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Freitag, Januar 29, 2010

Mr. Sun

Same-same-but-different Taschensonne (r) für sonniges Gemüt

Wenn ich in das Firmencafe gehe, nennt mich die ältere Dame dort immer "Mr. Sun", weil mein chinesischer Name (einen solchen muss man hier haben) tatsächlich Sun Sin-Ya lautet, wobei das Sun der Familienname meiner Frau ist (den man in Taiwan nach chinesischer Art voranstellt). Das "Sin Ya" soll wie mein deutscher Familienname klingen, was blanker Unsinn ist, schließlich fängt der mit der selben Silbe wie Taiwan, nämlich mit "Tei" an.
Eine Sonne haben wir auch zuhause, in Ermangelung einer richtigen Heizung haben wir einen Heizzstrahler; siehe Bild. Nun wird es in Nordtaiwan von Oktober bis Februar bisweilen richtig kalt, bis runter auf 7 Grad plus und ohne Heizung ist es da wie im Kühlschrank zuhause. Daher bin ich in dieser Zeit chronisch erkältet (gut, dass wir wenigstens dichte Fenster im neuen Haus haben) und manchmal denke ich, dass mir Rheuma droht, wenn kalte Luft durch das Haus weht, weil Frau taiwantypisch Dauerdurchzug macht (da nutzen die dichten Fenster auch nichts).
Zuhause steht aber dieser merkwürdige Heizstrahler, tatsächlich ein Halogenbrenner von 1000 Watt oder so der wie ein Ventilator aussieht (aber keinen Propeller drin hat) und einen mit extrem heißem orangen Licht durchflutet. Das ist dann so heiß, dass man von der einen Seite gekocht wird, während man an der anderen Seite friert. Allerdings wirkt die extreme Lichtbestrahlung irgendwie stimmungsaufhellend. Also ist man dann halb verfroren, halb gekocht, aber fröhlich.


Taiwanesische Polarforscherin Dr. Zu Cal (mit wärmenden Teddy). Nie über Basislager in Südamerika hinausgekommen.

Wil blauchen keine Heizung, sagen die Taiwanesen, es ist ja nur 4 Monate kalt. Wundern Sie sich jetzt nicht, dass sie noch nie von taiwanesischen Polarforschern gehört haben. Pullovel mitnehmen? Fül die paal Wochen? Du Langnase spinnst woll? Hihihihi....

[unteres Foto Firmenserver alter Tage]
[OK, habe ich alles schon mal geschrieben. Aber mir ist halt immer noch kalt. Und warum läuft mir Blut aus dem linken Ohr?]

Dienstag, Januar 26, 2010

Inkommunikado: Naruwan! Naruwan! NARUWAN, hört ihr nicht, Naruwaaaan verflucht nochmal!

Vor 2008, bevor Taiwan seine prochinesiche Regierung hatte, hatten wir eine, die Taiwans faktisch schon längst existierende Unabhängigkeit von China zementieren wollte, indem sie, nun ja, Taiwan einfach Taiwan nannte. Das klingt selbstverständlich, aber zur Zeit heißt Taiwan tatsächlich formal "Republic of China", weil es der Staat ist, den sich Chiang Kai Shek 1949 bei seiner Flucht vor den Kommunisten institutionell unter den Arm geklemmt hat und einfach auf die Insel Taiwan mitgenommen hat, wo der Staat weiter exisitiert bis heute. Auch vorher war Taiwan kein Teil Chinas sondern eine Weile ehr Japans, aber das ist eine lange Geschichte.


No, it's Taiwan, not Naluwan. What was that....?


Unser alter pro-Taiwanesischer und ziemlich anti-Chinesischer Präsident Chen Shui Bian hatte jedenfalls die Idee gehabt, Taiwan eine nicht-chinesische Identität zu verpassen und daher eine PR-Kampagne losgetreten, die in Pappwänden voll mit Ureinwohner-Frauen (voll bekleidet) mündete, über denen "Taiwan...touch your heart" stand. Da mein Arzt mir in dieser Zeit immer predigte, mein smog- und klimabedingter Kreislaufkollaps drohe mir aufs Herz zu schlagen (das ging aber nicht, da steckte ja schon meine Frau drin), bekam der Slogan, der ja engstirnig übersetzt "Fasse dir ans Herz" heißt, für mich irgendwie eine leicht bedrohliche Bedeutung. Parallel dazu wurde noch eine Anrede propagandiert, die wir Taiwanesen jetzt wie die Haiwaianer Besuchern entgegen zuschleudern hatten: NARUWAN. Also nicht Alloah sondern Naruwan, soweit klar.


Naruwan, Naruwan.... hatte nicht dieses Cabaret in Thailand einen Bulettenverkäufer, der so hieß...?

Allerdings trat prompt Verwirrung auf, was hieß das eigentlich? Unangenehmerweise wusste es so richtig niemand, Chinesisch war es natürlich nicht, obwohl man das ja meist in Taiwan (jedenfalls im dominierenden Norden) spricht, Hoklo und Hakka (was man ehr im Süden spricht) war es aber auch nicht. Irgendjemand sagte aber, es sei womöglich eine Hoklo-Verballhornung eines japanischen Hallos, weil ja Taiwan mal japanisch beherrscht war, und da schauten alle etwas betreten aus der Wäsche. "Naruwan", das habe ich damals prompt an meiner Frau ausprobiert, aber ich erntete nur blankes Unverständnis, obwohl sie auch Hoklo ("Taiwanesisch" genannt) spricht. Das sei wohl eine Stadt im Süden und warum ich immer deren Namen herumbrabbele, wollte sie wissen. Vermeiden Sie also das "Naruwan Ihr da!", wenn Sie nach Taiwan kommen, es versteht sie sonst kein Mensch.
Toll fand ich, was Wikipedia dazu sagt: http://en.wiktionary.org/wiki/Transwiki:Naruw%27an
Naruwan heißt einfach garnichts, sondern sei eine bedeutungsloser Singlaut, klärt "Transwiki" auf. Na ja, dann ist ja alles paletti, der Expräsident sitzt ja auch mittlerweile im Gefängnis in unseren schönen neuen prochinesischen Zeiten und ich spiele grade mit dem Gedanken, allen Kollegen künftig ein forsches NARUWAAAN! entgegen zuschleudern. Finde ich viel schneidiger als dies doofe chinesische "Zaaaaau", das man hier immer des Morgens sagt.
In diesem Sinne,
Naruwan! Und fasst euch alle mal sonstwo hin.



Viel besserer Artikel als dieser hier ist der von Klaus B. aus T.[ Korrektur: Gastbeitrag von Jens K. aus T. in Klaus B.s Blog]: http://taipeh.wordpress.com/2010/01/17/von-politik-und-kaputten-nieren-piratensender-in-taiwan/ Warum Unterstützung der Opposition in Taiwan zu kaputten Nieren führen kann. Aus dem Blog von Klaus B., einem deutschen Journalisten in Taipei.

Playground


My workplace. That's what I call a full cubical. How can I ever leave here when they give me so many computers to play with, sigh...

That was eight computers, six of them forming a diskless Linux cluster (well, almost diskless, the server has a hard disk of course). That reminds me, I was once in a dot-com bubble tea company in Germania where one of the general managers was jealous because he saw three computers in my office and consequently he wanted to take away one or two. Three! Three! That's hardly enough to read email! Now I could have explained that there is such thing as servers and clients and analysis of technical problem may require a fresh system and cannot have my work computer as a client, but I didn't. I just rearranged them in a way he couldn't see two of them any more.
Or I could have explained to him that I am taking care of our focus product regarding Q&A and also within the Product Management team and that the company desperately needed money, which you get from good and stable products. But.... ah well.... just moving the systems behind that trolley did the trick :-)
Here in Taiwan, they have lotsa computers!!!

Quote of the day

"Why clean your cup from the outside, what weird idea is that?"
Adolf E. Pankraz, Expatriate Poet, 2001, to his beloved wife


"Wieso Deine Tasse von außen reinigen, was für ein Unsinn ist das?"
Adolf E. Pankraz, expatriierter Dichter, 2001, im Dialog mit seiner geliebten Ehefrau

Freitag, Januar 22, 2010

Die Familienbank

Vor ein paar Jahren trug sich eine gar mysteriöse Sache in meinen Finanzen zu. Meine Frau und ich konnten an einer sogenannten "Familienbank" teilnehmen, wie meine Frau versuchte den Begriff aus dem Chinesischen zu übersetzen. Genauer gesagt hatte ihre Schwester einen Anteil (und damit eine zu investierende Summe) an einer Art großem Pott, in den zig Bekannte einzahlen konnten (Fremde nehmen nicht teil) und ihre Schwester hat ihren Anteil wiederum in ihrem Familienkreis aufgeteilt. Konkret sollten wir ein neues Bankkonto eröffnen (da hat man in Taiwan sowieso mehrere davon, weil jeder neuer Arbeitgeber ein Konto bei seiner Hausbank erwartet) und auf dieses Konto (zu dem wie immer ein papiernes Bankbuch gehörte) würde dann von unserem Gehalt jeden Monat ein gewissen Betrag abgebucht. Insgesamt sollten wir übers Jahr 40 000 Taiwandollar beitragen, das sind etwa 1000 Euro. Mehr ging nicht, denn die Schwester hatte uns nur diesen Anteil an ihrem Anteil zugewiesen.


Frauen sind faszinierende Wesen. Hier ein paar beim Studieren der Börsenkurse (oder so)


Am Ende des Jahres sollten wir dann das Doppelte zurück erhalten. Natürlich war ich sehr skeptisch und erwartete, dass mit dem Geld das Gleiche passierte, wie mit dem traditionell auf der Hochzeit von den Verwandten gesammelten Geldspenden für das neue Ehepaar. Die etwa 5000 Euro waren damals verschwunden, Schwiegermama ward in der Nähe der Kiste gesehen worden, obwohl meine Frau sagte, sie habe es in eine Druckerei auf den Philippinen investiert, ohne mich zu fragen, da sie damals gedacht hätte, ich müsse reich sein, weil ich eben Ausländer sei und mich daher um eine solche Popanzsumme garnicht kümmern würde. Weil Weiße eben erst ab 50 000 Euro anfangen nachzuzählen oder so (dabei hatte ich doch immer die Hosentaschen raushängen lassen, tsk). Aber diese wilde Zeit war ja längst vorbei, alle und natürlich auch Ehefrau haben mittlerweile eingesehen, dass ein in Taiwan sein Geld verdienender Deutscher eben auch keinen Gelddrucker im Schrank hat und so war ich vorsichtig optimistisch, dass Schwesterlein das Geld wenigstens wieder herausrücken würde, schon um nicht Krieg mit meiner Frau zu bekommen. So ganz sicher war ich mir aber nicht, ob das Ganze nicht ein elegant verpacktes Darlehn an die liebe Schwester (übrigens die mit dem philippinischen Mann und der Druckerei) sein sollte. Naiv war ich, denkt sich jetzt der Leser. Weg sind auch die 1000, den 5000 gleich hinterher! So sollte man meinen. Andererseits habe ich eben keine Thailänderin, sondern eine Taiwanesin geheiratet und wir hatten uns hart eine gutbürgerliche Existenz in Taiwan erarbeitet, da war ich guter Dinge, la Familia in dieser Sache vertrauen zu können. Eine höhere Summe hätte ich aber nicht investiert, soweit geht das Vertrauen nun auch wieder nicht. "Vetraust Du mir?", diese Frage müsste man eigentlich immer mit "Bis..." und einer Summe beantwortet.

Taiwanesischer 2000 NT - Schein (etwa 50 Euro). Habe ich hier aber noch niemals gesehen. Man hat immer nur den 1000 NT-Schein und auch den nehmen viele Geschäfte nicht an und den 500 NT-Schein nur ungern, weil es so "große" Scheine sind. Auch den 200er sieht man fast nie, man hat immer nur 100er, 500er und 1000er.
Foto: Wikipedia


Das Mirakel geschah, am Ende hatten wir wirklich mehr als das Doppelte zurückbekommen, der effektive Zinssatz betrug damit 10% ... aber pro Monat! Ich sagte zu meiner Frau, das machen wir gleich nochmal, aber leider ergab sich keine neue Gelegenheit mehr.

Was nun mit dem Geld geschehen war, war schwer zu verstehen. Meine Frau erläuterte, es gäbe einen gemeinsamen Topf, in dem irgendwie alle einzahlen, dann Darlehn erteilt werden (oder irgendwelche anderen Anlagen gemacht werden) und am Schluss haben alle irgendwie mehr als vorher. Das klingt wie magische Geldvermehrung und ich merkte, dass sie nicht richtig Lust hatte, über das Thema zu reden, das System aber scheinbar auch nicht im Detail kannte. Ich weiß ja auch nicht besonders viel über Investmentbanking, insofern will ich das nicht kritisieren.

Das Ganze ist aber eine altehrwürdige Sache, die wohl die Frauen unter sich machen, sagte meine Frau. Etwas Licht ins Dunkel bringt wohl dieser Artikel (http://www.thaifrau.org/guide/thaifrau_artikel_29.asp), der sich allerdings auf Thailand und nicht auf Taiwan bezieht. Da allerdings beide Länder letztendlich der chinesischen Kultur entspringen (bzgl. Thailand bin ich nicht so sehr im Detail informiert, aber Thailand ist auch konfuzianisch geprägt), könnte das Thai Share Game und die taiwanesische Familienbank den selben chinesischen Ursprung haben.
Nun, mit der Familienbank habe ich also bislang 4000 Miese gemacht. Die Bank gewinnt immer.

Same same but different was auch immer

Interessanter Kontrapunkt. Während der SPIEGEL den auf einer wahren Geschichte beruhenden neuen deutschen Film ("Same same but different") über einen deutschen Touristen, der sich in Kambodscha in einer Bar eine Prostituierte anlacht und mit nach Deutschland nimmt, durchaus als Love-Story verkauft, sagt ein deutscher Blogger aus Kambodscha dazu, der Deutsche, der im Film im Mittelpunkt steht, sei eine Art naiver Jüngling, denn klar, man sollte sicht nicht erst am nächsten Morgen denken, dass die Frau eine Prosituierte und möglicherweise HIV-Positiv ist.
Spiegel: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,673027,00.html
Blog: http://www.no-have.net/2010/01/da-war-doch-was-benjamin-prufer-und-das-ubliche-geseier/
bzw. http://www.no-have.net/2009/01/detlev-buck-dreht-same-same-the-movie-in-kambodscha/

Im reichen Taiwan geht sowas natürlich ganz anders***, aber wer sich eine arme Frau aus einem Dritte Welt-Land anlacht, muss sicher damit rechnen, dass $$$ im Vordergrund steht. Ein Bekannter (Grad der Busenfreundschaft wird vertraulich verschwiegen) hat es gerade selbst erfahren, Wasserbüffel krank und Oma lahmt oder umgekehrt sind die üblichen Geschichten zur Gewinnerzielung. "Stimmt garnicht" würde der Herr aus der Lovestory jetzt sagen. Und wenn am Schluss alle glücklich zusammenleben, ob mit oder ohne Wasserbüffel, dann ist es gut und andere sollen die Klappe halten. Oder auch nicht, schließlich stellen sich die Eheleute durch Buch und Film selbst zur Diskussion. Und eine Salbe für entzündete Wasserbüffelbeine hätte im Franchise sicher auch noch seinen Platz. SameSameButDifferent Creme gegen Krampfadern und Prellungen. Oder so.

*** eben "... but different"

Thunder generator; ready for the market in Taiwan


Soon unemployed? Municipal silence reduction task force (and now everybody: WOOOOAAAA EYE KNEE!!! -hop, hop)

An Israel company has made a "thunder canon", which is supposed to make so much noise it scares people away. It could kill also, the German SPIEGEL-Online article suggests (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,672999,00.html-German). Well, I have lived in Taiwanese apartment blocks and the noise level there was similar to that of a starting jet fighter. So I am thinking this might be just the thing for Taiwanese villages. I mean it is so quiet in little villages, people actually have to hammer at 5.00am on Sunday morning just to get some desperately needed noise or have to sing Karaoke the whole day long (in summer with open windows, let others enjoy also). However with the thunder canon it would be much less work to produce pointless noise and, being another benefit, the machine also stinks, as it uses butane and propane gas. Add a little "stinky-dofu" smell and the villagers would be dancing happily around it. No not really. They don't walk or use their feet here in Taiwan, so they would rather ride around it with their scooters, grinning happily.
Sawaddi Taiwan! Ah no, that was Thailand. "Naruwan Taiwan" is what we are supposed to say here as a greeting said our last president, but he is in jail now. Hmmm.... thunder canon, walls, Jericho...

Mittwoch, Januar 20, 2010

Political punching bags

Don't miss this one: yet another fight in the Taiwanese parliament. This time about the "Local government act": http://www.dailymail.co.uk/news/worldnews/article-1244255/Taiwanese-MPs-massive-brawl-parliamentary-debate.html#ixzz0d2FFwWrm
Can't really tell from the images who is winning...

This may be funny, but as this discussion (http://forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=89&t=85372) indicates, the new "local gov. act" allows KMT (this party rules Taiwan currently) officials to stay in power in their local town hall offices even if they do not get reelected. Sounds like the pro-Chinese KMT government is looking for new ways to circumvent democracy in Taiwan to prepare for a union of Taiwan and China.

One KMT politician complained he was bitten by a member of the opposition. Yeah, sharpen your teeth guys!

Montag, Januar 18, 2010

What cosmetic surgery can do today...


No, sorry for the lame joke, that's from a discussion on our expat forum forumosa.com about the FBI morphing a pic of a Spanish politician (totally unrelated to any kind of terror; the gentleman on the 3rd photo from the left) into Bin Laden. And now don't call the cops when you turn on the TV and see George Clooney.

An in Taiwan lebende Deutsche






Ich übernehme einfach mal den Aufruf aus dem Blog http://gefangene.blog.de, welches sich für in Taiwan inhaftierte Deutsche einsetzt (wer Interesse hat zu besuchen, kann auch von mir Info kriegen):


HILFEAUFRUF AN ALLE IN TAIWAN LEBENDE MENSCHEN MIT HERZ UND VERSTAND
Da die deutschen Strafgefangenen im Taipei Prison von Ihren Angehörigen aufgrund der vielen Kilometer Abstandes zu Deutschland nur sehr sehr selten oder teilweise nie besucht werden können, suchen wir hilfsbereite in Taipei lebende Personen, die bereit sind die Gefangenen zu besuchen und ihnen bei der Gelegenheit im Gefängnisladen eine Kleinigkeit einzukaufen. Wir werden die Auslagen für eingekaufte Lebensmittel etc. nach Absprache ersetzen.
Das Gefängnis befindet sich in Tayuan, etwas außerhalb von Taipei.
Da für einen Besuch auch eine Beantragung mit persönlichen Daten zu den Häftlingen vorliegen muss, bitten wir Interessierte eine persönliche Nachricht ans uns zu senden [gern an an dieses Blog, ich leite dann weiter: kontakt@globalforeigner.com: ACHTUNG: UPDATE 2013: Kann keinen Kontakt mehr herstellen].

Eine Beschreibung zur Anfahrt:
http://www.tpp.moj.gov.tw/ct.asp?xItem=62711&CtNode=16024&mp=138
LINKS:
http://bobhonest.blogspot.com/2009/11/deutsche-im-horrorknast.html
http://bobhonest.blogspot.com/2009/12/besuch-bei-deutschem-gefangenen-in.html
http://bobhonest.blogspot.com/2010/01/besuch-bei-deutschem-gefangenen-zu.html

Donnerstag, Januar 14, 2010

Taiwan, the hell hole?

German below, Deutsch unten

English:
A web page wants to assess how livable countries are, see here: http://www.il-ireland.com/il/qofl2009/.
Now, USA ranks No.3 in the table, so that must be Shangri-La combined with free massage parlors and no crime whatsoever. It is just behind France and Switzerland (I always do think the waiters on Champs Elysees in France are a bit scary though. Never mind.
My home country Germany is number 8, right below Italy. That might sound like a fair assessment, bella Italia surely has its benefits over my country.


Wait, there are parks in Taipei, Taiwan. This one even has political freedom (Falun Gong practitioners or however they are called)
EDIT: well it's religious freedom, only the PRC makes it seem political

But now where is Taiwan, called "Republic of China" by its formal name, wait a minute. Ah there, No. 58 or something, directly above South Africa and a bit above Ukraine. And below Mexico.

But now let's play a game. Let's say you are a stupid tourist family, driving with your big rented Sedan which has a big HERTZ or whatever sticker on it through the country in question, cameras clicking, wearing a shirt saying "I've got money" in the local language. Now say, we do that in South Africa. I guess the family has a good chance to be raped, mugged and decomposed down to their gold teeth in Mexico, South Africa and Ukraine, if they drive through the wrong parts. But all they would get in Taiwan are a few friendly "hello"s, even from betlenut chewing tattooed big guys.

OK, the table is about living, not tourism. But what if they family moves into the respective country because dad has a job a local branch of his home company and they buy a big and shiny sedan and take a trip through the country... same situation like tourism.

However, if dad was so naive to move into one of the crowded middle class areas, like I did in 2004, he might get respiratory problems, circulation problems and thrombosis, if the country is Taiwan. Just as I had before I moved into the countryside.

So I guess the evaluation depends on your personal perspective. I'd prefer Taiwan to Mexico, Taiwan is one of the safest countries on earth.

P.S: Also see here: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2010/01/14/2003463481: Freedom House still evaluates Taiwan as free, but sees defendant's rights in decline in penal cases.


German, Deutsch:

Die Webseite http://www.il-ireland.com/il/qofl2009/ versucht die Lebenqualität von Ländern zu bewerten, Frankreich ist die Nummer 1, die Schweiz die Nummer 2 und die USA die Nummer 3. Italien ist Nummer 7 und Deutschland Nummero 8. Unser kleines Taiwan findet sich an Position 58 oder so, ganz weit unten jedenfalls, gleich über Südafrika. Mir kam der Gedanke, wie wenig solch eine Liste so pauschaliert aussagt, gerade weil die wenigen Kriterien wenig aussagekräftig sind. Sinnvoller wäre es sicherlich, alle Länder etwa so einzuordnen (habe das Mal am Beispiel von Deutschland und Taiwan versucht, 0-100%, mehr ist besser, alles "pi mal Daumen"):

Umwelt: Deutschland 80%, Taiwan 30%
Wirtschaft (i.A.): D: 60%, T 70%)
Sicherheit vor Kriminalität i.A.: D 45%, T 75%
Sicherheit von Ausländern: D 55%, T 90%
Nichtelektronische Infrastruktur inkl. Verkehr: D 85%, T 70%
Elektronische und Telekommunikationsinfrastruktur: D 75%, T 75%
Tierschutz: D 60%, T 10%
Sicherheit vor Naturkatastrophen: D 90%, T 35%
Sicherheit vor Terrorismus, Krieg: D 70%, T 35%

etc. etc.

Da müsste man richtige Kriterien und Bewertungsmaßstäbe aufstellen....

Edit: Nachdem ich gestern abend wieder in meinem Haus bei 10 Grad Plus ohne Heizung gefroren habe, nur mit einem Heizdrahtding versehen, das mich hinten gekocht hat, während ich vorne eiskalt war, sage ich: Lasst uns dies verdammte Taiwan auf Position 99 der Liste setzen! Grrr..... Zähneklapper

Dienstag, Januar 12, 2010

Roboter und Ethik (aka: Angriff der Sexdroiden***)UPDATE


Solange er nicht spricht ist es mir lieber: Unser Haushaltsroboter iRobot Roomba der Zweite


Roboter sind feste Bestandteile meines Haushalts, die kleinen Putzroboter von iRobot wienern unsere Fliesenböden. Problematisch wird es aber immer dann, wenn Roboter menschenähnlich ausgestaltet werden. Es fehlen ethische Grundsätze für den Umgang mit solchen "Androiden". Denn Anstandsregeln, wie sie für Menschen gelten oder die Sorge um die Menschenwürde, gelten für Androiden und ihre Interaktion mit der menschlichen Gesellschaft zur Zeit nicht. Dieses Bild auf Spiegel.de (LINK) wirkt so, als würde eine betäubte Frau in Reizwäsche von zwei Herren in entblößender Weise durch die Gegend geschleppt. Ist die animierte sprechende "Sexpuppe" skuril? Die Art und Weise, wie ein nach einem Menschen aussehender Gegenstand hier würdelos behandelt wird, stößt mich ab. Denn auch die Maschine im Bild hat eine Würde, weil sie durch ihre Gestaltung einen -Würde verdienenden- Menschen nachahmt und der Entzug dieser Würde sich auf den Menschen überträgt. Aber für diesen Gedanken fehlt noch die Fixierung in Normen und Regeln.

Hoffentlich ist die "Roboterdame" nicht so oft kaputt wie unsere beiden bisherigen Putzroboter des Modells Roomba. Hätte die Robotordame ähnliche knarzende und ruckelnde Fehlfunktionen, wie ich sie bei unserem alten Roomba am Ende erlebt habe, wäre der weibliche Roboter für seine Besitzer wahrlich lebensgefährlich...

*** ohne schmissigen Titel liest es ja keiner

UPDATE: Schon im Februar 2010 zeigte der kleine Rote seine zweite Störung, der Anknopf ging immer schlechter und musste zum Schluss bis zu 50(!) mal gedrückt werden, um zu funktionieren. Im April 2009 kam er in unser Haus. Nun gut, das sind wieder 3 Monate bis zur nächsten Störung, denn nach 6 Monaten hatte er schon einmal einen Defekt der Batterieladung (ging nix mehr) Wir haben ihn jetzt gerade noch auf Garantie reparieren lassen und er funktioniert wieder. Unsere beiden Saugroboter "Roomba" haben bislang alle 3-6 Monate einen Defekt gehabt, da sind sie kleine gemeine Biester.

Der Wischer iRobot "Scooba" funktioniert immer noch, er brauchte zwischendurch eine energische Reinigung mit kräftigem Schütteln, damit er wieder besser lief und nicht auf einem Wasserteppich ausrutschte, den er selbst erzeugt hatte. Jetzt geht er wieder gut, allerdings sind auch alle 6 Monate oder so neue Batterien fällig, wie auch beim Roomba.

Resumee: Roomba 1-2 Note mangelhaft
Scooba: Note befriedigend

Wertung ist nur auf meine Geräte bezogen.

Montag, Januar 11, 2010

Foreign prisoners in Taiwan. Locked up forever?


There are articles in German in my blog, which are dealing with the prisoners in Taiwan:
Im Blog sind deutsche Artikel über die deutschen Gefangenen in Taiwan, siehe hier: Artikel 3, Artikel 2, Artikel 1.


English:
Imagine you hadn't eaten good food for several years, all you got was some over-cooked meal which has hardly taste and for years and years no candy, no cookies, hardly soap or shampoo and sometimes no slippers on your feet and not a blanket to cover yourself. And as additional torture you have to watch other people getting good food from home and chocolate and cookies. Sounds like hell, doesn't it?


Taipei Prison in Taoyuan. The real prison is hidden from view behind smaller administration buildings and palm trees. There are no palm trees or parks for the inmates.

Well, in Taiwan jail is NOT meant to be like this. The system is relying on the families of inmates to provide some clothing (however they get the basic clothing in jail) including slippers and blankets and the family can in the beginning of the prison term visit once a month and later every week to bring some food. Cookies and chocolate and needed toiletry can be bought in the prison shop.
But Taiwan has foreign prisoners as well. Currently there are three German prisoners in "Taipei Prison" in Taoyuan county close to Taiwan's capital Taipei, a fourth one is most likely currently imprisoned on remand and there are also prisoners from England. The problem of the foreign inmates is simple: Their families are far, far away and often cannot afford the flight ticket. Even if they come for a visit during the first years or so of imprisonment, the inmate can only see them for about 30 minutes once a month. Now do the maths. Relatives go on a plane to Far East Asia and all they can do is to see their imprisoned relative for 30 minutes. No-one will stay for over a month. Such a visit is deeply disturbing for both inmate and visitor, as I was told from relatives of one inmate. You can do nothing and when you have just finished the emotional hello, the cruel bell cuts off all conversation. "See you again next summer vacation." Of course you don't see the inmate directly but rather through a glass wall. This must be hellish I suppose.

Consequently there are no visits from the folks back home, no food which will be brought. Relatives of one German inmate had seen my blog and contacted me and asked wife and me to pay their relative a visit. As all German prisoners in Taiwan (at least as far as the press reported) he was imprisoned for life for bringing Heroin to Taiwan. Now don't get me wrong. Bringing drugs to Taiwan is a severe crime and it makes me angry to think people might actually do such a thing. The island of Taiwan does not have many hard drugs on the market, nothing of such quality is produced here and airport checks are said to be tough. Consequently the market price is high, which leads criminals to ask foreigners like Germans being in (financial) trouble in Thailand for "help" to bring the drugs to Taiwan. I have to admit I don't want the stuff here on my little island, so I am not trying to make the crime any smaller than it actually is.

However, the foreign inmates in Taiwan get punished indirectly much more severely than the locals - because they do not get the family visits and do not get the foodstuff from home. Being in an alien country adds to the punishment. Yes, they chose to come here on their own with the white powder, but nevertheless it is a humanitarian gesture not to forget them.
Unfortunately they are forgotten for the most part, as Taiwan is not recognized as a state of its own by most countries on the globe and thus there is no possibility of transfer to their home countries. If you get life, Taiwan wants you to serve at least 20 years and then you may get deported home.

The inmate wife and I have visited had never received a private visit (only lawyer and all three months the German representation) in Taiwan and he was here for many years. He was in jail in fact so long he did not know what the word "blog" meant when I told him I wanted to write about the visit in my blog. He is living in the over-crowded jail with 20 people on 16 square meters. He spends the weekends entirely in his cell together with the others and can only commute between cell and workplace during the week. There are no sport courts, no walks in the yard***. The jail is overcrowded and we here in Taiwan are paying only 6% tax, so there is not too much in for them. Imagine so many people in a small cell with a toilet (a hole in a basin on the floor).

He was extremely happy to see us and said our visit was the nicest present he could get for Christmas (we were there shortly before Christmas time). All his hope is to come home one day. But this day of return seems to be far, far away.

And no, you don't find the foreign inmates in Taiwan prisons listed on the usual websites. Remember, Taiwan is not regarded as a country and thus forgotten.

*** The big park in front of the jail is not for inmates. Only the former president of Taiwan, also incarnated there, is allowed to use the park.

Chaos garage

Many car service places here in Taiwan are not bigger as a private car parking back home and are medium tidy, because the small space disallows chaos, for which many Taiwanese seem to have a bit of a soft spot. In our village close to Taoyuan is a rather big garage and so we brought our Nissan to it for a change of oil. Back home we say: You can recognize a good car repair shop by their tidy and clean tools, but this Taiwan village garage, as good as it surely is, gave me a bit of a shock.


The garage owner seems to be specialized on BMWs, there was an old BMW 3 from the 80s up in the air and getting reconstructed. The old 320 is really a longterm survivor and I guess I can still mostly recite its specs, as they are engraved in my memory from school days when dad had a 525. There was a 2nd 3-series BMW waiting in background somewhere, much like the 318i which I had in the late 80s and early 90s and finally...

... a newish 325i in the front of the garage. All this seemed rather impressive, but what surprised me was the total chaos below the cars and all around me, which was not properly lit by the small camera flash on the first image.

It looked EVERYWHERE like this, only the areas where the cars would come down to the floor are excluded. It was a mixture of garbage (but nothing biological), old boxes and packaging (well, that's garbage), used and new spare parts and ... tools. Everywhere shiny tools among the garbage; however located in a way so you may just be able to grab them before they vanish forever in the junk.

I mean: how can anyone who knows his way round a motor work like this.

Chung Ho: "Gimme that 22 inch socket!"

Assisant Lee Deng: "Yeah, guess I saw it last week next to the fan. The old one from grandma. Let's see..."

Chung Ho: "Quickly! I can't hold the V8 motor block much longer!"

Assistant Lee Deng: "Ups...... wait.... grandma doesn't let go of it [strange noise]"

Sorry, couldn't resist. Cultures are different so he may be a first class mechanic.

At least he was working on a racing Jeep, as he said, which was getting rebuilt. My SUV somehow seemed relieved getting out of there after the oil change...

P.S.: Wife said the 20 minute procedure was a whole inspection, not just an oil change. However he did not connect any motor analyzer to our engine. Wait, did ever somebody do that here?

Donnerstag, Januar 07, 2010

Taiwan. Vereinigung mit China. Wirtschaftsunion


Betriebskampfgruppe Hau Xi Min des VEB Feinkartonagen der Bundesrepublik Ludigel steht betreit zur Verteidigung der Demokratie (OK, das ist ein Bild vom Firmenserver alter Tage)


English below!

German, Deutsch:
Die derzeitige chinafreundliche (KMT-)Regierung befindet sich schon seit einiger Zeit in Verhandlungen zur Vereinigung mit der Volksrepublik China. Es sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass Taiwan formell "Republik China" heißt und spätestens seit 1949 vom Festland getrennt ist, als die damals diktatorisch herrschende KMT-Regierung auf die Insel Taiwan vor den Kommunisten geflohen ist. Allerdings war Taiwan schon seit 1895 von China abgetrennt (war seither japansiche Kolonie) und auch vorher nur lose an das chin. Kaiserreich angebunden.
Während des letzten Besuchs eines hochrangigen KP-Gesandten in Taipei wurde das Zeigen der Flagge von Taiwan (der Republik China) von der Regierung untersagt, Polizisten nahmen Demonstranten gewaltsam die Flaggen ab und Taxis, die eine kleine Landesflagge am Auto hatten, durften nicht zum Hotel vorfahren, in dem der chinesische Gesandte residierte.

Jetzt gehen die Verhandlungen weiter, ein findiger Taiwanese hat die Fassade des Hauses mit einer RIESIGEN Flagge der Republik China einkleiden lassen als Werbetafel. Da steht auch die prochinesiche Regierung zur Zeit bedeppert daneben.

Mehr Info:

Der Blogeintrag eines deutschen Journalisten, der in Taipei lebt (Klaus, den ich auch schon mal selbst getroffen habe;-): http://taipeh.wordpress.com/2010/01/06/ecfa-fur-anfanger/
Klaus' Artikel bei der Deutschen Welle: http://www.dw-world.de/dw/article/0,,5052002,00.html

Wer das nicht liest ist selber schuld.

English: In the German blog entry above I am basically linking to a German language blog of a German journalist in Taipei who had written about the ongoing reunion talks between China and Taiwan. As the linked blog is German it does not make that much sense to translate my nagging about the probably coming reunion into English right now. Doesn't help anyway.

Sylvester. Taipei Prison. Deutsche Gefangene.

Bereits Anfang Dezember hatten meine Frau und ich einen Besuch bei einem deutschen Staatsbürger gemacht, der im Taipei Prison (das in Taoyuan liegt) inhaftiert ist wegen Heroinschmuggels***. Anlass war der Kontakt seitens der Familie zu mir durch dieses Blog und der Hinweis auf die harschen Haftbedingungen, die sich durch Überbelegung des Gefängnisses erklären und natürlich durch den Umstand, das die Häftlinge im Gegensatz zu taiwanesischen Häftlingen keine Familienbesuche erhalten und auch nicht das Essen u.a. von den Familien einmal im Monat (oder gar einmal die Woche) erhalten können, sondern auf die schlichte Gefängniskost angewiesen sind. Unser Vorweihnachtsbesuch hat den Gefangenen sehr gefreut und überrascht und am 31.12 waren wir jetzt noch einmal da. Siehe mein vorheriger Bericht für eine ausführliche Schilderung der Haftbedingungen: http://bobhonest.blogspot.com/2009/12/besuch-bei-deutschem-gefangenen-in.html


Taiwan. Betoniert und gastfreundlich. Dringend sei aber empfohlen, sich an die (wenigen) Regeln zu halten. Die Justiz arbeit hier mit harten Bandagen.

Diesmal waren wir wochentags da und es war deutlich mehr Zeit mal in Ruhe zu reden. Wir sprachen noch einmal über das Essen und die Sache mit dem angeblichen "Upgrade-Essen", das im Schaukasten im Besucherwarteraum ausgestellt wird klärte sich auf: Es handelt sich um das normale Gefängnisessen, allerdings sieht es drinnen nicht so appetitlich aus wie das Schauessen im Glaskasten, weil es für sehr viele Häftlinge zubereitet werden muss und daher schon früh morgens in riesigen Kesseln zubereitet wird und entsprechend übergart ist. Am 30.12 hatte es Dumplings, also Teigtaschen gegeben, eine reichliche Portion scheinbar und der Gefangene sagte dazu, diese seinen sehr gut gewesen. Teigtaschen überstehen eben auch lange Garung. Anderes Essen ist weniger schmackhaft, allerdings gibt es manchmal Leckeres, sagte der Häftling, dann aber aus Kostengründen nur winzige Portionen. Meist sei das Essen aus den herstellungstechnischen Gründen und wegen des knappen Budgets so verkocht, das es fast unkenntlich und geschmacklos ist, sagt er.


Hauptknackpunkt bei der Gefangenunterbringung sind die folgenden Probleme, um das noch einmal zusammenzufassen:

1. Keine Sport- oder Grünanlagen für Häftlinge
2. Die große Parkanlage vor dem Gefängnis ist NICHT für die Häftlinge
3. Wochenende muss in der Zelle verbracht werden, dort sind 20 Häftlinge auf 16qm.
D.h. generell können sie nicht die Zelle verlassen, sondern pendeln wochentags nur zwischen Zelle und "Fabrik" zum Arbeiten.
4. Toilettenartikel und Pantoffeln, Bettzeug muss gekauft werden (teilweise gab es Spenden durch kirchliche Organisationen)
5. Die extreme Haftdauer (oft wird bei den Drogenkurieren lebenslang verhängt)
6. Keine Überstellmöglichkeit nach Deutschland, da Deutschland Taiwan nicht als Staat anerkennt und keine Abkommen unterzeichnen will (Stichwort: "Ein-China-Politik" Deutschlands)

Persönlich bemerkt hat es mir Freunde gemacht, hier ein bisschen Freude spenden zu können durch Besuch und ein paar im Gefängnisladen besorgte Kleinigkeiten. Für die chaotische Autofahrt und die chinesischen Formulare brauche ich meine Frau, dankenswerter Weise war sie dazu bereit.

Es sei bemerkt, hier geht es nicht um Relativierung der Tat oder den Umstand, ob die Gefangenen "selber schuld" sind oder nicht, die Schuld hat das Gericht bereits festgestellt. Hier ging es darum einem Gefangenen etwas zu helfen, da die deutschen Häftlinge eben durch Heimat-, Zusatzessen- und Verwandtenbesuchsentzug doppelt und dreifach gestraft sind im Vergleich zu taiwanesischen Häftlingen.
Leider macht man sich mit Häftlingsbesuchen nicht nur Freunde, so hatte mich gleich die Familie des Häftlings gewarnt. In der Familie meiner Frau sind die Besuche nun in der tat mit entsprechender Kritik aufgenommen worden, so dass sie erstmal auf größere Ferne vertagt sind, um des lieben Friedens mit der taiwanesischen Großfamilie willen. Denn auch wenn meine Frau und ich und in der Sache einig waren: Asiaten sind Gruppenwesen und die Meinung des Umfeldes zählt hier sehr viel. Und "Umfeld" heißt oft Schwiegermama, sei halb scherzhaft hinzugefügt. Das ist einer dieser Halbscherze mit schmerzhaft verzogenen Mundwinkeln.

***Deutsche, die in Thailand in finanziellen Problemen o.ä. stecken, werden oft von Banden angesprochen, für vergleichsweise wenig Geld Heroin nach Taiwan zu schmuggeln. Taiwan hat nur wenige harte Drogen auf dem Markt, deshalb ist es ein interessantes Hochpreisgebiet für den Drogenhandel.

Mittwoch, Januar 06, 2010

Schwiegermutter angefahren

Schwiegermutter ist auf ihrem Dreirad von einem heranrasenden Toyotasti angefahren worden. Gottseidank ist nicht viel passiert, ihre Wade ist nun verletzt, der heranrasende Taiwani-Lauda erklärte sich aber bereit, meine Schwiegermutter ins Krankenhaus zu fahren. Komischerweise ruft in Taiwan da keiner den Krankenwagen, sondern man transportiert das Unfallopfer oft selbst in die nächste Kinik, wo alsbald der
Unfallfahrer merkwürdigerweise gleich die Kosten begleichen soll, meist durch einen Tross heranrasender Verwandter bis him zum Schwippschwager von den Phillipinen durch freundliche "ich hau dil auf die Flesse"-Anregungen ermuntert. Scheinbar blieb der Unfallfahrer, der es wagte, meine Schwiegermama zu touchieren, aber stark und wollte nichts zahlen und so ziehen sich noch immer die Verhandlungen hin. Ein Ausländer schrieb neulich in unserem Ausländerforum, er habe ein angefahrenes altes Muttchen samt blaue Sandalen tragender Verwandtschaft in die Poliklinik gefahren und dann 80.000 Taiwandollar für das leicht blutende Bein bezahlt (er durfte es nicht mitnehmen, es wurde an Ort und stelle versorgt und am Träger belassen). Das allerdings ist etwa das Zehnfache von dem, was es wirklich kostet. Ein Liften-lassen war da am Ende noch drin, denke ich mal.


Nach Konfuzius haben ältere Damen immer Vorfahrt oder -tritt. Diese hier verkauft allerdings auf der Fahrbahn aromatische Blüten für den Innenspiegel. Wenn ein Omnibus rechts an ihr vorbei rast und man ihm auf der Stoßstange nach Links versetzt klemmt, ist sie recht schlecht zu sehen. Aber das ist wieder zu Deutsch gedacht.


Schwiegermutter verlangte allerdings eine lebenslange Garantie vom Unfallfahrer, alle gesundheitlichen Schäden in der Zukunft zu begleichen, Recht geschieht dem vermalledeiten Unhold, aber er lehnte ab und konterte nun seinerseits mit der Drohung, sämtliche Schwippschwager und Anverwandten als Unfallzeugen aufzufahren, Schwiegermutte habe ihr dreirädriges Gefährt bei Rot in die Kreuzung gesteuert. Das brachte meine Frau auf den Plan und sie drohte, ihrerseits unsere Verwandten bis hin zu finsteren Teutonen aus dem fernen Mercedesland als Bezeuger hoher Geschwindigkeiten aufzufahren.

Vorsichtshalber übe ich also schon mal eine aus dem ostfrisischen Witz "Jawoll, der Angeklagte is so schnell gefahren: Wuuuuuuusch" entlehnte Geschwindigkeitsangabe und verharre der Dinge die da kommen. Schwiegermutter soll sich röntgen lassen und dann muss er für jeden Kratzer am Elfenbein blechen, das ist klar. Außerdem wollen wir sie endlich auch mal von Innen sehen, die famose Dame.

Montag, Januar 04, 2010

Arbeitswelt in Taiwan (Update: August 2015 und März 2017)

English: Worklife in Taiwan. So far only in German. I do not think I will get around translating it into English, especially as it is a bit from a German viewpoint. If you have questions regarding working and taxation in Taiwan, our expat forum Forumosa.com would be the place to go for an English speaker, especially the sub-forums about legal issues at work and taxes:
http://forumosa.com/taiwan/viewforum.php?f=70
http://forumosa.com/taiwan/viewforum.php?f=69



German, Deutsch:

Arbeiten in Taiwan bringt viel Unterschiede im Vergleich zu Deutschland

Ursprünglicher Stand 2010. Änderungen bis April 2015 in Klammern dazu geschrieben
Ditto Änderungen März 2017

Arbeitszeit:
40 Wochenstunden stehen irgendwo in irgendeiner bedeutungslosen Regelung, 30 Anstandsminuten extra tägl. werden mind. erwartet, ehr öfter mal eine Anstandsstunde. Reale Arbeitszeit ehr bei 45 bis 55, manchmal sogar 60 Wochenstunden, oft ohne Gehalts- oder Freizeitausgleich. Insbesondere Ingenieure arbeiten länger. Regelarbeitszeit Montags bis Freitags, öfter mal am Samstag und gelegentlich mal am Sonntag, meist ohne Ausgleich. Extraveranstaltungen gerne an den Wochenenden (Messevorbereitung, Seminare). Wenn in der Firma manche viel zu tun haben und länger bleiben, bleiben oft auch die Kollegen länger, um ihren Einsatz zu zeigen. Wer lange bleibt ist fleißig, Produktivität ist egal.
(März 2017: Seit 2015 kontrolliert das Arbeitsministerium zumindest in großen Firmen die Arbeitszeit mehr etwa über elektronische Zugangskarten des Unternehmens und die obig angesprochene Überstundenlastigkeit wird weniger)


Die Damen haben immer die schönsten Cubicals...

Produktivität: Geringer als in Deutschand. Privates darf halboffen (wenn Webseiten im Spiel sind) oder offen (Telefon, Email) erledigt werden. Privates Surfen oder Chatten erfolgt meist verdeckt, kann zu Kritik durch Vorgesetzten führen. Die langen Überstundenabende streckt man aber recht offen mit Surfen oder Marathonchatten, viele greifen zu Manga-Comics oder sehen Filme. Während der Arbeitszeit schwatzt man ganz offen und wandert mit Leckereien herum, die man verteilt und sich von anderen bedient. Ein Schwätzchen über die letzte Mode oder die neuste Grafikkarte ist immer angesagt. Wer keine Wohnung hat, sondern nur ein überfülltes Zimmer bei den Eltern fühlt sich im Cubical mit Bildschirmschoner von Filmstar im Bikini sowieo erst richtig wohl, wenn er sich den Arbeitsrechner zur virenverseuchten Dattelkiste aufgebrezelt hat und dort die Abende verbringt und so zeigt, dass er "Einsatz für die Firma" hat. Trotz sonst geringer Produktivität und Privatem: Wer allerdings einen Notfall hat, arbeitet oft lang und hart und schnell, das muss man auch wissen.

Gehalt: Im Dienstleistungssektor, von Frühstücksrestaurantbedienung und Sicherheitsmensch bis hin zu Haareschneider (Friseur will ich hier die wenigsten nennen) verdient man oft nur 20 000 bis 35 000 NT monatlich (etwa durch 40 teilen für Euro, auch wenn die Kaufkraft höher ist). Zeitarbeiter sogar im Ingenieurbereich unter 20 000 NT.
Im Ingenieurbereich 25 000 bis 35 000 NT für viele im Computersektor, hochgearbeitete auch 55 000 oder 65 000 NT oder mehr. Leitende Angestellte oder auch Softwareentwickler oder andere rare Qualifikationen haben 55 000 bis 80 000 NT oder auch mal mehr.
Ausländer erhalten i.d.R. mehr als Einheimische, teilweise die Hälfte mehr, werden aber auch leichter gekündigt.

Besteuerung: Nur bei Geringverdienern 6% Steuern, Krankenversicherung liegt bei 1000 NT monatlich, daher Brutto praktisch gleich Netto und man unterscheidet umgangssprachlich selten die beiden. Ausländer werden oft mit erst mal 20% Steuern [Update 2015: offenbar jetzt 18%] zur Kasse gebeten, neuerdings kann das grundsätzlich die ersten 180 Tage im Jahr geschehen, es sei denn die Firma vertraut darauf, dass der Ausländer bei Weggang aus Taiwan eine ordentliche Gehaltsabrechnung hinterlegt. Grund für die Regelung ist, dass Ausländer die im letzten Kalenderjahr weniger als 182Tage in Taiwan gearbeitet haben, diese Zeit mit 20% versteuern müssen. Das galt früher nur für die ersten 182 Tage im Gesamtaufenthalt des Ausländers seit 2009 aber auch für jedes neue Arbeitsjahr. Arbeitgeber wird seit 2009 für die fehlenden 14% (wenn wir vom Steuersatz von 6% ausgehen) haftbar gemacht, sollte der Ausländer nur mit 6% versteuert worden sein und vorzeitig abgereist sein.
Zahlt der Ausländer 20% für die ersten 182 Tage und arbeitet doch 183 Tage und mehr, kriegt er im NÄCHSTEN Steuerjahr eine Rückzahlung. Sicher großes Betrugspotential für kleine Firmen, insbesondere die Gauner-Englischschulen.
Ich weiß, niemand versteht die Steuerregel, auch die Finanzbeamten und viele HR-Abteilungen nicht.
Ludigel zahlt normalen Steuersatz, veranlage die Steuer zusammen mit Ehefrau, aber auch verheiratete kann die 20%-Regelung treffen. Zufall. Augenfarbe. Laune der Zuständigen.

Beispiel zur Steuerregelung:

Als Normalsteuersatz wird 6% angenommen für dieses Beispiel.

Anfangen am 01.01.2010, Steuersatz 20%.
Ditto für Februar, März, April, Mai, Juni.
Ab 183 Tagen dann 6% Steuern, Rückzahlung für die zu viel gezahlten 14% von Jan bis Juni in der nächsten Steuererklärung beantragen, die man bis nächsten Mai abgegeben haben muss.

Am nächsten 01.01.2011 geht das Spiel theoretisch von vorne los, der Aufenthaltszähler wird von 365 wieder auf NULL Tage gestellt. Manchmal aber auch nicht und man bleibt bei 6%, je nach Firma und Finanzbeamten.

Verlässt man Taiwan am 30.03.2018 muss man für Januar, Februar und März 2018 wieder 20% Steuern zahlen und erhält keine Nachzahlung. Hat der Arbeitgeber aber freundlicherweise nur 6% einbehalten muss man eine Steuererklärung machen und die 14% nachzahlen. Verschwindet man einfach, wird der Arbeitgeber für diese 14% Nachzahlung haftbar gemacht.

Ist man in irgendeinem Kalenderjahr weniger als 183 Tage in Taiwan, dann zahlt man wieder 20% Steuern.

UPDATE: Die richtigen Steuersätze sind unten im "Nachtrag zu Steuern" aus den Angaben eines freundlichen Kommentators aufgeführt, da kaum jemand die oft genannten 6% zahlen dürfte.
 

Haftung: Arbeitsgeräte, die verschwinden, weil sie der Kollege ausgeliehen und in der Schublade vergessen hat, werden spätestens bei Kündigung zum Neuwert vom Gehalt abgezogen. Regressklagen bei grobem Versagen hingegen gibt es eigentlich nicht.
Demogeräte, die in kleinen Firmen der Chef für die Kinder nach Hause mitgenommen hat, werden öfter mal Angestellten vom Gehalt abgezogen, wenn sie "verschwunden" sind. Siehe "Verhältnis zum Chef."

Verhältnis zum Vorgesetzten: Kritik ist undenkbar, auch unter 4 Augen. Auch fachliche konstruktive Kritik in technischen Detailfragen darf höchstens unter 4 Augen nach entsprechender weitschweifiger Einleitung "Liege ich da falsch, wenn ich denken würde, dass es so eventuell besser ginge..." geäußert werden und wird evtl. den Vorgesetzten vor eine ungewohnte Situation stellen. Auch in fachlichen offenen Diskussionen ist äußerste Vorsicht geboten, wenn die eigene Meinung mit der des Vorgesetzten nicht übereinstimmt. Leiber nichts sagen, ist eine gute Faustregel.
Der Vorgesetzte ist eine ultimate Respektsperson. Besonders in kleinen Unternehmen ist der Unternehmenschef oft ein kleiner Despot, der zwar oft hochqualifiziert ist, aber seinen Untergebenen auch jedwede Entscheidungsfreiheit nimmt (Micromanagement der Angestellten ist verbreitet).

Arbeitsstil: Ehr den Konsens suchen. Chefs, die nicht mikro-managen, lassen Untergebene machen und verkaufen die Gruppenleistung dann als ihre eigene. Abweichen von traditionellen Herangehensweisen schafft Unbehagen.
Arbeit wird schnell und hektisch erledigt, es wird sofort losgelegt und nicht geplant. Im Vergleich zu deutschen Arbeitsteams ist das Taiwanteam in der Hälfte oder einem Drittel der Manntage (ohne gezählte Überstunden) fertig, hat 80% der Qualität geliefert und nicht selten haben 2 Teammitglieder und ein Chef während des zwischenzeitlichen Chaoses gekündigt. Man gehorcht den Chefs und lässt sich auch jedwede Unverschämtheiten bieten.

Umgang mit Gleichgestellten: Meist wird Kritik höflich und oft in Umschweifen dargelegt, wenn überhaupt, um die Harmonie zu wahren. Anbrüller und direkte Konflikte gibt es aber auch, insbesondere wenn Stress und lange Arbeitszeit aufkommen.

Umgang mit Untergebenen: Recht viele Vorgesetzte kehren den Despoten heraus, andere sind höflich und kritisieren maßvoll, damit der Angestellte das Gesicht wahren kann.

Umgang von Taiwanesen mit ausländischen Kollegen: Man ist eine Attraktion, wird manchmal merkwürdig vorgeführt (guck mal, wir haben einen Ausländer. "Uiiii, toll! Wie niedlich!"), viel angelächelt und die ersten 5 Jahre redet keiner mit einem, allerdings schicken sie Emails auf Englisch. Sie haben Angst beim Englischreden einen Fehler zu machen und das Gesicht zu verlieren.

Arbeitnehmerrechte: Diejenigen, die der Chef einräumt.

Gewerkschaften: Nur wenige Unternehmen haben sich einer der kleinen unbedeutenden Gewerkschaften geöffnet durch konzertiertes Vorgehen der Belegschaft. Meist ist niemand Mitglied und niemand verschwendet einen Gedanken an Gewerkschaften. Gewerkschaftliche Arbeit wird mit sofortiger Kündigung und durchaus auch mit Körpereinsatz unterbunden, etwa Schläger, die gewerkschaftliche Prospekteverteiler verprügeln. Gibt es aber ohnehin praktisch nicht.
Update: Gemäß einem Posting auf dem Ausländerforum (Link entfernt) wo Englischlehrer eine Gewerkschaft gründen wollen oder dies jedenfalls diskutieren, dürfen Gewerkschaften in Taiwan nur mit EINEM Unternehmen arbeiten, aber nicht die Belegschaft von zwei oder mehr Unternehmen repräsentieren. Das ist lustig. Und garantiert schwache oder ehr nichtexistente Gewerkschaften.


Arbeitslosenversicherung: Keine.

Abfindung: Bei Kündigung erhält man pro volles Jahr Beschäftigungsdauer 40% des Gehalts als Abfindung. Es sei denn man geht bei kleinerer Firma im Streit (ich streite hier nie), dann gäbe es vielleicht nicht mal das ausstehende Gehalt.

Arbeitsgerichte: Geht man nicht hin. Gesichtsverlust und schlechter Ruf für den Arbeitnehmer und beide Parteien werden vermutlich vom Richter bestraft. Nicht nur in Arbeitsgerichten. Gerichte arbeiten hier eh langsamer und weniger effizient und unvorhersehbar.

Krankenversicherung: Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen sich die Krankenversicherung, der Staat bezuschusst sie noch. Fast alles ist versichert, Zahnersatz zahlt man selbst, bei Arztbesuch 100 NT (2015: 200 NT, 150 NT für Kinder) Gebühr, kleines Entgelt für Krankenhaus (pro Tag). Manchmal erhält man so wenig Medikamente vom Arzt, dass man entweder oft hingeht oder selbst zuzahlt, um mehr Medikamente zu erhalten. Fast jeder ist gesetzlich krankenversichert, der Träger ist die NHI, die National Health Insurance. Offiziell angestellten Ausländern steht die Krankenversicherung gesetzlich sofort zu, wird in der Regel aber erst nach 6 Monaten gewährt, was sich aus einer alten, aber mittlerweile ungültigen Regelung erklärt, die noch angewendet wird (2015: immer noch so).

Rente/Pension:
Zusammenfassung und aktueller Überblick 2015 hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/05/ludigels-lustige-lenten-legende.html
Weitere Details und Modellrechnungen hier: 
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/10/links-zur-rentenversicherung-in-taiwan.html)
 
Konkret gibt es zwar eine arbeitgebergebundene Rente seit 1953, die aber in der Praxis kaum jemanden zur Verfügung stand. Erst in den 2000ern wurde die Rente langsam üblich, ab 2005 kam das neue verbesserte Rentensystem und ab 2009 werden Arbeitgeber gezwungen, ihre Angestellten teilnehmen zu lassen. Siehe Links oben. Wer keine andere Rentenversicherung hat, kann freiwillig an der National Pension teilnehmen, einer Alternativrente. Letztere nur für Staatsbürger und deren ausl. Ehegatten. Die Labor Law-Rente hingegen ist für alle regulären Beschäftigten.

Kündigung: Der Arbeitgeber kündigt selten, i.d.R. nur bei groben Verstößen des Arbeitnehmers oder bei schweren Wirschaftskrisen (wie wir gerade eine hatten), weil sonst der Arbeitnehmer das Gesicht verliert. Ehr soll der schwächelnde Arbeitnehmer umerzogen oder auch durch Druck zur Selbstkündigung bewogen werden. In der Regel vereinbart man wenigestens ein paar Tage oder ca. 2 Wochen Kündigungsfrist, wenn man mit dem Arbeitgeber über den Zeitpunkt des Ausscheidens (frei) verhandelt. Wichtig: Arbeitnehmer geben als Kündigungsgrund immer "um die Familie kümmern" an, niemals darf ein objektiver Grund genannt werden, weil sonst der Chef das Gesicht verliert. Das gilt auch für "mir gefällt der neue Stadteil wegen der Verkehranbindung besser" oder "neue Herausforderung antreten". Alles Tabu!
Hinweis: Ausländer werden nach Projektabschluss oft leichter zur Kündigung gedrängt oder gekündigt, weil der Arbeitgeber oft nur ein einzelnes Projekt für sie im Kopf hat.

Arbeitsvertrag: Gibt es nicht. Nur ein "Opening letter" erhält man.

Arbeitszeugnis: Gibt es nicht. Nur einen chinesischen Beschäftigungsnachweis. Tipp: Um Unterzeichnung eines richtigen Zeugnisses auf Englisch bitten.

Urlaub: Erstes Jahr bei neuem Arbeitgeber KEIN bezahlter Urlaub, man kann mit viel Ausreden über Notfälle (bei mir natürlich alles immer wahr) ein paar isolierte Tage unbezahlten Urlaub bekommen. Zweites Jahr 3 Tage bezahlter Urlaub, drittes Jahr 7 Tage und alle folgenden Jahre 10 Tage bezahlten Jahresurlaub. Kleine Unternehmen bringen Arbeitnehmer gerne nach dem 1. Jahr zum freiwilligen Weggang, um den Urlaub zu sparen.
Es gibt einen Familientag und einen Ausflugstag, die der Arbeitgeber in Form von einem bezahlten freien Tag und einem weiteren (oder alternativ tatsächlich ein obernerviger Ausflug) gewährt. Nur mein Arbeitgeber gibt noch ein paar Tage dazu, mögen die hundert Götter Geld auf ihn regnen lassen.

Feiertage: Ein paar im Jahr, darunter 01. Januar, 01. Mai und irgendwann Mondfest und Drachenfest sowie Nationalfeiertag 11. Oktober und was auch immer, vergesse ich immer wieder. Chinesisches Neujahrsfest (meist liegt das im Februar) hat ca. 4 Feiertage, mit einem Brückentag*** und den Wochenenden hat man dann recht passabel freie Zeit. Weihnachten ist hier kein Feiertag. Meine Firma gibt uns 2010 tatsächlich den 24.12. frei, mögen leichtbekleidete Engel Goldregen auf die Chefs herunterrieseln lassen.

Visum und Arbeitserlaubnis: Die Vertretungen der Republik China/Taiwan in Deutschland helfen (Achtung: NICHT Botschaften der VR China, das ist nun mal ein anderer Staat). Wer auf ein Familienzusammenführungsvisum kommt erhält eine ARC (Alien Residence Card) auf den Namen des taiwan. Ehepartners und benötigt KEINE Arbeitserlaubnis. Wer nicht verheiratet ist, bekommt die ARC und die damit verbundene Arbeitserlaubnis an den ArbeitsORT (i.S.v. Adresse) gebunden, d.h. auch mal eben in einer anderen -in der selben Ortschaft gelegenen- Filliale des Arbeitgebers aushelfen bedeutet Arbeiten ohne Arbeitserlaubnis und führt, wenn es festgestellt wird, zur Ausweisung.
Wer eine ortsgebundene Arbeitserlaubnis hat, darf auch keine ehrenamtlichen oder sonst wie unbezahlten Tätigkeiten an einem anderen Ort (i.S.v. Adresse) verrichten.
Branchen müssen von der Regierung explizit als "dürfen Ausländer beschäftigen" gelistet sein (wie Computerbranche). Ehegatten von Taiwanesen dürfen aber überall arbeiten.

Rechtssicherheit, Ausweisung: Es besteht keine Rechtssicherheit bzgl. der Aufenthaltserlaubnis, weil Ausländer ohne Angabe von Gründen ausgewiesen werden können (auch Taiwanesen mit ausländischen zweiten Pass oder ständigem Wohnsitz im Ausland!). Dies droht insbesondere Leuten mit Arbeitsvisum (im Gegensatz zur Aufenthaltsberechtigung durch Eheschließung) schon bei Lapalien.
Hat man ein Standard Arbeitsvisum, welches an den Arbeitgeber (die Adresse des Arbeitsortes!) gebunden ist, ist man leichte Beute für Erpressungen und Einbehaltung von rechtlich zustehenden Leistungen, denn bei Entlassung verliert die Aufenthaltsberechtigung ihre Gültigkeit.

Neues Visum wie? Taiwan toleriert den sog. "Visa Run", d.h. man besucht Hong-Kong eine Übernachtung lang und erhält ein neues Touristenvisum (müsste bei Landung automatisch ausgegeben werden, unklar ob es hier besser ist, eines vorher zu besorgen, wenn man vorher ein Arbeitsvisum hatte, da fehlen mir die Erfahrungen) und sucht dann mit diesem neue Arbeit. Ist aber eine rechtliche Grauzone die zur Ausweisung führen kann, wenn man ohne Arbeitsvisum arbeiten sollte.

Anerkennung deutscher Universitätsgrade: Ein festes Verfahren gibt es dafür nicht. Bei deutschen Graden wie dem Diplom sollte man erklären welchem US-Grad das in etwa entspricht, also "Diplom gleich Master" z.B. Bitte keine akademischen Haarspaltereien hier. Erklärt man es nicht richtig, wird ein Diplom wegen des englischen Begriffes "Diploma" (Zertifikat) nur für irgendeine Zertifizierung gehalten. Hat man es richtig erklärt, sind deutsche Universitätsgrade hoch angesehen.

Taiwanesen und ihre "akademischen Titel"
Taiwanesen bezeichnen sich oft als "Bachelor" oder "Master" ihres Faches und geben an, dieses im Ausland studiert zu haben (GB oder US). Nach taiwanesischer Sitte reicht es allerdings, ein paar Semester eingschrieben zu sein und eine Immatrukulationsbescheinigung über die Zeit zu haben, um den am Ende des Studiums zustehenden Grad zu beanspruchen. Viele Bachelor und Master etc. führen den Titel daher unberechtigt und oft fehlen ihnen selbst Grundkenntnisse des Faches. Allerdings gibt es auch echte Akademiker.
Neben den "nur eingeschrieben gewesen"-Titelträgern ohne Abschluss gibt es auch gedruckte/kopierte Fälschungen. Falsches Titelführen wird weniger ernst genommen, die Taipei Times erwähnte kürzlich, mehrere südtaiwan. Krankenhäuser hätten Personal (auch Ärzte) mit falschen Titeln wider besseres Wissen eingestellt, weil diese billiger seien.
Es gibt fachlich sehr gute Leute hier und völlige Nullen, leider führen auch die Nullen oft unberechtigte Titel. Vorsicht also auch beim Arztbesuch.


Cramschool/Buxiban/Bushiban/"Kindergarten": Die so bezeichneten privaten Englischschulen für Kinder (die z.T. auch Erwachsenenunterricht anbieten) sind notorisch für das Betrügen ihrer Angestellten durch Einbehalten von Fantasiesicherheitsleistungen, die nicht zurückbezahlt werden, Abzug von zu hoher Steuer etc. Hier wird i.d.R. auch schnell gekündigt.

Die meisten Ausländer, die in Taiwan arbeiten, sind englische Muttersprachler und arbeiten in den o.g. "Kindergärten".

Kurioserweise sind die Cramschools nicht als Branche gelistet, die Ausländer beschäftigen darf. Daher arbeiten die Englischlehrer hier meist als "Consultants", was wohl irgendwie legaler klingen soll.

Update: Streng genommen dürfen die Cram-Schools, also die Nachhilfeschulen, die für Kinder ab Schulalter offen sind per regulierendem Gesetz auch ausländische Englischlehrer anstellen. Allerdings sind fast alle privaten Englischschulen als Kindergarten gemeldet, damit sie auch die Jüngsten aufnehmen können, was ein großer Markt ist. Und Kindergärten dürfen keine Ausländer anstellen, so dass die Englischlehrer daher meist illegal arbeiten.

Private Beziehung und Beruf: Wenn man sich scheiden lässt, wird man oft auch vom Arbeitgeber entlassen, weil derjeinige, der sein Privatleben nicht managen kann, angeblich auch seinen Beruf nicht kontrollieren kann.
Ein Fall ist mir bekannt, in dem Kollege und Kollegin eine Beziehung hatten, einer der beiden aber verheiratet war. Beide wurden entlassen. Abgesehen davon ist Ehebruch strafbar in Taiwan (Gefägnisstrafe kann verhängt werden).


*** Dafür einen Samstag arbeiten. Mein Arbeitgeber erlässt uns das meist. Mögen Hosianna singende Engel die Chefs dafür segnen.

LINK: Gute, altmodische Taiwan-Infoseite ohne dieses neumodische Blogdesign: http://lidude.net/taiwanseiten/taiwan.html


Nachtrag zu Steuern:  

[Quelle: Kommentator Anonymous, Danke noch mal für die Info, reproduziert aus unten stehendem Kommentar]

"Wie Deutschland hat auch Taiwan einen progressiv gestaffelten Einkommensteuertarif mit sechs Brackets von 5% bis 45% (5%, 12%, 20%, 30%, 40%, 45%).
Der Eingangssteuersatz von 5% ist bereits fuer Jareseinkommen unter NT$520.000 zu zahlen, einen Grundfreibetrag wie in Deutschland gibt es nicht. Der Spitzensteuersatz von 45% ist gleich dem deutschen Spitzensteuersatz (mit Solidaritaetszuschlag 50.5%), allerdings wird er in Deutschland bereits ab einem Einkommen von Euro 250.731 faellig, in Taiwan erst oberhalb von NT$ 10.000.000.

Im Normalfall (heisst: keine ausserordentlich hohen steuermindernden Abzuege / Sonderausgaben - die in Taiwan eh sehr begrenzt sind) ist der von Dir angegebene Durchschnittsteuersatz von 6% folglich nur fuer Einkommensbezieher erzielbar auf die ein Spitzensteuersatz von 12% zutrifft (d.h. mit einem Jahreseinkommen zwischen NT$ 520.000 und 1.170.000).


Referenz: Taiwan Income Tax Act - http://www.dot.gov.tw/en/home.jsp

The tax brackets and rates of consolidated income tax are as follows:
1. If the annual total net consolidated income is less than or equal to NT$520,000, the tax rate shall be 5%.
2. If the annual total net consolidated income is above NT$520,000 to NT$1,170,000, the income tax payable shall be NT$26,000 plus 12% for the portion of income more than NT$520,000.
3. If the annual total net consolidated income is above NT$1,170,000 to NT$2,350,000, the income tax payable shall be NT$104,000 plus 20% for the portion of income more than NT$1,170,000.
4. If the annual total net consolidated income is above NT$2,350,000 to NT$4,400,000, the income tax payable shall be NT$340,000 plus 30% for the portion of income more than NT$2,350,000.
5. If the annual total net consolidated income is above NT$4,400,000, the income tax payable shall be NT$955,000 plus 40% for the portion of income more than NT$4,400,000.
6. If the annual total net consolidated income is above NT$10,000,000, the income tax payable shall be NT$3,195,000 plus 45% for the portion of income more than NT$10,000,000. " (Zitat Ende)

Freitag, Januar 01, 2010

We are already 2010, you are not (at least when I wrote this)

Hope you had some yummy food for the feast days like me. Not sure if I am so happy with that 80 NT haircut though, maybe go back to the 100 NT one.

BTW, the guy on the left is thinking: "Ups, he found my shoe lace in his soup." Or something like that.

Taipei is 7 hrs ahead of German time, very early going into 2010. So many people close to the building "101", Taiwan's World Trade Center, my wife was thinking how many Hot Dogs we could have been selling there if we were in Hot Dog business. 101 was formerly the world's highest building, but last year it said "Sony 2009" on New Year's eve. This year it says "2010 Taiwan up" and the fireworks is gigantic. Of course I just see it on TV in my house, too lazy to stand in the cold and eat Hot Dogs. Well, it's also cold in my house, we don't have heating. Damned, now I started the year complaining about Taiwan again. Happy New Year to all who stumble into this blog.