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Dienstag, März 21, 2017

Gebrauchtwagen Teil 3: Autos von der Bank klauen

Endlich mal der Hausbank was heimzahlen? Gemeint ist hier aber nicht, dem Filialleiter seinen schwarzen Toyota Camry zu klauen, sondern die Taiwaner haben etwas viel trickreicheres im Sinn

In Deutschland habe ich mal ähnliches gehört. Wenn Herr Thorsten van Anderen sich einen neuen BMW 750i gekauft hat und nicht abbezahlen kann, wird er per Repro-Mann wieder beschlagnahmt und geht zurück an die Bank. Manche besonders pfiffige Schuldner verkaufen den teuren neuen Wagen aber schnell an eine Hinterhofwerkstatt und melden ihn als gestohlen oder dergleichen. Und die verkauft ihn dann in Teilen. Pfiffige Detektive werden dann ggf. beauftragt den Wagen vorher wiederzufinden.

Manch einer wäre hier froh, wenn er die Kiste loswürde irgendwie...
Um solche Autos geht es hier natürlich nicht, sondern nur um dicke meist deutsche Importautos

In Taiwan geht es aber noch trickreicher. Es gibt nämlich Pfandhausseiten, die Autos anbieten, die zwischen 3 und 6 Jahren alt sind. Neuere fehlen, vielleicht weil sich da das Anheuern von Detektiven lohnen würde, die den Autos auf der Spur sind. Diese Pfandhausseiten erwähnen, dass die Autos unter Eigentumsvorbehalt (einer Bank) stehen und daher nicht einfach auf den eigenen Namen zugelassen werden können. Man erhält die Fahrzeugpapiere, aber diese lauten weiterhin auf den Namen des ursprünglichen Käufers/Schuldners. Und man kriegt die Autos also nur permanent überlassen, wofür man die Hälfte oder ein Drittel des Zeitwerts des Auto an das Pfandhaus bezahlt. Damit die Bank das Auto nicht findet und beschlagnahmt bieten die Pfandhäuser einen besonderen Verschleierungsservice an, der u.a. andere Kennzeichen beinhaltet.

Meine Meinung nach längst auf der falschen Seite der Grauzone zwischen legal und illegal und Links will ich auf solche Seiten doch nicht setzen. Aber wie geht das Ganze nun im Detail vor sich? Im Beispiel wie unten:

Herr Li kauft sich seinen dicken Mercedes E300 und kann ihn am Ende nicht mehr abzahlen. Jetzt geht er schnell zum Pfandhaus und bekommt dafür Geld in die Hand gedrückt. Kann er den Wagen nach einiger Zeit nicht mehr auslösen, verbleibt er beim Pfandhaus. Das Pfandhaus bietet ihn nun schnell auf einschlägigen Webseiten an, mit dem Hinweis man können ihn nicht einfach auf den eigenen Namen zulassen. Denn sonst würde die entsprechende taiwanische Zulassungsbehörde ihn wohl für die Bank beschlagnahmen lassen. Wenn man den Wagen jedoch haben will, kriegt man Fahrzeugbrief und -Schein, die es auch in Taiwan gibt. Dort steht auch noch der ursprüngliche Halter Herr Li drin und weder Herr Li noch der neue Käufer zahlen die Steuer oder gar Versicherung. Aber der "Käufer" könnte jetzt natürlich fröhlich mit dem E300 herum fahren. Solange, bis er beschlagnahmt wird. Um das zu verhindern kauft das Pfandhaus eine Doublette auf. Das ist ein gleichfarbiger Wagen der selben Baureihe (die Farbe steht in Taiwan in den Wagenpapieren!), der kaum noch etwas Wert ist. Vielleicht ist er schon ein paar Jahre älter, hat vielleicht einen Flutschaden bekommen (kommt in Taiwan öfter mal vor) oder hat gar einen Unfallschaden. Vielleicht ist es sogar nur ein E260 oder was auch immer. Dieses Wrack kann der "Käufer" nun legal auf sich zulassen und dafür auch die KFZ-Steuer bezahlen. Allerdings wird das Wrack nie gefahren, sondern bleibt an einem geheimen Ort beim Pfandleiher stehen. Irgendwo in einer Wellblechhalle. Trickreich werden nun die neuen legalen Kennzeichen des kaputten E260 mit denen des schicken E300 getauscht. Idealerweise macht man vielleicht die E300/E260-Markierungen ab. Nun fährt der "Käufer" also mit Herrn Lis illegalem E300 herum, aber laut Kennzeichen ist es ein ganz anderer E260, der völlig legal ist.

Ohne Bezug zum Artikel. Die Jungs hier in der Nachbarschaft putzen alles was teuer ist.

Sinn der Übung ist, dass ein Repro-Mann der Versicherung den Wagen weder bei Herrn Li noch beim Abklappern von Pfandhäusern findet. Selbst wenn er die Wellblechhalle mit den Pfandleiherautos findet, wird er am Ende nur vor einem Schrottfahrzeug stehen, das in Baureihe, Farbe und Kennzeichen mit Hernn Lis Auto übereinstimmt. Nur dass es in Wirklichkeit eben der schrottige E260 ist und nicht Herrn Lis E300. Entnervt soll der Repro-Mann nun wieder nach Hause fahren und die Sache auf sich beruhen lassen. Weil es sich nicht lohnt, das Wrack - von dem der Repromensch denkt es sei Herrn Lis E300 - mitzunehmen.

Was wenn der illegale E300 mit der Vita des E260 nun in eine Polizeikontrolle gerät? Kein Problem, heißt es in einschlägigen Foren. Strafmandate etc. orientieren sich am Kennzeichen und die Polizei macht eigentlich nie die Motorhaube auf, um die Fahrgestellnummer zu kontrollieren. Auch die automatischen Mautstationen auf Taiwans Autobahnen orientieren sich natürlich nur am Kennzeichen und das gehört ja einem legalen Fahrzeug und ist auf den neuen Halter zugelassen.

Alles paletti also? Ich denke unangenehm würde es, wenn das Fahrzeug etwa einen schweren Unfall hätte und irgendjemand doch die Fahrgestellnummern ermittelt. Dann müsste man der Polizei erklären, wieso man ein gesuchtes Fahrzeug fährt. Und wehe, wenn das Auto dann noch wegen Fahrerflucht und einem schweren Vorunfall vor Jahren gesucht wird.
Oder was, wenn der Wagen wirklich gestohlen wird? Man meldet dann der Polizei einen gestohlenen legalen E260, der in Wirklichkeit in einer Wellblechbutze steht. Alles sehr sehr unorthodox und vermutlich kriminell. Und falsche Kennzeichen am Auto zu befestigen ist sowieso ein Vergehen. Aber alles spannend und taiwanisch-pfiffig.

Ein Zufallsfund beim Durchstöbern von Gebrauchtwagenforen und nicht zur Nachahmung empfohlen.

Montag, März 20, 2017

Bitte zahlen für ein nicht vorhandenes Auto

Abenteuer auf dem taiwanischen Gebrauchtwagenmarkt

Frau und ich wollen ja diesmal ein eher kleines Auto kaufen. Damit sie es ggf. auch allein fahren kann wegen ihrer Tendenz, bei zu großen Autos in den Kurven manchmal irgendwo hängen zu bleiben. Die Breite ist wohl das Problem. Trotzdem hat meine Frau dann gegen kleine Autos etwas einzuwenden und guckt immer wieder nach Riesenschlitten. Weil ich aber wegen unserer recht chaotischen Hin- und Herwanderung zwischen Taiwan, Philippinen und Deutschland und dem damit verbundenen automobilen Verkaufs- und Neukauf und In-Garagen-unbenutzt-herumsteh-Chaos nicht gleich wieder viel Geld zu Neuwagenhändlern tragen will, haben wir uns auch Gebrauchtwagen angesehen. Natürlich große mit viel PS, was anderes sucht Frau gar nicht heraus.

Ein Mercedes C250 sollte es sein (so richtig kompakt ist der schon lange nicht mehr) oder ein A6, hübsch angepriesen auf Gebrauchtwagenseiten im Internetz. Wir landeten dann in einer der üblichen grau-hässlichen Simpel-Mini-Plattenbauvorstädte in einer kleinen Butze, in der man wie gewohnt die Schuhe vor der Türe stehen lassen musste. Zu meiner Verwirrung war von Autos nirgends etwas zu sehen, aber schon eine ganze Zeit vorher hatte ein Mopedfahrer uns auffällig-unauffällig beschattet und unsere Position per Handy an irgendjemanden durchgegeben, als wir noch die Adresse suchten.

Drinnen beim "Händler" ein paar Cubical. Unser "Händler" trug einen krawattenlosen schwarzen Billiganzug, was ihn wesentlich unseriöser aussehen ließ, als hätte der Bermudashorts getragen. Blues Brother ohne Blues, sozusagen. Dafür ewig lächelnd. Im Cubical bekamen wir dann einen langen Vortrag über ein Qualitäts-Zertifikat des Mercedes C250, das außen und innen und die Prüfung auf (nicht) gespachtelte Unfallstellen und den Zustand beinhaltete. Soweit so gut, aber wo war nun die verdammt Karre?

Über dem Cubical Fotos von einem riesigen Parkplatz mit tausenden Autos. Ein Büro mit riesigem Bildschirm wie das Raketenzentrum in Huston, war auf den Fotos zu sehen. Da keimte schnell ein Verdacht bei mir auf. "Die wollen mit tollen Fotos und selbstgebastelten Formularen hier auf seriös tun, haben aber gar kein Auto da!". Also alles nur Abzocke?

In der Tat sollten wir dann alsbald die vorher genannte Vorabgebühr/Anzahlung von 30.000 NT zahlen (etwa 800 Euro), die auch wirklich in meiner Bauchbinde zu finden war. "Ohne das Auto zu sehen?", fragte ich verdutzt meine Frau. Die bestätigte. Da grinste der "Diamantenhändler" in seinem schwarzen Anzug süffisant und sagte zu Frau und uns begleitendem Freund und Kollegen Will auf Chinesisch: "Was will er denn den Wagen sehen, ihr Mann? Wenn er ihn sieht, sagt er doch sowieso nur beautiful, beautiful", wobei unser kleiner Komiker das "beautiful" auf Englisch aussprach und offensichtlich nicht damit rechnete, dass ich seinen Satz in der hiesigen Stammel-Lispel-Sprache namens Mandarin auch verstehen konnte. Ich lächelte debil, wie es die hiesigen pfiffigen Menschen von einem debilen Ausländer erwarteten und sah mich unauffällig um, was denn als Waffe verwenden konnte. Denn unterdessen hatte sich eine größere Gruppe junger Männer zwischen uns und dem Ausgang aufgebaut, wo sie ihrerseits auf einen Computerbildschirm starrten und eifrig Gebrauchtwagen diskutierten. Die es sicherlich auch gar nicht gab oder jedenfalls nicht in ihrem Besitz, so schien es mir.

Wollten die uns mit einer Scam-Geschichte an die Brieftasche? Es gab offensichtlich einen Hinterausgang, direkt neben mir. Möglicherweise war der aber zugeschlossen. "Also doch lieber den Weg zur Fronttür freikämpfen", dachte ich mir. "Vorsicht vor den rotlackierten Krallen der Sekretärin", war eine gedankliche Randnotiz. "Man weiß ja nie wegen Infektionen". Wie aber den Rückzug taktisch gestalten durch den Pulk der Gott sei Dank schmaltalierten und modisch frisierten jungen Männer hindurch? Mehr als die Miezekatze (eine echte, keine Sekretärin) als Wurfgeschoss zu verwenden, fiel mir aber nicht ein, richtige waffenähnliche Gegenstände gab es nicht. Außerdem müsste man nach erfolgreicher Flucht noch mal zurück, alle noch mal verprügeln um sich dann die beim ersten Mal vergessenen Schuhe wieder anzuziehen. Ich gluckste vergnügt vor mich hin und freute mich schon auf ein bisschen Feierabend-Sparring vorm Abendbrot, da schlug zu meiner Verblüffung der Diamantenhändler vor, sich die Gebrauchtwagen doch auf einem nahegelegenen Gelände anzusehen.

Ich vermutete natürlich sofort irgendein abgelegenes Gelände, wo es uns schlussendlich an den Kragen gehen sollte, allerdings war mir aus taktischen Gründen ein Ortswechsel doch willkommen. "Oder du hast nur zu viele taiwanische Fernsehserien gesehen, wo sie immer auf Wellblechhinterhöfen mit Eisenstangen auf Leute einschlagen", wand mein Großhirn ein.

Also vorne durchs Büro durch. "Bye bye" winkte die Sekretärin uns zu mit ihren roten Fingernägeln und die beiden Miezekatzen (wie gesagt keine Humanform sondern wirklich fellin) im Hinterzimmer stritten sich um ein Wollknäul. Draußen hörten wir dann, den C250 oder den Audi A6 gebe es aber nicht auf dem Parkplatz, der sei noch "bei der Bank", weil vom ursprünglichen Besitzer nicht abbezahlt. Aber ganz ähnliche Karossen habe man ganz in der Nähe.

Nach dem in Taipei unvermeidlichen Treten in Hundekacke und dem anschließenden Säubern an gut geschnittenen Hecken standen wir auf einem Trümmergrundstück gleich neben einem Prunk-Bürobau und ich sah schwermütig auf gelblich angelaufene Scheinwerfer von mindestens 10 Jahre alten automobilen Träumen der 90er und frühen 2000er. Nur ein VW Tiguan sah mit seiner Kreidebeschriftung so aus, als sei er gerade von einem Autotransporter "gefallen". "Wahrscheinlich fehlt der jetzt irgendwo", dachte ich. Aber den Tiguan wollte Frau nicht, wegen den Problemen mit dem DSG-Getriebe hier am Assturban der Welt namens China/Taiwan.

"Welchen willst Du denn?", frage meine Frau.
"Das Taxi da drüben!", sagte ich und bemerkte, dass es doch ohnehin Abendbrotzeit sei. Und der krawattenlose Bluesbrother würde ja auch ohne uns klarkommen. Mit seinen Katzen und den tollen Fotos von nichtvorhandenen Autos.

Also wanderten wir zurück. Frau wollte nicht das Taxi sondern lieber den "Uber"-Fahrdienst, der in Taiwan regierungsseitig mittlerweile verboten ist und den es nicht mehr gibt. Mit dem man aber immer noch fahren kann. Nur ohne die Uber-App sondern per Uber-Ruf per Chat-Applikation.

Auf das nicht existierende Uber-Auto an der Kreuzung wartend (ich unter Mundschutz dem Smog halber) wurden dann weitere Details des Deals offenbar, die uns der immer noch lächelnde Bluesman des Gebrauchtwagenbusinesski vortrug.

Wir sollten erstmal 30.000 NT zahlen ohne den C250 gesehen zu haben. Dann würde unser James ohne Belushi mit der Bank verhandeln ob wir das Auto auch kriegen. Wenn ja, sollten wir den vollen Kaufpreis von 700.000 NT für den 2010er C-Klasse Benz gleich bezahlen plus 8% Provision***. Und dann das Auto kriegen irgendwann. Ich lehnte dankend ab, unterließ es dem Herrn beim Abschied zu sagen, dass sein Anzug "beautiful" sei und freute mich auf das Abendbrot und das Schreiben eines Blogartikels über unseriöse taiwanische "Gebrauchtwagenhändler" und Scam-Artisten.

Doch mehr und mehr wurde auf meine insistierende Nachfrage deutlich, dass offenbar doch alles mit rechten Dingen zugegangen war. Die Autos von denen die Rede war, waren nämlich von "Repro-Men" beschlagnahmte und der Bank übergebene nicht abbezahlte Autos. Oder Autos die von Schuldnern beschlagnahmt wurden, weil diese sich mit dem Hauskredit verhoben hatten oder desgleichen. Dann lässt die Bank das Auto schätzen (daher die Fotos von der Schätzinstitution!) und die Karre bekommt (allerdings ohne Probefahrt gemacht zu haben) seine Evaluierung mit A,B,C... und dem tollen uns gezeigten Formular. Die Autos werden dann versteigert. Aber nicht Privatleute gehen dort hin (wie das in Deutschland durchaus möglich ist beispielsweise) sondern nur schwarze Anzüge tragende Agenten wie unser fröhlicher Bluesbrother. Und die bezahlt man dann, ohne den Wagen je gesehen zu haben.

Wir werden es lassen. Aber in Unkenntnis des Gesamtbildes habe ich dem schwarz gekleideten Herrn, der Sekretärin, den beiden Mietzekatzen und den modisch frisierten jungen Männern der Agentur Unrecht getan. Wofür ich mich hiermit herzlich entschuldige. Hat er also doch Recht, der Verkäufer. Man soll als Ausländer nicht auf dem Ansehen von Gebrauchtwagen bestehen und dann "beautiful" sagen, sondern einfach schweigen und sofort die Brieftasche aufmachen und zahlen.

Oder man geht eben essen, wie meine Frau und ich. Geht auch.


*** Nicht erwähnt von ihm: Auch evtl. noch angefallene Strafmandate des letzten Fahrers muss man übernehmen.

Freitag, März 17, 2017

Automobilistisches

Wieder Auto kaufen. Ludigel ist genervt.

Immer wenn ich über mich selbst in der dritten Person spreche, erinnere ich mich an diesen Artikel eines Psychologen, der die Angewohnheit sich selbst so zu referenzieren als Hinweis auf eine Geisteskrankheit sah. Aber dass man bei meiner Lebensführung irrsinnig würde, wäre so verwunderlich nun auch wieder nicht. Oder "er" irrsinnig würde, der Ludigel in Taiwan.

Wie dem auch sei, nachdem ich kürzlich ob des Hinzugs meiner Frau samt Sohn nach Manila auf den Philippinen und dem Tode meines Vaters bei Hannover, Deutschland meinen Wohnsitz wieder nach Deutschland verlegt hatte, kommt mir mein plötzliches Wiederauftauchen in Taiwan und der alten Firma noch recht merkwürdig vor. Frau will Auto kaufen und hat bereits Wohnung für uns gemietet und wir sammeln demnächst in Manila ein, was von unserem Hausrat dort überlebt hat. Dort ist ein Reihenhaus samt Flatscreen-TV für uns gemietet, in dem ich nie gewesen bin. Eben weil mein Vater verstorben war und ich mich einige Zeit um meine Mutter im Eigenheim bei Hannover gekümmert habe und das eigentlich immer noch tun müsste. Aber ultimative Aussagen der Gattin und ihr plötzlicher Rückzug ins heimische Taiwan schienen meine Anwesenheit erforderlich zu machen und führten - was ich gerne annahm - zu meiner Wiedervereinigung mit Junior (5). Die unstete Lebensweise führt zur Minimierung des Hausrats und zur Verteilung des Rests über drei Länder und zwei Kontinente. Und zum automobilen Chaos.

Bereits 2004 ließ ich meinen alten Mitsubishi Space Wagon in Deutschland zurück, der eigentlich sowieso meinem Vater gehörte und von ihm dann im Wechsel mit seinem neueren Space Wagon gefahren wurde, bis er mit 225 000 km und 10 Jahren oder so für einen Euro an den Mitsubishihändler ging.

Im selben Jahr verloren Frau und ich dann den nicht schönen aber praktischen Kia Carens, weil wir ja für geschlagene drei Monate vorher nach Darmstadt in Deutschland gezogen waren. Bis ich auf Anraten meiner ukrainischen Hausärztin wegen des Augenrollens meiner Frau (der Deutschland nicht recht bekam) eben nach Taiwan zurück zog. Nur jetzt war der Kia schon verkauft und ich weigerte mich bis 2006, einen neuen Wagen im versmogten und zugestauten Taipei zu kaufen. Lange begleitete uns dann ein Nissan X-Trail, doch Dez. 2013 wurde er im Rahmen eines automobilen Wettlaufs im Mittelmanagement meiner Firma gegen einen dicken schwarzen Volvo XC60 T5 mit viel zu viel PS und fast nie von meinem Gasfuß herausgefordertem Turbolader ersetzt. Nur um ihm bei Umzug nach Manila/Deutschland 2016 mit großen Verlust (eine Million Taiwandollar Wertverlust) an das Schwesterherz (Nr. 4) meiner Frau zu verkaufen. Da soll einer nicht irrsinnig werden!

Kurzzeitig in Hannover in Deutschland übernahm ich den vom Vater vererbten Mitsubishi ASX, einen kleinen SUV in roter Knallfarbe, der jetzt unbenutzt in der Garage steht und fast neu ist. Jetzt sind wir wieder in Taipei und haben kein Auto mehr. Frau will immer riesige teure Schlitten kaufen und ich nur einen kleinen gebrauchten, um das Risiko in Garagen dahin vegetierender oder mit Verlust verkaufter Autos zu minimieren.

So sahen wir uns die Tage einen (neuen) Mazda 2 beim Händler an. Eine Million Taiwandollar (viel zu) teuer, schick mit Leder mit roter Naht im Innenraum, verblüffend viel Platz vorne und einem 109 PS-Motor, das Frau aber doch zu klein ist. Die nette Verkäuferin bot uns sogar Sitzplätze, Prospekt und Kaffee an. Vorher hatten wir noch einen VW Golf angesehen, den meine Frau aber wegen des DSG-Getriebeproblems in Taiwan/China nicht wollte. Offenbar vertragen die VW-Gruppe-Autos nicht die Luftfeuchte in hiesigen Breiten. Die nette Verkäuferin bot uns keinen Platz und nicht Kaffee und Kekse an, aber Frau war wohl zu sehr gegen den Golf von Rolf.

Ein Audi A3 Sportback hatte es ihr kurzzeitig angetan. Trotz meiner Mahnung, dass sei auch nur ein Golf. Auch gruselig teuer war der A3 wegen des erhöhten Premiumanspruchs von Audi in Taiwan. "Sieh Dir vorne den Innenraum an", verlangte meine Frau und ich vermied den Blick auf die Oberschenkel  der Minirock tragenden Verkäuferin und starrte stattdessen auf ihre dicke Panerai mit rotem Kroko-Lederarmband, die bestimmt so viel gekostet hat wie der Toyota Yaris, den wir uns vorher angesehen hatten. Ohne die schicke Panerai auf dem Beifahrersitz war der A3 für mich nicht so interessant, dank Premiumklasse-Inflation und wenig Platz für meinen SUV-verwöhnten Körper. Kekse und Kaffee gab es aber bei Audi und den Hinweis, der Audi habe Motoren und Technik wie ein Lamborghini. Hört hört.

Bei BMW hatte der Verkäufer nur einen Autochrono eines nicht so prominenten Herstellers am Arm und es gab auch Prospekt und Kekse und wir saßen im engen 1er und im dickeren X1 Probe. So recht wollte es nicht zünden bei uns, auch wenn die Autos schick waren. Mir war der X1 zu teuer (will nicht schon wieder so viel Geld ausgeben) und der 1er zu winzig-eng.

Bei Mercedes (auf taiwanisch "Benze") empfing uns der schick gekleidete Verkäufer mit grauen Schläfen und dicker grüner Rolex Submariner am Arm kühl distanziert. Sitzplatz oder Kaffee gab es nicht, immerhin einen Prospekt für die A-Klasse auf Nachfrage (auch eng die A-Klasse) und der Verkäufer suchte daimlertypisch arrogant während des Probesitzens das Weite. "Verkauf Dir deinen Benzele doch selber", denke ich. Die Extraliste war sowieso viel zu lang und das Lenkrad gibt es nur gegen Aufpreis oder etwas in der Art.

Der Toyota war auch eng, der Verkäufer hatte eine schwarze Casio-Digitaluhr und war superfreundlich. Aber so recht gefallen wollte mir das Ding auch nicht. Das Auto meine ich. Die Uhr hat ja immerhin netten Retrocharm.

Einen zu großen Wagen wollen wir nicht nehmen. Ich zögere meiner Frau mehrere Jahre meiner Anwesenheit in Taiwan zu versprechen, wartet doch eine ziemlich hilflose Mutter nebst Reihenhaus, DAK- und ADAC-Mitgliedschaft passend zum roten Mitsubishi auf mich. Und meine Frau kann breite große Autos schlecht fahren.

Gleich gucken wir uns einen gebrauchten Audi A6 mit 2,8-Liter und einen Mercedes C250 an. Beide eigentlich zu groß für Frau, aber ohne großen Verlust wieder abstoßbar, sollte ich in meine norddeutsche Heimat verschwinden. Der Dauerkumpel "Will" (Name von der Red. geändert) meiner Frau hat schon zig Warnungen vor den Tricks der taiwanischen Gebrauchtwagenhändler bereit und alle zählen auf meinen Sachverstand. Schließlich muss ich mich als Deutscher sowieso mit Autos auskennen und als Ex-Teilzeit-Gebrauchtwagenhänder (Umsatz 2 Wracks, u.a. mit eingebautem Bettlaken gegen Klappern und mit Pattex angeklebtem Lackflatschen) geht man davon aus, dass ich alle Tricks kenne. Also schnell einen Magneten von der Cubicalwand genommen um evtl. Spachtelmasse zu erkennen. Ich weiß ich weiß, der A6 hat wohl Alu-Türen und Haube.

Manchmal klauen die Gebrauchtwagenhändler den Wagen mit Zweitschlüssel gleich wieder zurück, sagt Will. Na dann gucken wir mal. Große Gefahr beim Gebrauchtwagenkauf in Taiwan sind Hochwasserschäden. Aber die soll man durch Dreck unter Armaturenbrett und Ersatzrad etc. erkennen. Ach, wie gerne würde ich jetzt meinen Mitsubishi ASX aus der Garage holen...

P.S.: Wissen Sie, wie man in Taiwan halbseiden ganz dicke Autos fahren kann, die eigentlich der Bank gehören? Darf ich aber nicht schreiben, sagt meine Frau. Machen wir aber auch nicht ;-)
 

Dienstag, März 07, 2017

Durch-den-Ausländer-starren

Taiwaner sind superfreundlich. Weiß jeder Newbie. Und haben den Röntgenblick. Jedenfalls in der angeheirateten Familie.

Zurück in Taiwan. Die "erste Schwester" der Familie praktiziert schon seit 2004 mit mir das "Hindurchstarren". Sie schafft es also so zu tun, als ob ich nicht da wäre und kann tatsächlich mit den Pupillen auf die Wand hinter mir fokussieren. Könnte sie fast im Fernsehen mit auftreten. Dass es andere Menschen - den man nichts getan hat und mit denen man aus einem nicht erwiderten Gruß nie geredet hat - fertigbringen, exakt so zu tun, als sei man ein Geist, ist so eine taiwanische Familienspezialität. Jedenfalls in unserer netten Familie, die dem Exdiktator Chian Kai Shek nachtrauert und der alten Rasseideologie nachhängt, dass Chinesen (und besonders die Taipei-Chinesen Taiwans!) etwas besonderes wären. "Hellenmenschen" eben.
Seit Schwiegermutter samt Herrenmenschen-Dreirad ihren Autounfall hatte, steht sie zusehends unter dem Einfluss der Ersten Röntgentochter und praktiziert bei mir auch wieder den Röntgenblick.

Dabei habe ich nie der ersten Tochter in den Schritt gegriffen und der Alten auch nie ein Bein gestellt. Nun sitze ich hier wieder und schreibe meine Frust über die götterverdammte (in Taiwan Plural!) Familienbande meiner Frau heraus und bald folgt wieder das Gemeckere über Gift im Essen (ach so, hatten wir schon), Verkehr und graue Umgebung. Dabei dachte ich es hinter mir zu haben, wo meine Frau ihren Wohnsitz (kurzzeitig) nach Manila/Philippinen verlegt hatte und ich für drei Monate nach Deutschland.

Doch jetzt geht es weiter im Progrom, mit Taiwanfamilie und all ihren behandlungsrelevanten Problemen im grauen Schlichtviertel. Aber ich spiele vergnügt mit meinem fünfjährigen Sohn und versuche die Umgebung und insbesondere die Familie zu ignorieren. Heute Abend mache ich das auch mal. Wenn die Alte vor dem Lichtschalter steht, fixiere ich den Lichtschalter. Geht bestimmt!

Wie alt ich hier werde ist mir noch immer nicht klar. Dreizehn Jahre vom Inselparadies sind eigentlich genug....


Montag, März 06, 2017

Europcar, Sixt; Kundenvergraulung (Update)

Mit Mietwagen war ich viel unterwegs. Und habe Europcar und Sixt hassen gelernt.

Die Brieftasche hat die Kreditkarte verschluckt, weil das Fach kaputt ist. Während ich noch die Kreditkarte suche und mir der Schweiß auf der Stirn steht, faselt die Dame von Europcar davon, dass ich statt des gebuchten Golfs einen Fitat 500 (pronounce that in Italian) bekommen würde. Ich will nicht. Während ich mich noch mit der Brieftasche auseinandersetze, schwatzt sie mir einen Audi Q5 gegen viel Mehrpreis auf. Was passiert ist, wird mir in der Reisehektik erst im Auto klar. Ein Unding, ein kleineres Auto anzudrohen und so einen Mehrpreis durchzusetzen.
Nächste Fahrt. Passat gebucht, von Europcar einen schmalen, windempfindlichen, schaukeligen Renault Scenic in der Minivan-Version erhalten. Zum Preis vom Passat so ein Miniding. Dazu noch will mir der schmierige Europcar-Betreuer bei der Rückgabe Microkratzer auf die Rechnung setzen, für die man eine Lupe bräuchte. Und die definitiv nicht von mir sind.
Also beim nächsten Mal zu Sixt. Buche Golf und kriege Passat. Fängt eigentlich ganz gut an. Tanke den Wagen direkt am Flughafen voll. Trotzdem setzen sie mir 29 Euro für Tanken auf die Schlussrechnung. Protest hilft nicht, weil ich die Tankquittung nicht mehr finde. Laut Foren eine alte Sixt-Krankheit, dass sie fast grundsätzlich noch Nachtanken berechnen, auch wenn Vollgetankt ist.

Ich gratuliere dem SIXT-Support für den kleinen Sieg und den verlorenen Kunden. Der Autovermieter ENTERPRISE soll als große Konkurrenz erwachsen sein. Na dann mal gucken, was die sich zum Kundenquälen einfallen lassen.

Epilog: "Hallo Kundensupport? Also das mit dem Warpkernbruch, das war ich aber nicht.......!"

UPDATE: Sixt nimmt das Tanken auf der Rechnung zurück, auch ohne Quittung. Beim nächsten Mal hefte ich einen Zettel ans Lenkrad: Vollgetankt; habe Quittung. Bitte nicht unnötig Tanken berechnen. Laut Foren ist das bei Sixt wohl empfehlenswert.

Freitag, März 03, 2017

Zurück im November

Einstweilen zurück in Taipei. Wie wird es weiter gehen?

Ich habe es mir vor der Ehe immer so vorgestellt, dass Paare nach sachlicher Diskussion auf Basis von Fakten eine sinnvolle Entscheidung treffen. Und dass Paare aus verschiedenen Ländern ähnlich bei der Wahl ihres Wohnsitzes vorgehen. Etwa so: Maurer Paul K. aus S. und seine Verlobte Pawoko Sawakant diskutieren, ob man in Bangkok oder Stuttgart lebt. Pawoko: "Bei uns kannst Du ohne arbeiten leben. Ich gebe dein Geld aus, du finanzierst meinen echten Ehemann Porn Crumshak und meine Familie kriegt dein ganzes Geld. Wenn es alle ist, schmeiße ich dich rechtzeitig vom Balkon oder werfe dir das Radio in die Badewanne. Okay?"
Und Paul antwortet dann gelassen: "Nein danke, wir wohnen in Stuttgart. Ich haue dir manchmal eins auf die Fresse, aber sonst werden wir glücklich sein und genug Geld haben." Dann lebt das Paar glücklich in Deutschland und Ende der Geschichte.
Da ich selbst mit einer "Kollegin" aus dem Computerbusiness verheiratet bin und auch noch aus dem herrlichen Thaiwan statt Tailand ... Entschuldigung, Taiwan statt Thailand, hätte ich mir das alles noch unverkrampfter, wenn auch ergebnisoffener vorstellt.

Tatsächlich läuft es bei uns aber so, dass meine Frau mit ihrer Schwester aus Manila telefoniert und ich dann weiß, wo ich die nächsten Jahre zubringen soll. Mich aber in der letzten Zeit dann mit meinen Dingen über drei Länder verteilt vorfinde. Wenn ich jetzt etwa meine Foto-HDDs benutzen wollte, wären die in Manila, das Kabel dazu in Deutschland und der Rechner in Taipei. Oder irgendwie so. Wir hatten ja gerade unseren Wohnsitz in Taipei aufgegeben, den Hausstand weggeschmissen oder verschenkt, um der goldenen Zukunft in Manila entgegen zu sehen. Die Schwestern hatten sich einen genialen Businessplan ausgedacht: Wir machen ein Restaurant auf, dann eine ganze Kette und werden steinreich. Kochen kann ja sonst keiner. Auch die diversen köstlichen Restaurants mit niedrigen Preisen und allen Angeboten von einheimisch-Pinoy über Thai und China bis hin zu Italienisch und Burgern in Manila auf den Philippinen waren den Schwestern da keine Warnung. Nur der komische Ausländer in der Familie grummelte irgendwas von Alleinstellungsmerkmalen und der Frage, warum die Gäste gerade "bei uns" essen sollten. Und hatte auch etwas am Konzept einzuwenden, dass das Lokal den Namen einer Modekette (Qué?), das Aussehen eines Waschsalons und keine Parkplätze hatte. Aber bei doppeltem taiwanischen Geschäftssinn musste es einfach funktionieren. Wer will schon in diese schwerfällige teutonische Fragerei verfallen, wenn er asiatisch-leicht einfach mal loslegt mit dem Business und dem Kaufen der teuren Restauranteinrichtung. Ich gebe gerne zu, durch die Herrschaft über das Krähenfuss-Computer-Banking-Portal in Taiwan kann ich da meine Frau nicht stoppen und so nahm das Lokal seinen Durchlauf. Ich war kurz in Manila und bin dann wieder nach Deutschland gezogen. Bis nun meine Frau das Restaurant in die Hände ihrer erwartungsfreudig kichernden Familie legte und kurzerhand mit Junior nach Taiwan zurückkehrte.

Nun sitze sich wieder im alten Büro, wohne wieder temporär in der Stadtrandvilla in Taipei, die vom Vermieter in unzählige winzige Wohneinheiten unterteilt ist und komme mir vor, als hätte ich eine Zeitreise gemacht. Ich schlappe wieder abends aus dem Haus, wundere mich dass mein noch fast nagelneuer dicker Volvo nicht davor steht (ach so richtig, fährt jetzt eine der anderen Schwestern und wir haben beim Verkauf mehr Verlust gemacht, als der Mitsubishi meines Vaters neu kostet) und suche dann das Grün-Tee-Eis für Frau bei HiLife. Richtig, dass mochte sie "beim letzten Mal" nicht. Mir kommt es so vor, als sei das letzte Mal erst ein paar Wochen her. Aber andererseits liegt dazwischen der Zeitraum, in dem in Deutschland mein Vater verstorben ist, ich meinen Wohnsitz in seinem Haus angemeldet habe, mit einer Krankenkasse gekämpft habe, bis die mich aufnimmt. Ich Jobs in Deutschland gesucht, Vaters Auto auf mich angemeldet habe und ... und. Jahre scheinen dazwischen zu liegen zwischen dem Fehlkauf des zu süßen Shakaree - Eis oder wie immer es heißt und meinem neuerlichen Griff in die Eiskiste. Sind aber wirklich erst ein paar Wochen, wenn man es im Kalender nachschlägt. Wie es nun aber weiter geht weiß ich nicht. Meine Mutter mit 86 ist allein im Reihenhaus in Deutschland und es nicht gewohnt, Dinge selbst zu regeln. Ich selbst gehe ungern rückwärts und das Fehlen von wirklicher Arbeit im um Kunden buhlenden taiwanischen Unternehmen lässt mich auch an einer Langzeitperspektive zweifeln. Und wir lange kann mein Mitsubishi daheim ungefahren in der Garage stehen. Und warum lebe ich mit Frau und Junior in unbequemen Einraumwohnungen, wenn ich daheim ein ganzes Haus habe?

Genug Notizen für ein Tagebuch, zu viel für ein Blog. Aber irgendwann soll ja mal ein Buch aus dem Blog werden und dass passt der Informationsgehalt wieder. Und so viele lesen hier eh nicht mehr. Hoffe ich.

Andererseits soll man sich nicht beschweren. Der gestrige Besuch bei einer netten Kollegin (hat zwar taiwantypisch nie mit mir geredet, aber mich immer angelächelt und mich zu Essen mit japanischen Kunden eingeladen, was lecker japanische Steaks und Sake versprach) hat mich gelehrt, dass man sich bei ein paar Problemen nicht beschweren soll. Die Kollegin, deutlich jünger als ich, hat nämlich Krebs und laut Arzt nur noch ein paar Tage zu leben und Frau, Kollegen und ich haben uns gestern tränenreich verabschiedet. Was sind schon die leeren Worte die man sich hätte sagen können gegen den letzten (?) Händedruck unter Tränen.

Ich hoffe auf ein Wunder. Für die Kollegin. Nicht für mich, das wird sich schon irgendwie lösen. So ein Besuch ermahnt einen doch, was die wirklichen Probleme im Leben sind. Auch wenn ich ohne die Hilfe einer sehr guten Freundin in Deutschland mit meiner derzeitigen Lebensplanung voll gestrandet wäre.

So, gleich Mittagszeit. Wieder die abgepackten Plastiknudeln oder lieber einen Plastikburger? Mir läuft schon wieder die Nase dauerhauft inwändig, wie immer in Taiwan. Das ging schon im Flieger los. Was die wohl immer noch ins Essen kippen hier?

Sonntag, Februar 12, 2017

Rückkehr in den November?

Zurück nach Taiwan?

Große Konfusion im Hause Ludigel. Meine Frau hat ihren Traum, Restaurantchefin in Manila auf den Philippinen zu sein einstweilen aufgegeben und ist mit Junior (5) zurück nach Taipei gegangen und wird dem Ruf unseres letzten Arbeitgebers dort folgen, wieder im alten Cubical die Linux-Programmierung zu übernehmen. Das Restaurant ist an die Manilafamilie deligiert. Entweder die Firma oder auch meine Frau oder beide setzen mir immer wieder neue Fristen, bis wann ich meinen Ex-Expat-Hintern wieder in meinen Cubical schieben soll. Angeblich funkt noch die Personalabteilung dazwischen, die immer wieder neue Regeln aufstellt, wie mit vom System unfassbaren Leuten wie mir zu verfahren ist. Also halb oder dreiviertel rückgewanderten Expats mit Elternteil daheim im exotischen Europa, das Hilfe benötigt.
So hängt der Haussegen derzeit wiedermal sehr schief. Gerne würde ich dem Ruf von Frau und Firma folgen und wieder nach Taipei reisen, jedoch stellt sich das Problem, dass meine 86jährige Mutter schwerlich mit dem Haus zurecht kommt, in dem sie (wir) seit dem Tod meines Vaters im Dezember leben. Ein Umsiedeln meiner alten Mutter in das schwül-versmogte Taipei möchte ich nicht mal annähernd in Erwägung ziehen, auch nicht, weil sie nicht den "Treppentest" besteht. Der "Treppentest" für Flugreisen sieht so aus, dass man nur dann eine Flugreise machen soll, wenn man ohne Atemnot eine Treppe hoch gehen kann. Und das kann meine Mutter nicht besonders gut. Lieber mit dem Treppenlift. Man wird halt nich jünger.

Was würden Sie tun, lieber Leser? Zurück zu Taiwanjob, Junior und Frau und Mutter allein zurecht komme lassen? Oder lieber versuchen eine neue Existenz in Deutschland aufzubauen - auch wegen meiner letzten gesundheitlichen Probleme in Taiwan interessant?

Gerne würde ich hin und her beamen. Aber Physiker arbeiten ja alle als Softwareentwickler und erfinden nie etwas vernünftiges.

Freitag, Februar 10, 2017

Don Ludigel (ohne Esel und Lanze) und die Krankenkasse (Update)

Superschlau sind die Beratungsseiten-Autoren im Internet. Man ist aus vorher gesetzlich versicherter Auslandsrückkehrer sofort wieder in der gesetzlichen Krankenkasse. Wie es in der Praxis geht, sieht man unten (ich war im Feb. 2004 zu letzt gesetzl. krankenversicherter Angestellter in Deutschland).

1. Versuch: 08.02.: Da die Tage meine offizielle Beschäftigung in Taiwan abläuft, habe ich schon mal bei der AOK vorbei geschaut um mich anzumelden. Da bin ich allerdings in meiner Zeit in Deutschland zu Gunsten einer nicht mehr existierenden offenen BKK ausgetreten. Die freundliche Dame am Schalter der AOK Hannover am Bahnhofsplatz erklärt mir aber, ich könne so nicht mehr in die gesetzliche Krankenversicherung. "Es sieht schlecht aus mit der gesetzlichen Krankenkasse für Sie." Ich müsse mich privat versichern. Sie wies auch auf die Krankeversicherungspflicht hin. Nun, ich denke, das würde 1000 Euro im Monat kosten mit meinen 50 jugendhaften Lenzen, die ich auf die Zeitwaage bringe. Und ich will natürlich auch in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben. Die Dame sagte noch, wenn ich mich arbeitslos melde, käme ich aber rein in die gesetzliche Krankenversicherung.


2. Versuch: 10.02 bei der Arbeitsagentur in meinem Heimatort. Die sehr nette Dame sagte mir, ich würde als Auslandsrückkehrer keine Leistungen der Arbeitsagentur bekommen. Das wusste ich soweit, denn wenn man 2 Jahre nicht in die deutsche Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, bekommt man kein Arbeitslosengeld I. Sie schlug mir Arbeitslosengeld II vor, aber wir waren uns beide einig, dass das wegen Privatvermögen aussichtslos ist. Was ich nicht wusste: Im Gegensatz zu den Infos auf den einschlägigen Auslandsrückkehrer-Beratungsseiten im Internet zahlt die Arbeitsagentur auch KEINE KRANKENKASSEN-BEITRÄGE für mich. Wieder der Hinweis auf private Versicherung (brrrrrr). Die Dame erklärte, sie sei natürlich keine Krankenkassenexpertin aber sie würde denken, ich könne mich freiwillig krankenversichern. Das stünde allerdings im Widerspruch zu meiner Kenntnis der Rechtslage, dass ich als vorher in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) befindlich eine Krankenversicherungspflicht habe. Kann man gleichzeitg eine Pflicht zur Versicherung haben und sich dann FREIWILLIG versichern? Ist eigentlich ein Widerspruch. So weit ich weiß kommt die freiwillige Versicherung nur für Freiberufler etc. in Frage. Oder gibt es so etwas: sich unfreiwillig (weil pflichtgemäß) freiwllig versichern zu müssen? Das wäre ein herrlicher Schildbürgerstreich, den sich der deutsche Gesetzgeber da erlaubt hat. Schmunzelnd vor Vergnügen mache ich mich jetzt gleich zur AOK Hannover auf und habe schon im Kopf, dass eine nette ehemalige Mitspielerin meiner alten Fantasy-Rollenspielgruppe mittlerweile ihr Jurastudium fertig hat und über eine eigene Anwaltspraxis auch für Sozialrecht verfügt.
Kampfwürfel wieder raus, diesmal heißt das Monster GKV und schlägt vielleicht sogar einen geflügelten Basiliken an Fürchterlichkeit.

Eigentlich gibt es die Regel, dass einen die letzte gesetzliche Krankenversicherung wieder nehmen muss bzw. deren Rechtsnachfolger. Aber das gilt nur bis zu 5 Jahre, sagte die Dame bei der Arbeitsagentur. Da bin ich auch drüber über die Frist. Noch schwieriger würde es -allerdings laut Internet- mit 55 Jahren Alter - da gibt es wieder irgendeine Grenze, dass einen die GKV da nicht  mehr nehmen muss. Fallstricke hat der Gesetzgeber da viele für usn Auslandsrückkehrer. Ein weiterer wenig bekannter Fallstrick ist, dass man, wenn man mit Vorerkrankung zurück in die GKV wollte, die Krankenkasse die Behandlung der Vorerkrankung verweigern kann. Weil das als "Missbrauch der GKV" gilt, weil man quasi nur zum Behandlungszweck in die deutsche GKV zurück wollte. Eine Krankheit liegt bei mir aber erfreulicherweise nicht vor.

Oder ich melde gleich, dass ich erfolgreich freiwillig pflichtversichert bin. Bis zum Update.

Ach, wie einfach war es da in Taiwan mit der National Health Insurance.

 3. Versuch 10.02. bei AOK Zentrale in Hannover. Wieder bin ich sehr freundlich über die Krankenversicherungspflicht belehrt worden, aber gleichzeitig wieder abgelehnt worden. Freundlich, aber bestimmt. Es ist wohl so wie bei Homer Simpson, wenn der ein riesiges Wohnmobil kaufen will. Auf dem Bildschirm geht die rote Warnlampe und Sirene an, so wie man "Auslandsrückkehrer" sagt. Die denken bestimmt, man hat Krätze, Lepra, Krebs und 100 Viren in sich. Dabei hat mich der Leprakranke in dem düsteren Fussgängerüberweg in Hyderabad nur einmal am Arm angefasst, ich schwöre es. Trotzdem war das Gespräch mit dem grünen Krankenversicherungswesen (gemeint ist die AOK mit Farbe Grün, nicht die nette Dame dort) sehr informativ, denn die Dame meinte, es gebe KEINE 5-Jahresregel, nach der ich als Auslandsrückkehrer abgelehnt werden könnte selbst von meiner letzten Krankenkasse. Und die letzte Krankenkasse bei mir war offenbar doch nicht die AOK wie ich dachte sondern die Sancura BKK aus Darmstadt und ergo muss ich mich an deren Rechtsnachfolgerin wenden. Das ist die DAK; die die Sancura über mehrere Zwischenschritte verschluckt hat. Und die darf sich wohl auf meine Mitgliedschaft freuen, sofern ich nicht doch zwischenzeitlich genervt wieder nach Taiwan abhaue. Aber Vorsicht, wenn ich einmal 55 bin, geht es wohl gar nicht mehr zurück in GKV Deutschlands, weil mich dann angeblich - laut Internetseiten - selbst meine letzte gesetzliche Kasse ablehnen kann.

Meine Mutter meinte scherzhaft, ich könne ja Asyl beantragen, um in die GKV zu kommen. Auch keine schlechte Idee. Alternativ muss ich mich vielleicht attraktiver machen. Etwa mit Schweißband joggend in die Geschäftsstelle der KV laufen, während des Gesprächs auf den Herzschrittzähler (nicht -macher) am Handgelenk gucken und laut ausrufen: "schon wieder Bestwerte: Wow!) und dann die Dame bitten etwas schneller zu machen, "weil mein Tennispartner schon wartet". Dann noch unschuldig fragen, ob sie die Webseitenadresse kennt um sich zum olympischen Zehnkampf anzumelden. Dann klappt es auch mit der AOK. Die ja angeblich jeden nimmt.

Komischer Effekt: Immer wieder über die deutsche Krankenverischerungspflicht belehrt zu werden, gleichzeitig aber die Ablehnung zu bekommen. "Es herrscht Trinkpflicht", sagte der Beduine zum Verdurstenden in der Wüste. Und stieg aufs Kamel und ritt fort.

Und langsam brauche ich die Ablehnungen mal schriftlich, diese mündlichen sind bequem für die AOK, aber wenig hilfreich für mich.

Also auf zur DAK. Hat die nicht Schwerter und Schild als Kassensymbol, jedenfalls früher mal? Da kommt man bestimmt nicht so einfach rein....

4. Versuch DAK: Die DAK scheint mich zu nehmen, sie müssen wohl, weil eben Rechtsnachfolger meiner letzten gesetzlichen KV in Deutschland.
Interessant: Es gibt wirklich eine Altersgrenze von 55 Jahren. Wer davor nicht in der gesetzlichen KV in Deutschland ist und dann zurück will, kommt nicht mehr zurück! Jedenfalls nicht wenn die Lücke hinreichend groß ist wie bei mir. Auslandsrückkehrer sollten sich also bis spätestens zum 54. Lebensjahr deutlich vor dem 55. Geburtstag wieder in Deutschland bei einer gesetzlichen KV anmelden (bei ihrer letzten bzw, dem Rechtsnachfolger), damit sie im GKV-System bleiben. Der nette Herr von der DAK hat sogar das Vorgehen abgenickt, sich in Deutschland wieder anzumelden und dann zu versichern, selbst wenn man dann weiter im Ausland arbeitet.
Wer mit 55 ohne entsprechende Vorversicherungszeit zurück kommt, dem bleibt nur die private KV.


Zusammenfassung
 
Folgende Firsten haben Auswanderer oder Rückkehrer zu beachten:

2 Jahre: Wer zwei Jahre keine Beiträge in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, erhält bei Rückkehr keine finanziellen Leistungen vom Arbeitsamt. Weder Arbeitslosengeld noch Krankenversicherungsbeitrag. Und irgendwie "automatisch gesetzlich krankenversichert" ist man sowieso nicht (liest man immer wieder auf Ratgeberseiten).

55 Lebensjahre: Wer 55 ist und vorher gesetzlich krankenversichert war (evtl. darf kurze Ausfallzeit sein?) kommt trotzdem nicht wieder in die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland zurück. Also unbedingt mit 54 bereits bei der GKV wieder anmelden!

Und goldene Regel: Die einzige GKV die einen arbeitslosen Auslandsrückkehrer aufnimmt ist die letzte GKV oder der Rechtsnachfolger.