Dieses Blog durchsuchen

Donnerstag, Oktober 26, 2017

Automobilistisches

Vom braunen Kasten über den schwarzen Riesen zur roten Knutschkugel

Als ich 2004 nach Taiwan zog, ließ ich den vom Vater zur Verfügung gestellten alten Mitsubishi Spacewagon (Hochdachkombi mit 133 PS) daheim zurück und ging in Taipei zunächst zu Fuß. Meine Frau hatte zwar noch kurz vorher einen Kia Karens (ein Äquivalent zum Spacewagon) gefahren, diesen aber verkauft, als sie kurz nach Deutschland gezogen war. Dann hatte es ihr in Deutschland nicht gefallen (um es milde auszudrücken) und wir zwei sind eben nach Taiwan gezogen. Das hatte uns also bereits zwei Autos gekostet in diesem Sinne.

Zu Fuß trabte ich genervt durch bürgersteiglose Gasse und stand mit den Autos in versmogten Straßen im Stau, wollte aber trotzdem kein eigenes Auto haben. Auch weil ich geistig immer Taipei wieder verlassen wollte. Damals war es halt noch ein ganz anderes Land - all die schicken Straßen von heute gab es kaum bis nicht. Das Hochhaus 101 stand mit ein paar Vorzeigestraßen einsam zwischen grauen Plattenbauten. Man kann sich das heute kaum noch vorstellen.

Erst 2006 schafften wir ein Auto an, es wurde ein Nissan X-Trail, der mit seinem 2-Liter-Benziner und 150 PS so zögerlich auf das Gas reagierte, als wenn drinnen nur 110 Pferde oder so ihre Arbeit verrichteten. Ein Modell, das es schon seit 2001 in Deutschland, aber erst seit 2005 in Taiwan gab und das hier auch hergestellt war. Innen freilich mit Leder und Kunstholz ganz anders aussehend als der robuste Innenraum der deutschen Version.


Bürgerlicher Wohlstand kehrte ein, der Nissan stand vorm Reihenhaus geparkt zusammen mit einem fast 10 Jahre alten Opel Corsa, den wir angeschafft hatten, als Frau und ich in zwei Firmen gearbeitet haben. Selten habe ich ein Auto so gehasst wie den Corsa, der immer kaputt war. Kochender Motor und Anlassprobleme. Genau gesagt "schrie" das Auto wie am Spieß wenn man den Anlasser betätigte. Fußgänger machten bei dem tier- oder eher dämonenhaften Laut einen solchen Satz, dass man befürchten musste, sie würden einen Herzinfarkt kriegen. Ein Corsa 1.2 Swing. Als auch noch die Bremsen nachließen und man pumpen musste, gab sogar der lokale "TÜV" (zu dem man ältere Autos in Taiwan bringen muss) sein OK dazu. Sie rieten zum langsam fahren.
Der Nissan blieb uns ein treuer Begleiter bis 2014, als auch wegen Befestigung für Kindersitze (den in Taiwan jap./kor. Autos nicht haben) ein Volvo angeschafft wurde. Mit 8 Jahren und 185.000 km hatte der Nissan nie Probleme gemacht. Nur einmal waren wir liegen geblieben als ich die rote Batteriewarnung zwei Wochen lang ignoriert hatte. Daraufhin gab die Lichtmaschine bei erst 85.000 km ihren Geist auf. Noch kurz vorm Verkauf mit neuen Stoßdämpfern ausgestattet fuhr sich der Nissan wieder wie ein Neuwagen. In der Rückschau das beste Auto, dass ich je hatte. Der X-Trail nahm 10-12 Liter in Taiwan, der Corsa um die 9.

Angeschafft wurde der Volvo XC 60 T5 mit einem 2-Liter Turbomotor, den Volvo als Sparmotor bezeichnete. Wohl weil er seine geschlagenen 245 PS nur aus 2 Litern Hubraum zog.  Freilich war der Wagen für die oft schmalen Gassen Taipeis viel zu breit und steckte manchmal fast fest. Geschlagene 1.90 Meter breit war er. Und das obwohl er im Innenraum viel enger wirkte als der Nissan X-Trail.

Die Inspektionen waren teuer, mal eben 20.000 NT statt wie vorher 2.000 bis 4.000 NT beim Nissan waren für uns eine ungewohnte Dimension, wenn auch erträglich. Der Verbrauch war horrend. Der "Sparmotor" gurgelte sich zwischen 11.8 und 15 Liter in den Rachen, mit Tendenz zur Steigerung. Unvergessen ist mir das wütende Pipen und die roten Warnungen auf einem großen "taktischen Display" auf dem Armaturenbrett, mit dem der Wagen -ständig- auf das -ständige- Annähern von Mopeds reagierte, deren ungefähre Position auf dem Bildschirm unter wütendem Pfeifen angezeigt wurde. So als gälte es die Phaser auf die Position eines die Tarnung fallen lassenden Klingonenkreuzers bei Star Trek auszurichten.
Die Sicht nach hinten links und hinten rechts beim Spurwechsel war wegen der ansteigenden Seitenlinie schlecht, dafür hatte er jedoch elektronische Helferlein die wiederum Feinde im toten Winkel blinkend anzeigten.
Meine Frau gab mit dem von ihr gewünschten Volvo das Autofahren schlichtweg auf. Sie kam einfach mit der Breite nicht zurecht. Trotzdem wirkte sie immer glücklich in dem dicken Fahrzeug. "Etwas her machen" tat der Volvo auch in Bezug auf die anderen Verkehrsteilnehmer. Während diese mir in der Nissanzeit ständig vor den Kühler kreuzten oder oft in Millimeterabstand auf der Stoßstange hingen, hielten die Taiwaner zu dem Volvo fast immer respektvollen Abstand und stellten manchmal sogar irgendwelche Rennen, in die sie gerade verstrickt waren ein, um manierlich und mit gesetztem Blinker an mir vorbei zu ziehen - erst wenn ich gewillt war ihnen Platz zu machen. Ich gebe zu, ich konnte mit dem dicken Ding gemütlich und entspannt durch Taiwan fahren. So gesehen fiel mir die Trennung am Schluss etwas schwer.
Der Wagen fiel der chaotischen Zeit zum Opfer, in der meine Frau mit dem manilesischen Familienzweig - ihrer Schwester nebst lokalem Manne - fusionierte und mit Junior dort hin zog, während ich nach Deutschland zog. Eine chaotische Zeit, der also auch der dicke Volvo zum Opfer fiele. Das praktisch neue Auto nach 2 Jahren zu verkaufen machte hohen Verlust und heute fährt ihn immerhin teilbezahlterweise die Schwester Nr. 4 meiner Gattin. La Sagrada Familia ist hier sowieso die Hauptsache.

Kaum wieder zurückgekehrt nach Taiwan schmiedete meine Frau Pläne irgendwas dickes mit Stern anzuschaffen. Nun habe ich nichts gegen LKWs, aber wenn diese sich heute auch SUV nennen plädierte ich energisch erst mal für einen Kleinwagen. Wer weiß denn, ob sich unsere Hin- und Herziehphase nicht noch fortsetzt.

So fahren wir derzeit mit der nagelneuen Knutschkugel oben im Bild herum. Ein Nissan Micra, der sich hier March nennt und hier seit recht kurzer Zeit erst so verkauft wird, wie es ihn in Deutschland von 2009 bis 2013 gab (Micra K12). So klein ist ein Kleinwagen heute auch nicht mehr, er hat immerhin ziemlich genau die Ausmaße eines Golf A und man sitzt erstaunlich bequem in dem Ding. Wohl wegen des hohen Daches. Ich will nicht behaupten dass der Vierzylinder mit 1.5-Litern und 99 PS das beste Auto aller Zeiten ist (Motorosierung abweichend von Deutschland), aber er ist trotz Automatik agil im Stadtverkehr und der Verbauch ist auch um Klassen besser als beim Volvo. Fährt meine Frau ihn allein oder mit Junior kommt sie auf 6-7 Liter Verbauch, bei mir hingegen nimmt das Ding 8-9 Liter, obwohl ich viel vorsichtiger mit dem Gas umgehe. Meine Frau wirft das Ding wie einen roten Flummi durch die Gegend und hat mit dem kleinen Auto das Autofahren und die Freude daran wiederentdeckt. Ich hingegen fahre ihn häufig recht missmutig im Vergleich zum Volvo. Fangen doch die Taiwaner wieder damit an, mich ständig mit ihren dicken Limusinen und SUVs zu bedrängen, als gäbe es irgendeinen Preis zu gewinnen.

Egal wie oft ich in die dunkle Tiefgarage komme, so sieht es nie aus (fehlt das Licht denke ich), Bildklau von Nissan Taiwan

Innen hat der Nissan schickes Hartplastik am Armaturenbrett, trotzdem (für seine 570.000 NT) Ledersitze und damit es nicht langweilig wird klappert hinten immer irgendwas. Aber dafür werden sich wohl keine taiwanischen Verwandten darum reißen mit dem Ding einst durch die Gegend zu fahren, wenn wir mal wieder wegziehen. Wir planen ihn für den Fall als Taiwanauto meiner Frau zu behalten und bei einem Freund der Familie unterzustellen.

Da ich nun zwischen Deutschland und Taiwan pendele habe ich auch noch den nagelneuen Mitsubishi von meinem Vater übernommen, der ja leider verstorben ist. Jetzt ist der rote Mitsubishi  ASX schon wieder über ein Jahr alt geworden aber fast immer nur in der Garage stehend meiner Abwesenheit halber und gerade mal 5700km gelaufen.

Weit und breit keine Forstmitarbeiterinnen, um mal am Auto zu posieren.


Frau ist der 117-PS-starke kompakte SUV, der im ruhigen Niedersachsen auch nur zwischen 8 und 9 Litern nimmt ein kleiner Dorn im Auge. Sie mag es eher mit Stern in der letzten Zeit und kauft mir nicht ab, dass der Mitsubishi "Drei Diamanten"-Stern doch fast genau so ist. In die Diskussion fiel Junior mit einer "Volvo Volvo Volvo"-Kaskade ein. Er ist immer noch ein Fan von unserem schwarzen Ungetüm oben im Bild.

Am meisten Spaß gemacht hat mir jedenfalls ein anderer Mitsubishi, Anno 1985 oder 86 frisch führerscheinbesitzend und auf Spritztour in Ostberlin.


Heute finde ich er sieht gar nicht so viel anders aus als das realsozialistische Blech in der Straße. Damals allerdings hatte der "Space Wagon 1800 GLX" in der DDR richtig für Aufsehen gesorgt. Nach Feten (in Der Brrrrrd) konnte man hinten den Siebensitzer in eine Liegefläche verwandeln und drin nächtigen. Übrigens hat er fast identische Breite und Höhe wie der Nissan March oben im Bild. Dabei ist der heute ein Kleinwagen und der Space Wagon war eine ausgewachsene Familienkutsche.

Mehr Bilder von dem Ostberlin-Trip hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2012/07/wie-ich-die-ddr-ruiniert-habe.html
U.a. sieht man dort den Wagen einmal vor westberliner Reichstag und einmal vorm ostberliner Palast der Republik geparkt. Den Fun von damals kann auch ein 400 PS-Mercedes nicht ersetzen (den Gattin im Visier hat).



Freitag, Oktober 20, 2017

UPDATE: Taiwanische Theorien (Doppelte Staatsbürgerschaft, Kindergeld...)

Unlängst hatte meine Frau Kontakt in einem Forum zu einer Taiwanerin, die irgendwie mit Deutschland verbandelt ist. Ihre Theorien, welche Vorteile man hinsichtlich Kindergeld, Staatsbürgerschaft und Schulgeld erlangen könnte veranlassten mich zu neuerlicher Recherche. Hier Theorie und Tatsachen gegenübergestellt. Wer besseres weiß, ist natürlich aufgerufen, dass in den Kommentaren anzugeben, danke.

These 1: Man kann immer Kindergeld in Deutschland bekommen, auch wenn man dort gar nicht lebt.

Tatsachen laut meiner Recherche: Jein. Um in Deutschland Kindergeld für ein nicht in Deutschland wohnhaftes (nicht dort gemeldetes) Kind zu bekommen, muss das Kind meines Wissens nach im Ausland eine gemeinsame Wohnung mit den Eltern bewohnen und ein Elternteil in Deutschland steuerpflichtig sein ODER dort gemeldet sein ODER dort seinen Lebensmittelpunkt haben.

Da ich seit 2016 in Deutschland wieder gemeldet und ein paar Monate im Jahr dort bin und mit Junior und Frau sonst in Taiwan lebe, besteht also die Möglichkeit von Kindergeld, auch wenn ich mir nicht sicher bin. Ich hatte den Antrag ohnehin schon länger liegen und habe ihn nun mit wahrheitsgemäßen Angaben ausgefüllt. Gemeint ist hier nicht dem Amt vorzutäuschen, Junior würde in Deutschland leben. Auslandsdeutsche machen so etwas öfter mal, ich aber nicht.

These 2: Als Taiwaner(in) kann man immer auch die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten, obwohl man die taiwanische behält.

Tatsachen laut meiner Recherche: Nein mit Tendenz zum Jein. Grundsätzlich verlangt die Bundesrepublik Deutschland von einem (etwa durch Heirat/Zuzug und langes Leben im Land) die deutsche Staatsbürgerschaft annehmenden Ausländer die Aufgabe der alten Staatsbürgerschaft. Auch wenn die Republik China alias Taiwan nicht offiziell diplomatisch anerkannt wird, ändert das nichts an diesem Umstand. Allerdings gibt es Fälle, wo die doppelte Staatsbürgerschaft erlaubt ist. Sowieso bei Nachkommen von Deutschen und Ausländern ab Geburt, siehe hier im Blog. Und abgesehen davon in Fällen, indem dem Ausländer (a) bei Aufgabe seiner alten Staatsbürgerschaft unzumutbare Nachteile drohen oder (b) der alte Staat nicht kooperativ ist und die Aufgabe der alten Staatsbürgerschaft verweigert oder bis (mindestens?) zwei Jahre hintertreibt. Ausdrücklich meint Fall (a) NICHT die normalen Nacheile einer Staatsbürgerschaftsaufgabe, etwa nicht mehr wählen zu können.

Ich denke nicht, dass (a) oder (b) auf Taiwan zutreffen. Man könnte aber sicher einen Fall konstruieren, bei dem die Beibehaltung der taiwanischen (R.O.C.) Staatsbürgerschaft erlaubt würde, etwa wenn ein patriotischer Vater der Tochter bei Aufgabe der Staatsbürgerschaft mit Enterbung drohen würde. Das ist von mir spekuliert.

UPDATE: Siehe Kommentare: Taiwan diskriminiert Ausländer bei einigen Regelungen, etwa der Beamtenrente (hier bekommen Ausländer nur geringe Einmalzahlung statt monatl. Rente). Das wäre dann sicher ein gravierender Nachteil, dass man auch die R.O.C. (Taiwan)-Staatsbürgerschaft behalten könnte.
Sollte der taiwanische Staat eigenen Staatsbürgern tatsächlich die R.O.C.-Staatsbürgerschaft automatisch zurückgeben, wenn sie diese zur Erlangung der deutschen oder einer anderen abgelegt haben (lt. Kommentaren ist das möglicherweise so), dann könnten sie auch nach deutschem Recht beide behalten. Nur wenn diese neu beantragt werden müsste ginge das nach deutschem Staatsbürgerschaftsrecht nicht. EDIT: Siehe Kommentare unten. Unklar ist, wie das Neubeantragen des taiwanischen Passes (i.S. des Papierdokuments) von Deutschland aus gesehen würde und ob es zum Entzug der deutschen Staatsangehörigkeit führen könnte. Don't try this at home ohne rechtliche oder anderweitig kompetente Beratung!

These 3: Der deutsche Staats erstattet das (horrende) Schulgeld für die deutschen Auslandsschulen.

Tatsachen laut meiner Recherche: Absolut nicht. Wer da einen Kniff kennt, teilt ihn mir bitte mit und bereitet sich auf ein Geschenkpaket von Ludigel per Post vor.


UPDATE: Kindergeldantrag abgelehnt mit der (ungefähren) Begründung ich würde weder in Deutschland Wohnsitz haben (falsch, bin seit Dez. 2016 amtl. gemeldet) oder steuerpflichtig sein (falsch denke ich, denn meine Bank geht jedenfalls davon aus dass ich mit Meldeadresse in Deutschland auch steuerpflichtig bin, ich ebenfalls). Werde also später Einspruch erheben und Meldebescheinigung und (die noch zu holende) Steuerkarte beilegen.

UPDATE 2: Siehe Fallbeispiele hier im neuen Artikel: http://osttellerrand.blogspot.tw/2017/11/kindergeld.html

Donnerstag, Oktober 19, 2017

Heimatnotizen

Kurz vor dem nächsten Deutschlandaufenthalt Zeit für ein Resumee

Ich gebe zu, kaum etwas hatte mich in der letzten Zeit so beschäftigt, wie Merkels Flüchtlingspolitik. Voller Sorge, wie diverse brotlose männliche Zugezogene die Kriminalitätsrate beeinflussen würden, gerade in Hinsicht meiner alten Mutter, die allein im Reihenhaus sitzt - habe ich mich vor zwei Jahren oder so zum Googeln einschlägiger Stichworte hinreißen lassen. Mit "Refugees Kriminalität" oder dergleichen landete ich bald auf Facebookgruppen, Webseiten und in Foren, die das Bild eines von arabischen und afrikanischen Ausländern belagerten Deutschlands kolportierten, wo man sich vor lauter Kriminalität kaum noch auf die Straße trauen konnte. Damals liebäugelte ich mit der Wahl der damals noch gemäßigten AfD (vor dem Auftrumpfen von Herrenmensch Höcke und der Dominanz von Herrn GAUland).

Dann die Verblüffung bei einem Kurztrip nach Deutschland. Ruhige niedersächsische Kleinstadtstraßen wie immer, von ausländisch aussehenden Leuten weit und breit keine Spur. Die erste Frau, die ich mit Kopftuch sehe ist eine (katholische) Nonne.

Alles im gelben Bereich, kein Grund mit einer Flappe durch die Heimat zu laufen*

Doch wie war es nun bei zwei längeren Aufenthalten in Deutschland? In Stichworten.

- Wie immer hohe Ausländerdichte der osteuropäischen und türkischen Variante im Stadtzentrum der Kleinstadt, wo viele plattenbauähnlichen Wohngebiete liegen. Unverändert. Hier habe ich mich früher schon mal auf Englisch bei meiner Frau beschwert, dass man kaum noch Deutsch bei C&A hört ;-)

- In den ruhigen obere Mittelklasse-Wohnstraßen unseren Reihenhauses sind die ersten arabisch aussehenden Leute zu sehen. Ein Novum. Aber sicher nichts negatives. Eine hübsche junge Frau hat ein wehendes lila Kopftuch elegant um den Kopf geschlungen. Nett.
Im Zentrum mittlerweile viele Kopftücher bei den Damen. Wäre es ein normaler und nicht soziologisch-patriarchalisch induzierter Trend würde ich sagen: Mal was neues, aber designmäßig können die Damen von der erwähnten jungen Frau mit dem lila Kopftuch lernen. Mir bleibt ein leicht unangenehmes Gefühl im Hinterkopf, denn hier ist mehr sozialer und religiöser Druck die Schubkraft des neuen "Trends" und nicht etwa das Modegefühl der (oft neubürgerischen?) Damen.

- Die Lokalzeitung weiß in der letzten Zeit von einigen Verbrechen zu berichten, die es so früher nicht gab. Nicht missverstehen, Überfälle zu nächtlichen Zeiten gab es auch früher schon in der Kleinstadt. Aber jetzt lese ich von einem von mehreren südländisch aussehenden Herren ausgeraubten Teenager auf dem Fahrrad im Naturschutzgebiet schon bei Sonnenuntergang. Ein Überfall auf dem Garagenhof nahe Zentrum schon um 20 Uhr und zu gleicher Tageszeit ein Messerangriff an der Stadtbahnhaltestelle. Und noch mehr Meldungen der Art, allerdings auf einem Zeitraum von 2 Jahren verteilt, das gebe ich gerne zu.

- Treffen bei einem alten Studienfreund. Seine Frau und er empfehlen dem leicht angetrunkenen Ludigel, der natürlich sein Auto stehen lässt, nicht wie früher einfach die 2 Kilometer zu Fuß nach Hause zu gehen, sondern lieber ein Taxi zu nehmen. Sie erwähnen die Leiche, die man vor einem Jahr oder so vorm Asylsuchendenheim gefunden hat, schon monatelang im Gebüsch vermodernd, bis heute unidentifiziert. Und sagen, man ginge halt seit dem Beginn der Flüchtlingswelle nicht mehr abends einfach so raus. Auch ihre Bekannten würden jetzt immer lieber ein Taxi rufen. Ich verzichte auf den bei mir schon liebgewonnen Abendspaziergang nach Haus, der über mein altes Schulgelände geführt hatte.

- Bei einem Grillabend lerne ich den ersten "Flüchtling" persönlich kennen. Er ist ein netter junger Mann und die Anführungszeichen verwende ich nur, weil er als Marokkaner natürlich nicht vor Krieg geflüchtet ist, sondern eben eine Chance in Deutschland sucht. Er ist mit einer Deutschen zusammen und ist ein weltläufiger gebildeter junger Mann, der sicher ein Gewinn für das Land ist. Ich wünsche ihm, dass er bleiben kann und denke wieder einmal, dass wir eigentlich ein Einwanderungsgesetz bräuchten, um weniger Messerstecher (vgl. den Toten vorm Asylsuchendenheim) und mehr Leute wie ihn zu kriegen.

Soweit die Notizen. In früheren Blogjahren wäre jetzt die PC-Korrektheitstruppe über mich her gefallen und ich hätte am Ende noch tagelang Facebook-Bombs zu dem Thema bekommen und alle hätten wieder "Nazi" geschrien. Ruhig wie das Blog geworden ist, wird es wohl unkommentiert bleiben ;-) Gegen vernünftige Diskussion wäre natürlich nichts einzuwenden.

* Bild aus dem hannoverschen Zoo

Dienstag, Oktober 17, 2017

Finanzielles Aufräumen

Ludigel kehrt mit eisernem Besen

Für das Jahr 2018 und ab sofort habe ich eine grundlegende Sanierung sämtlicher Finanzen auf den Stundenplan geschrieben. Sowohl bei meinem eigenen Geld wie bei dem meiner Eltern, das ich nach dem Tode meines Vaters nun verwalte. Es ist verblüffend wie viel Unsinn die Leute mit dem Geld anstellen.

Die Commerzbank hatte das Geld meiner Eltern in einer Vermögensverwaltung, allerdings hatte der Crash 2008 etwa 1/3 aller Werte vernichtet. Ich war nun davon ausgegangen, dass die diversen Erholungen in den letzten Jahren da wieder etwas zurück gebracht hätten. Doch Fehlanzeige. Die Commerzbank hatte das Geld so "geschickt" verwaltet, dass gute Fonds entweder nur mit Minisummen vorkamen - oder aber schlechte Fonds wie ein Horror-Rohstoffpapier immer wieder jedwede Gewinne kompensierten. Durch sonstigen Nullzins hatten meine Eltern daher bereits die Hälfte ihres Kapitals aufgebraucht. Toll auch eine Beteiligung an einem geschlossenen Immobilienfonds, der zum Ziel hatte, der Telekom eine neue Zentrale in Darmstadt zu bauen. Das Vorhaben gelang auch, allerdings hat sich der Fonds zwischenzeitlich in eine AG gewandelt, die dann wiederum komplett pleite ging, so dass gerade um die 2% der Kapitals nach Insolvenz zurück flossen. Es ist eines der Mysterien des Kapitalismus, dass die Telekom trotzdem die Zentrale bewohnt und die Geldgeber aber ihr Geld los sind. Das hat schon etwas magisches.

Gute Beratung also von der Commerzbank. Dort hat man offenbar die Lebenserwartung meiner Eltern prognostiziert und dann das Kapital so unmöglich angelegt, dass es sich bis zum max. Lebensalter auf Null reduziert hätte. Die aktuelle Beraterin konnte es auf den mittlerweile nicht mehr vorhandenen Vorgänger schieben. Sicher nicht ihre Schuld. Aber mit der Subventionierung der Commerzbank versuche ich nun Schluss zu machen. Den Horror-Rohstofffonds habe ich mit 30% Verlust im Depot verkauft und derzeit trenne ich mich von all den stagnierenden Fonds. Bei der unsicheren Lage mit Koreakriegsgefahr (vgl. Nachrichten) ist einfach Geld auf dem Konto das sicherste. Evtl. gehe ich später wieder in die besseren Fonds. Also genau die, die im Depot nur mit Minisummen vorhanden waren.

Als ehemals selbständiger Handwerksmeister hatte mein Vater ja kaum Rente und meine Eltern mussten vom Angesparten leben. Offensichtlich hat die Commerzbank da ein Potential für sich gesehen.

Die zweite Baustelle sind meine eigenen Finanzen. Hier muss man wissen, dass meine Frau eine sehr gute Managerin in Sachen ihres computerbezogenen Berufes ist und weil sie den starken Drang hatte, unsere Finanzen zu verwalten, habe ich dem Stück für Stück in der Vergangenheit nachgegeben. Ergebnis war die schon mehrfach im Blog erwähnte Kooperation mit dem Manila-Familienzweig, die praktisch alle privaten Aktiva aufgesogen hat, u.a. durch den Kauf von Immobilien und sonstigem. Hier weht nun auch ein komplett anderer Wind. Ich liquidiere dort was noch zu liquidieren ist. Auf das Stichwort Manila reagiere ich wie einst Steve Martin in diesem Film, wo er einen Irren spielt, der bei Erwähnung des Wortes "Putzfrau" immer Leute würgen will. "Tote tragen keine Karos" heißt der Film glaube ich. Ich würge nicht, ich fluche eher. Ziemlich ausdauernd und laut. Den Toast "Philippine Sunshine" bestelle ich nicht mehr im Firmencafé, ich würde ihn sonst an die Wand werfen.

Freitag, Oktober 06, 2017

Kurzinfo: Invasion Taiwans 2020?

Zur Diskussion gestellt

http://www.dailymail.co.uk/news/article-4944902/China-drawn-secret-plans-invade-Taiwan-2020.html

Ein Blogkommentator hat es einmal treffend beschrieben. Meist sind es die Englisch"lehrer" in Taiwan mit ihrer Oft-Nichtausbildung aus dem angelsächsischen Sprachraum, die solche Gedanken hegen. Wenn die Haare grau werden, die Gehälter runter und man nicht mehr dem jugendlichen Image der English Teacher für die Kleinen in Happy-Peppy-Spaßsprachschulen in Taiwan entspricht, dann wird die persönliche Sorge vielleicht auf die nationale Lage projiziert und man sieht die chinesischen Truppen schon fast in Taiwan. Hat eh alles keinen Zweck, also noch ein Taiwan Beer.

Oder ist doch was dran an dem Artikel? Tatsächlich verlieren die Chinesen mehr und mehr die Herzen der Taiwaner. Denn die jungen Taiwaner haben meiner Ansicht nach weit weniger mit China am Hut als die Älteren, die mit den Erzählungen von der tollen Heimat der Eltern oder Großeltern groß geworden sind. Also schnell noch eine Invasion, bevor die Taiwaner endgültig zum Ausland werden?


Dienstag, Oktober 03, 2017

Ruhigere Zeiten

Nach großen Trubulenzen in der letzten Zeit ist es wieder ruhiger.

Ende 2016 war eine chaotische Zeit für mich hier in Taiwan angebrochen, die man hier im Blog mitverfolgen konnte. Viele Artikel sind einstweilen wieder gelöscht, das gebe ich gerne zu. In Deutschland erkrankte mein Vater und ich begann böses zu ahnen. Gleichzeitig hatte meine Frau den starken Drang, ihren Wohnsitz nach Manila auf den Philippinen zu verlegen, wo ihre Schwester mit einem lokalen Mann dort ein Geschäft betrieb. Ziel war durch eine soziale und finanzielle Interaktion gemeinsam erfolgreiche Geschäfte zu machen. Ich gebe zu, eine Zeitlang war ich da auch optimistisch. In den Stories über vergangene Geschäfte dort in Manila taucht immer wieder ein Kontrollverlust in der ein oder anderen Form auf. Und welcher Teutone schmeichelt sich nicht selbst der Organisiertheit und Planungsfreudigkeit? Schnell merkte ich aber, dass ich dort gar nichts kontrollieren konnte. Wenn die sehr intelligenten und geschäftstüchtigen Taiwaner und Sino-Philippinos mit ihrer intimen Kenntnis der lokalen Businesswelt aufeinander treffen braucht man keinen Deutschen, auf dessen Ideen man hört. So strebten wir eine Weile auseinander, Junior und Frau lebten in Manila und ich wieder in Niedersachsen; auch eben als Nachlassverwalter. Das war für uns eine sehr aufreibende Zeit.

Nun hat sich das Kapitel Manila wohl mittlerweile erledigt und meine Frau und ich fanden den Kompromiss, einstweilen wieder in Taipei zu leben. Auto viel kleiner (245 auf 99 PS), Wohnung kleiner aber schicker (möbliert, weil aller Hausrat weggeschmissen oder verschenkt) und fast alles ist wieder beim alten. Ich versuche, in Manila getätigtes Investment zurück zu rollen. Ich nenne Manila gerne die "Geißel meiner mittleren Lebensjahre" und ein Ende ist nicht abzusehen.

Nun genieße ich einstweilen die Normalität. Die Todesschwadronen in Manila und ihr Echo in der Weltpresse lösen bei mir nur noch den wohligen Schauer aus, mich damit nicht mehr beschäftigen zu müssen. Obwohl das dort immer noch gebundene Kapital sicher mit jedem Quentchen Chaos etwas weniger wird. Aber gedanklich habe ich das alles schon längst abgeschrieben. "Zwang zur Jugendlichkeit" könnte man es nennen. Passives Alter mit Aufbrauchen des Angesparten kann ich mir schlichtweg nicht leisten.

Witzige Randnotiz: Als ich nach dem Tode meines Vaters und dem zeitweisen geographischen Verlust von Frau und Kind in Deutschland saß und einem - sehr entfernten - Verwandten mein Leid bei dem ein oder anderen Bier* zu viel klagte, wie sehr die Philippinos den ludigelschen Wohlstand strapaziert hatten - da nutzte der entfernte Verwandte die Gelegenheit und verschwand mit der ein oder anderen Armbanduhr aus meiner Sammlung. Eine witzige Randnotiz die auch eine Lebenslektion beinhaltet, nämlich in Sachen Verwandtschaft nicht auf Nationalität oder Geographie zu achten. Der junge Mann eines liebgewonnen Familienflügels hat viel durchgemacht im Leben, so wurde mir gesagt. Na ja, vielleicht helfen da vier Armbanduhren. Eine an jedem Fuß- und Handgelenk liefert vielleicht die nötige Zerstreuung. Und immerhin beschert er mir ein neues Hobby. Ich schicke ihm alle paar Wochen eine Zahlungserinnerung in sarkastischer Form (er hat sie mit meinem Einverständnis mitgenommen und wollte das Geld überweisen) und er antwortet dann immer mit gar schrecklich dramatischen Geschichten, warum er wieder nicht zur Überweisung gekommen ist. Oder reagiert putzig beleidigt. Beides amüsiert mich so, dass es schon das reinste Hobby geworden ist. Ich hoffe, nicht alle der Geschichten sind wahr. Aber ich ertappe mich dabei, immer wieder auf seine neuste Erzählung zu warten. Ich werde ihm gleich noch mal eine Zahlungserinnerung mit Seitenhieb auf seine beteuerte Ehrenhaftigkeit schicken. Wenigstens ein bisschen Spaß will ich für mein Geld haben.

Wenn ich einst im hohen Alter mit Geld von meinem Verwandten und dem manilesischen Invest überhäuft werde - dann muss ich diesen Artikel schnell wieder löschen.

So, jetzt wird es aber Zeit für die neueste Geschichte aus dem fernen Deutschland ;-)


* und alles was sich noch im Keller finden ließ. Inklusive massenhaft Überbleibsel von 80er-Jahres-Feten