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Dienstag, Oktober 03, 2017

Ruhigere Zeiten

Nach großen Trubulenzen in der letzten Zeit ist es wieder ruhiger.

Ende 2016 war eine chaotische Zeit für mich hier in Taiwan angebrochen, die man hier im Blog mitverfolgen konnte. Viele Artikel sind einstweilen wieder gelöscht, das gebe ich gerne zu. In Deutschland erkrankte mein Vater und ich begann böses zu ahnen. Gleichzeitig hatte meine Frau den starken Drang, ihren Wohnsitz nach Manila auf den Philippinen zu verlegen, wo ihre Schwester mit einem lokalen Mann dort ein Geschäft betrieb. Ziel war durch eine soziale und finanzielle Interaktion gemeinsam erfolgreiche Geschäfte zu machen. Ich gebe zu, eine Zeitlang war ich da auch optimistisch. In den Stories über vergangene Geschäfte dort in Manila taucht immer wieder ein Kontrollverlust in der ein oder anderen Form auf. Und welcher Teutone schmeichelt sich nicht selbst der Organisiertheit und Planungsfreudigkeit? Schnell merkte ich aber, dass ich dort gar nichts kontrollieren konnte. Wenn die sehr intelligenten und geschäftstüchtigen Taiwaner und Sino-Philippinos mit ihrer intimen Kenntnis der lokalen Businesswelt aufeinander treffen braucht man keinen Deutschen, auf dessen Ideen man hört. So strebten wir eine Weile auseinander, Junior und Frau lebten in Manila und ich wieder in Niedersachsen; auch eben als Nachlassverwalter. Das war für uns eine sehr aufreibende Zeit.

Nun hat sich das Kapitel Manila wohl mittlerweile erledigt und meine Frau und ich fanden den Kompromiss, einstweilen wieder in Taipei zu leben. Auto viel kleiner (245 auf 99 PS), Wohnung kleiner aber schicker (möbliert, weil aller Hausrat weggeschmissen oder verschenkt) und fast alles ist wieder beim alten. Ich versuche, in Manila getätigtes Investment zurück zu rollen. Ich nenne Manila gerne die "Geißel meiner mittleren Lebensjahre" und ein Ende ist nicht abzusehen.

Nun genieße ich einstweilen die Normalität. Die Todesschwadronen in Manila und ihr Echo in der Weltpresse lösen bei mir nur noch den wohligen Schauer aus, mich damit nicht mehr beschäftigen zu müssen. Obwohl das dort immer noch gebundene Kapital sicher mit jedem Quentchen Chaos etwas weniger wird. Aber gedanklich habe ich das alles schon längst abgeschrieben. "Zwang zur Jugendlichkeit" könnte man es nennen. Passives Alter mit Aufbrauchen des Angesparten kann ich mir schlichtweg nicht leisten.

Witzige Randnotiz: Als ich nach dem Tode meines Vaters und dem zeitweisen geographischen Verlust von Frau und Kind in Deutschland saß und einem - sehr entfernten - Verwandten mein Leid bei dem ein oder anderen Bier* zu viel klagte, wie sehr die Philippinos den ludigelschen Wohlstand strapaziert hatten - da nutzte der entfernte Verwandte die Gelegenheit und verschwand mit der ein oder anderen Armbanduhr aus meiner Sammlung. Eine witzige Randnotiz die auch eine Lebenslektion beinhaltet, nämlich in Sachen Verwandtschaft nicht auf Nationalität oder Geographie zu achten. Der junge Mann eines liebgewonnen Familienflügels hat viel durchgemacht im Leben, so wurde mir gesagt. Na ja, vielleicht helfen da vier Armbanduhren. Eine an jedem Fuß- und Handgelenk liefert vielleicht die nötige Zerstreuung. Und immerhin beschert er mir ein neues Hobby. Ich schicke ihm alle paar Wochen eine Zahlungserinnerung in sarkastischer Form (er hat sie mit meinem Einverständnis mitgenommen und wollte das Geld überweisen) und er antwortet dann immer mit gar schrecklich dramatischen Geschichten, warum er wieder nicht zur Überweisung gekommen ist. Oder reagiert putzig beleidigt. Beides amüsiert mich so, dass es schon das reinste Hobby geworden ist. Ich hoffe, nicht alle der Geschichten sind wahr. Aber ich ertappe mich dabei, immer wieder auf seine neuste Erzählung zu warten. Ich werde ihm gleich noch mal eine Zahlungserinnerung mit Seitenhieb auf seine beteuerte Ehrenhaftigkeit schicken. Wenigstens ein bisschen Spaß will ich für mein Geld haben.

Wenn ich einst im hohen Alter mit Geld von meinem Verwandten und dem manilesischen Invest überhäuft werde - dann muss ich diesen Artikel schnell wieder löschen.

So, jetzt wird es aber Zeit für die neueste Geschichte aus dem fernen Deutschland ;-)


* und alles was sich noch im Keller finden ließ. Inklusive massenhaft Überbleibsel von 80er-Jahres-Feten



Kommentare:

Fabian hat gesagt…

Freut mich, dass es wieder etwas ruhiger und "normaler" abläuft bei Euch :) übrigens kann man deiner Frau ja nicht gerade mangelnde Toleranz vorwerfen - sollte sich die "private Deutschstunden"-Geschichte aus dem vorigen Post tatsächlich so zugetragen haben, ist ein vorzeitiges Ende des Arbeitstages ja noch durchaus glimpflich. Bei meiner japanischen Freundin hätte es da andere vorzeitige Enden gegeben - wobei ich das "japanisch" vermutlich weglassen kann, da das wohl eher individuelle als kulturelle Eigenheiten sind...
Wünsche Euch alles Gute!

Lg,
Fabian

"Ludigel" hat gesagt…

Danke ;-)