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Donnerstag, Oktober 19, 2017

Heimatnotizen

Kurz vor dem nächsten Deutschlandaufenthalt Zeit für ein Resumee

Ich gebe zu, kaum etwas hatte mich in der letzten Zeit so beschäftigt, wie Merkels Flüchtlingspolitik. Voller Sorge, wie diverse brotlose männliche Zugezogene die Kriminalitätsrate beeinflussen würden, gerade in Hinsicht meiner alten Mutter, die allein im Reihenhaus sitzt - habe ich mich vor zwei Jahren oder so zum Googeln einschlägiger Stichworte hinreißen lassen. Mit "Refugees Kriminalität" oder dergleichen landete ich bald auf Facebookgruppen, Webseiten und in Foren, die das Bild eines von arabischen und afrikanischen Ausländern belagerten Deutschlands kolportierten, wo man sich vor lauter Kriminalität kaum noch auf die Straße trauen konnte. Damals liebäugelte ich mit der Wahl der damals noch gemäßigten AfD (vor dem Auftrumpfen von Herrenmensch Höcke und der Dominanz von Herrn GAUland).

Dann die Verblüffung bei einem Kurztrip nach Deutschland. Ruhige niedersächsische Kleinstadtstraßen wie immer, von ausländisch aussehenden Leuten weit und breit keine Spur. Die erste Frau, die ich mit Kopftuch sehe ist eine (katholische) Nonne.

Alles im gelben Bereich, kein Grund mit einer Flappe durch die Heimat zu laufen*

Doch wie war es nun bei zwei längeren Aufenthalten in Deutschland? In Stichworten.

- Wie immer hohe Ausländerdichte der osteuropäischen und türkischen Variante im Stadtzentrum der Kleinstadt, wo viele plattenbauähnlichen Wohngebiete liegen. Unverändert. Hier habe ich mich früher schon mal auf Englisch bei meiner Frau beschwert, dass man kaum noch Deutsch bei C&A hört ;-)

- In den ruhigen obere Mittelklasse-Wohnstraßen unseren Reihenhauses sind die ersten arabisch aussehenden Leute zu sehen. Ein Novum. Aber sicher nichts negatives. Eine hübsche junge Frau hat ein wehendes lila Kopftuch elegant um den Kopf geschlungen. Nett.
Im Zentrum mittlerweile viele Kopftücher bei den Damen. Wäre es ein normaler und nicht soziologisch-patriarchalisch induzierter Trend würde ich sagen: Mal was neues, aber designmäßig können die Damen von der erwähnten jungen Frau mit dem lila Kopftuch lernen. Mir bleibt ein leicht unangenehmes Gefühl im Hinterkopf, denn hier ist mehr sozialer und religiöser Druck die Schubkraft des neuen "Trends" und nicht etwa das Modegefühl der (oft neubürgerischen?) Damen.

- Die Lokalzeitung weiß in der letzten Zeit von einigen Verbrechen zu berichten, die es so früher nicht gab. Nicht missverstehen, Überfälle zu nächtlichen Zeiten gab es auch früher schon in der Kleinstadt. Aber jetzt lese ich von einem von mehreren südländisch aussehenden Herren ausgeraubten Teenager auf dem Fahrrad im Naturschutzgebiet schon bei Sonnenuntergang. Ein Überfall auf dem Garagenhof nahe Zentrum schon um 20 Uhr und zu gleicher Tageszeit ein Messerangriff an der Stadtbahnhaltestelle. Und noch mehr Meldungen der Art, allerdings auf einem Zeitraum von 2 Jahren verteilt, das gebe ich gerne zu.

- Treffen bei einem alten Studienfreund. Seine Frau und er empfehlen dem leicht angetrunkenen Ludigel, der natürlich sein Auto stehen lässt, nicht wie früher einfach die 2 Kilometer zu Fuß nach Hause zu gehen, sondern lieber ein Taxi zu nehmen. Sie erwähnen die Leiche, die man vor einem Jahr oder so vorm Asylsuchendenheim gefunden hat, schon monatelang im Gebüsch vermodernd, bis heute unidentifiziert. Und sagen, man ginge halt seit dem Beginn der Flüchtlingswelle nicht mehr abends einfach so raus. Auch ihre Bekannten würden jetzt immer lieber ein Taxi rufen. Ich verzichte auf den bei mir schon liebgewonnen Abendspaziergang nach Haus, der über mein altes Schulgelände geführt hatte.

- Bei einem Grillabend lerne ich den ersten "Flüchtling" persönlich kennen. Er ist ein netter junger Mann und die Anführungszeichen verwende ich nur, weil er als Marokkaner natürlich nicht vor Krieg geflüchtet ist, sondern eben eine Chance in Deutschland sucht. Er ist mit einer Deutschen zusammen und ist ein weltläufiger gebildeter junger Mann, der sicher ein Gewinn für das Land ist. Ich wünsche ihm, dass er bleiben kann und denke wieder einmal, dass wir eigentlich ein Einwanderungsgesetz bräuchten, um weniger Messerstecher (vgl. den Toten vorm Asylsuchendenheim) und mehr Leute wie ihn zu kriegen.

Soweit die Notizen. In früheren Blogjahren wäre jetzt die PC-Korrektheitstruppe über mich her gefallen und ich hätte am Ende noch tagelang Facebook-Bombs zu dem Thema bekommen und alle hätten wieder "Nazi" geschrien. Ruhig wie das Blog geworden ist, wird es wohl unkommentiert bleiben ;-) Gegen vernünftige Diskussion wäre natürlich nichts einzuwenden.

* Bild aus dem hannoverschen Zoo

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Lieber Ludigel,

schauen Sie bitte doch auch einmal hier, was die Wshington Times meint:

http://amp.washingtontimes.com/news/2017/oct/17/editorial-angela-merkel-courted-a-well-meant-but-d/

Viele Grüße nach Taipei, wo man/frau auch nachts durch die Straßen gehen kann ... Das gilt auch von Tokyo und Seoul, aber nicht mehr von Berlin, Köln und anderen Großstädten.

John

"Ludigel" hat gesagt…

Wo vielleicht langsam ein Umzug nach D am Horizont erscheint, bleibt auch die Schulfrage für Junior. Ich habe es schon oft gehört und bin beim Rezitieren dann Nazi genannt worden: Migrantenkinder bilden niedliche kleine Banden und verprügeln die, die als Deutsch empfunden werden. Jetzt gibt es sogar der Spiegel indirekt zu: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-erfolg-in-salzgitter-wenn-die-stimmung-kippt-a-1173710.html

Nun muss man ja heute für Multi-Kulti sein, das ist ganz suppi and macht häppi, aber da Junior die Schläge einstecken müsste bleibt doch die Frage wie man das vermeidet. Bislang observiere ich unauffällig Schulen auf dem Lande bei uns in der Nähe. Die haben im Gegensatz zu denen meiner Heimatstadt einen sehr geringen Ausländeranteil, so scheint es. Da kann Junior dann als deutsch aussehender Schüler evtl. die Schule besuchen, ohne vor Flüchtlingskindern flüchten zu müssen.

Grüße an alle Sozialdemokraten und ihre Zensurgesetze. Solange es im SPIEGEL steht darf man's noch schreiben, oder?