genossen habe.

Was tun?

a) Um den Block gehen. Das sind bürgersteiglose Gassen mit wenig Verkehr, nur mittelviel Hundekacke und hässlichen Plattenbauten hier in Taipei-Neihu. Tue ich manchmal. Freue mich auf das nächste Mal wie aufs nächste Badezimmer-Putzen. Nicht, dass das Viertel nicht auch wenige schöne Ecken hätte. Aber nur mit dem schmeichelnden Blick des Hobbyfotografen kann man das Schöne herausarbeiten...

... etwa so mit aufgehübschten Farben.  Eigentlich sieht man aber immer nur graue Platte...

... die man schon mit Brennweite (Extremweitwinkel etc.) und Photoshop aufhübschen muss.

Das meiste sieht eher wie oben aus. Gibt schlimmeres, aber es macht eben keinen besonderen Spaß, da zu gehen. Knattert ein Moped vorbei riecht die Luft wieder wie in der Kfz-Werkstatt anstatt wie sonst nur wie ein fahler Ascheeimer. Ich will nicht meckern, nur aufzeigen, wieso es nicht so sehr zum Abendspaziergang einlädt. Auch wenn sich die Dunkelheit wie ein gnädiger Schleier über die Plattenbauten senkt und manchmal hübsch illuminierte Stellen entstehen lässt, die man aufhübschen kann fotografisch. Grünes wäre mir halt lieber.

b) Der lokale Park: Klein und die Wege drum herum sind Fahrbahnen, wo selten aber dafür mit Karacho ein Moped heran rast, der Reiter müde vom langen Arbeitstag und sich auf die TV-Show mit Girls in Hotpans freuend.


Ich sitze da öfter mal des Abends. Und ärgere mich doch immer wieder über den Abgasgeruch. Und oft sitzen noch zwei Taiwaner schräg gegenüber auf der Bank und rauchen. Dann stinkt es zusätzlich noch etwas anders. Und eigentlich ist es auch nur eine erweiterte Fahrbahn, wie man sieht. Tendenz des Parks zum Kleinerwerden. Ein Teil davon, der einem Dutzend Anwohnern als ... Parkplatz ... diente ist mittlerweile mit einem Mehrfamilienhaus zugestellt. Hier passt immer noch irgendwo ein Wohnblock zwischen. Und in Taipei habe ich endlich begriffen, dass das deutsche Wort "Parkplatz" vom Park her kommt ;-)

c) Der lokale See

Ja gut. Tengo Lago. Aber der lokale See ist 1.5 km weg. Gehe ich da durch hässliche versmogte und größtenteils bürgersteiglose Straßen bei oft dichtem Verkehr hin zu Fuß ist es schon wieder zu weit und mein Rachen schmeckt nach KFZ-Werkstatt wenn ich da bin. Nehme ich das Auto, finde ich meist keinen Parkplatz. Sonst ist es da ganz hübsch und weitgestgehend smogfrei.

d) Der Flusspark

Etwa in 3 bis 4 km Entfernung. Fahre ich mit dem Auto. Kann bequem im Stockdunkeln parken nur die Glasscherben nicht sehen. Bin ich früher oft gewesen, geht ja meistens gut. Aber im Stockdunkeln steht man schon mal mitten in einem knurrenden Straßenhundrudel. Erwäge die Tage den langweiligen Grünstreifen mal wieder aufzusuchen regelmäßig. Aber eigentlich ist es mehr eine Autofahrt unter Benutzung des langsamen Autolifts im Haus als ein gemütlicher Spaziergang. Passt auch nicht so recht.

f) Grüne Hügel in der Nähe

Dachte ich. Schmale Fahrbahn geht hoch. Dann Hundegebell, ein Platz mit einer Art Bauerhof. Ist das jetzt privat oder nicht? Beißt der Hund? Lädt auch nicht so richtig zum Flanieren ein. Das Grün neben dem Weg ist dschungelartig und steil. Keine Wege.

g) Das Atrium vom Krankenhaus. 

Wieder eine Autofahrt mit bezahltem Parkplatz. Kommt ein bisschen teuer. Tja gut. Manchmal sieht man eine hübsche Krankenschwester.

Gut, ich bin in Deutschland praktisch im Grünen aufgewachsen. Ich würde dem viel zu vollen Taipei und gerade dem alten hässlichen Viertel wo wir wohnen gerne den Rücken kehren. Habe ich ja auch getan und bin dann doch wieder dem Ruf von Frau und Junior gefolgt. Will mich also nicht beschweren, war ja meine Entscheidung. Ich wollte eben nur erklären, wieso ich meist nicht spazieren gehe ;-)

h) Firmendach 

Halt... manchmal drehe ich vor dem Nachhausefahren auf dem Firmendach meine Runde. Da riecht es wenig. Es sei denn das Chemiewerk (?) nebenan lässt mal wieder seine sichtbaren Dämpfe durch Dachluken ab (Schornsteine haben sie in Taipei für Fabriken nicht immer). Dann riecht es lecker nach Gummibärchen. Auch nicht schlecht.



Freue mich auf den baldigen laaaaaangen Heimaturlaub mit laaaaaaaaaaaangen Spaziergängen durch die Masch genannte Marschenlandschaft und um den Maschsee Hannovers.