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Freitag, Januar 22, 2010

Die Familienbank

Vor ein paar Jahren trug sich eine gar mysteriöse Sache in meinen Finanzen zu. Meine Frau und ich konnten an einer sogenannten "Familienbank" teilnehmen, wie meine Frau versuchte den Begriff aus dem Chinesischen zu übersetzen. Genauer gesagt hatte ihre Schwester einen Anteil (und damit eine zu investierende Summe) an einer Art großem Pott, in den zig Bekannte einzahlen konnten (Fremde nehmen nicht teil) und ihre Schwester hat ihren Anteil wiederum in ihrem Familienkreis aufgeteilt. Konkret sollten wir ein neues Bankkonto eröffnen (da hat man in Taiwan sowieso mehrere davon, weil jeder neuer Arbeitgeber ein Konto bei seiner Hausbank erwartet) und auf dieses Konto (zu dem wie immer ein papiernes Bankbuch gehörte) würde dann von unserem Gehalt jeden Monat ein gewissen Betrag abgebucht. Insgesamt sollten wir übers Jahr 40 000 Taiwandollar beitragen, das sind etwa 1000 Euro. Mehr ging nicht, denn die Schwester hatte uns nur diesen Anteil an ihrem Anteil zugewiesen.


Frauen sind faszinierende Wesen. Hier ein paar beim Studieren der Börsenkurse (oder so)


Am Ende des Jahres sollten wir dann das Doppelte zurück erhalten. Natürlich war ich sehr skeptisch und erwartete, dass mit dem Geld das Gleiche passierte, wie mit dem traditionell auf der Hochzeit von den Verwandten gesammelten Geldspenden für das neue Ehepaar. Die etwa 5000 Euro waren damals verschwunden, Schwiegermama ward in der Nähe der Kiste gesehen worden, obwohl meine Frau sagte, sie habe es in eine Druckerei auf den Philippinen investiert, ohne mich zu fragen, da sie damals gedacht hätte, ich müsse reich sein, weil ich eben Ausländer sei und mich daher um eine solche Popanzsumme garnicht kümmern würde. Weil Weiße eben erst ab 50 000 Euro anfangen nachzuzählen oder so (dabei hatte ich doch immer die Hosentaschen raushängen lassen, tsk). Aber diese wilde Zeit war ja längst vorbei, alle und natürlich auch Ehefrau haben mittlerweile eingesehen, dass ein in Taiwan sein Geld verdienender Deutscher eben auch keinen Gelddrucker im Schrank hat und so war ich vorsichtig optimistisch, dass Schwesterlein das Geld wenigstens wieder herausrücken würde, schon um nicht Krieg mit meiner Frau zu bekommen. So ganz sicher war ich mir aber nicht, ob das Ganze nicht ein elegant verpacktes Darlehn an die liebe Schwester (übrigens die mit dem philippinischen Mann und der Druckerei) sein sollte. Naiv war ich, denkt sich jetzt der Leser. Weg sind auch die 1000, den 5000 gleich hinterher! So sollte man meinen. Andererseits habe ich eben keine Thailänderin, sondern eine Taiwanesin geheiratet und wir hatten uns hart eine gutbürgerliche Existenz in Taiwan erarbeitet, da war ich guter Dinge, la Familia in dieser Sache vertrauen zu können. Eine höhere Summe hätte ich aber nicht investiert, soweit geht das Vertrauen nun auch wieder nicht. "Vetraust Du mir?", diese Frage müsste man eigentlich immer mit "Bis..." und einer Summe beantwortet.

Taiwanesischer 2000 NT - Schein (etwa 50 Euro). Habe ich hier aber noch niemals gesehen. Man hat immer nur den 1000 NT-Schein und auch den nehmen viele Geschäfte nicht an und den 500 NT-Schein nur ungern, weil es so "große" Scheine sind. Auch den 200er sieht man fast nie, man hat immer nur 100er, 500er und 1000er.
Foto: Wikipedia


Das Mirakel geschah, am Ende hatten wir wirklich mehr als das Doppelte zurückbekommen, der effektive Zinssatz betrug damit 10% ... aber pro Monat! Ich sagte zu meiner Frau, das machen wir gleich nochmal, aber leider ergab sich keine neue Gelegenheit mehr.

Was nun mit dem Geld geschehen war, war schwer zu verstehen. Meine Frau erläuterte, es gäbe einen gemeinsamen Topf, in dem irgendwie alle einzahlen, dann Darlehn erteilt werden (oder irgendwelche anderen Anlagen gemacht werden) und am Schluss haben alle irgendwie mehr als vorher. Das klingt wie magische Geldvermehrung und ich merkte, dass sie nicht richtig Lust hatte, über das Thema zu reden, das System aber scheinbar auch nicht im Detail kannte. Ich weiß ja auch nicht besonders viel über Investmentbanking, insofern will ich das nicht kritisieren.

Das Ganze ist aber eine altehrwürdige Sache, die wohl die Frauen unter sich machen, sagte meine Frau. Etwas Licht ins Dunkel bringt wohl dieser Artikel (http://www.thaifrau.org/guide/thaifrau_artikel_29.asp), der sich allerdings auf Thailand und nicht auf Taiwan bezieht. Da allerdings beide Länder letztendlich der chinesischen Kultur entspringen (bzgl. Thailand bin ich nicht so sehr im Detail informiert, aber Thailand ist auch konfuzianisch geprägt), könnte das Thai Share Game und die taiwanesische Familienbank den selben chinesischen Ursprung haben.
Nun, mit der Familienbank habe ich also bislang 4000 Miese gemacht. Die Bank gewinnt immer.

Kommentare:

Jens hat gesagt…

Oooh, wo ist denn mein Kommentar hin?

Jens hat gesagt…

Ich hatte geschrieben, daß das bestimmt ein Modell ist, um Dir ohne Gesichtsverlust was von dem damals falsch angelegten Geld wieder zurückzugeben.

"Ludigel" hat gesagt…

Kann gut sein. Habe keinen Kommentar gelöscht, lösche nur Spam.

JensMueller hat gesagt…

Wollte auch gar nichts unterstellen, habe mich nur fest erinnert, daß ich das schonmal ein bißchen ausführlicher ausformuliert hatte. Vermutlich unterwegs geschrieben, und dann kein Netz mehr gehabt. Aber ich hab ja das Lazarus-Addon.

"Ludigel" hat gesagt…

Ja, guter Hinweis mit der Geldrückgabe. Kann scho sei, wer versteht schon die Damen hier...