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Montag, Oktober 23, 2017

Was sich selber sagen?

Ein Gedankenspiel

Nehmen wir an es ist wieder der frühe Morgen des 07. Februars im Jahre des Herrn 2004. Ich sitze im Zug von Hannover nach Frankfurt und gucke noch einmal auf mein blaues Plastikhandy, ob da noch irgendwas wichtiges ist. Ach, die nervige Vermieterin, die mir gesagt hat, sie würde sowieso keine Kaution zurückzahlen und mit der ich kein Treffen mehr gemacht habe. Dafür kann sie etwas (wenig) aus der Wohnung entsorgen, gut bezahlt ist es ja. Wollte später noch die Brandflecken von Zigarettenstummeln im alten grauen Teppichboden ersetzt haben. Dabei bin ich Nichtraucher und hatte alles fein säuberlich mit Datum eingeblendet bei Wohnungseinzug dokumentiert. Pech gehabt. Ja, die deutschen Vermieter, insbesondere der Typ forsche ältere Dame.

Was, wenn da eine SMS von einer guten Fee gekommen wäre, die mir kurz eine Botschaft von meinem Ich aus dem Jahre 2017 weitergeleitet hätte? Was würde ich mir selbst sagen wollen?

Ich denke es läuft auf folgende lange SMS hinaus:

a) Nie das Geld nach Taiwan transferieren, weil die werte Gattin um Anno 2015 einen unerklärlichen Drive entwickelt, sich auf den Philippinen (denk an den pfiffigen Barkeeper, den ihre Schwester geheiratet hat!) niederzulassen und da alles Geld zu investieren. Du wirst 2017++ damit zu tun haben, vom Invest zu retten was zu retten ist. Und vieles ist unwiederbringlich weg.

b) Spare Dir die Zeit, die Businessideen der werten Taiwan/Manila-Familie mit gesundem Menschenverstand anreichern zu wollen. Am Ende machen sie doch nur ein Restaurant auf, dass I) wie ein Waschsalon aussieht, II) wie ein Modegeschäft heißt und III) lasches Essen a la Taipei-Italiener hat und eine totale Pleite wird.

c) Mache gute Miene zum idiotischen Spiel, wenn die senil werdende Schwiegermutter stapelweise 1000 NT-Scheine per Notfall um 22 Uhr in den Garagentempel ("Ommmmmmm...!") tragen will und Du sind hinfahren musst. Dein Geschimpfe trägt Dir nur 2 Jahre Generve ein und das Geld haben die Stadtstreicher-Priester eh eingesammelt.

d) Kaufe nie den riesigen schwarzen Volvo. Anschließend wird er eh gleich wieder verkauft (vgl. Punkt a) und die taiwanische Verwandtschaft hat deswegen einen Neid-Feiztanz der (schwierig zu erklären warum) auch zu Punkt a) führen wird.

e) Kaufe Dir vorm Flug noch ein paar Schuhe Deiner Größe. Sonst droht Trombose. Anno 2004 haben die Taiwanitonkis ("Taiwanesen" darf man sie ab 2010 nicht mehr nennen) noch so kleine Füße, dass Du nur bis Größe 44 kriegst.

f) Reiße gleich die Schublade unter der Platte des viel zu kleinen Schreibtisches raus. Wie gesagt, die Taiwanukken sind Anno 2004 noch recht klein. Sonst Trombose!

g) Bock auf ein Jahr Hautkrankheiten wegen Dreck, Kot, toter Ratten und Siff im Treppenhaus und Müll zwischen den Häuserreihen? Dann bleib im Zug. Änderst sich mit der Seuche "SARS" in ein paar Jahren, wenn die Taiwanowuppties sauberer werden.

h) Kriegst einen tollen Sohn, kichernde und bisweilen gierige Verwandte, die sich Dir um 5000 Jahre Kultur überlegen fühlen.

i) Die Notbremse ist das rote Ding da rechts oben.

Freitag, Oktober 20, 2017

Taiwanische Theorien (Doppelte Staatsbürgerschaft, Kindergeld...)

Unlängst hatte meine Frau Kontakt in einem Forum zu einer Taiwanerin, die irgendwie mit Deutschland verbandelt ist. Ihre Theorien, welche Vorteile man hinsichtlich Kindergeld, Staatsbürgerschaft und Schulgeld erlangen können veranlassten mich zu neuerlicher Recherche. Hier Theorie und Tatsachen gegenübergestellt. Wer besseres weiß, ist natürlich aufgerufen, dass in den Kommentaren anzugeben, danke.

These 1: Man kann immer Kindergeld in Deutschland bekommen, auch wenn man dort gar nicht lebt.

Tatsachen laut meiner Recherche: Jein. Um in Deutschland Kindergeld für ein nicht in Deutschland wohnhaftes (nicht dort gemeldetes) Kind zu bekommen, muss das Kind meines Wissens nach im Ausland eine gemeinsame Wohnung mit den Eltern bewohnen und ein Elternteil in Deutschland steuerpflichtig sein ODER dort gemeldet sein ODER dort seinen Lebensmittelpunkt haben.

Da ich seit 2016 in Deutschland wieder gemeldet und ein paar Monate im Jahr dort bin und mit Junior und Frau sonst in Taiwan lebe, besteht also die Möglichkeit von Kindergeld, auch wenn ich mir nicht sicher bin. Ich hatte den Antrag ohnehin schon länger liegen und habe ihn nun mit wahrheitsgemäßen Angaben ausgefüllt. Gemeint ist hier nicht dem Amt vorzutäuschen, Junior würde in Deutschland leben. Auslandsdeutsche machen so etwas öfter mal, ich aber nicht.

These 2: Als Taiwaner(in) kann man immer auch die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten, obwohl man die taiwanische behält.

Tatsachen laut meiner Recherche: Nein mit Tendenz zum Jein. Grundsätzlich verlangt die Bundesrepublik Deutschland von einem (etwa durch Heirat/Zuzug und langes Leben im Land) die deutsche Staatsbürgerschaft annehmenden Ausländer die Aufgabe der alten Staatsbürgerschaft. Auch wenn die Republik China alias Taiwan nicht offiziell diplomatisch anerkannt wird, ändert das nichts an diesem Umstand. Allerdings gibt es Fälle, wo die doppelte Staatsbürgerschaft erlaubt ist. Sowieso bei Nachkommen von Deutschen und Ausländern ab Geburt, siehe hier im Blog. Und abgesehen davon in Fällen, indem dem Ausländer (a) bei Aufgabe seiner alten Staatsbürgerschaft unzumutbare Nachteile drohen oder (b) der alte Staat nicht kooperativ ist und die Aufgabe der alten Staatsbürgerschaft verweigert oder bis (mindestens?) zwei Jahre hintertreibt. Ausdrücklich meint Fall (a) NICHT die normalen Nacheile einer Staatsbürgerschaftsaufgabe, etwa nicht mehr wählen zu können.

Ich denke nicht, dass (a) oder (b) auf Taiwan zutreffen. Man könnte aber sicher einen Fall konstruieren, bei dem die Beibehaltung der taiwanischen (R.O.C.) Staatsbürgerschaft erlaubt würde, etwa wenn ein patriotischer Vater der Tochter bei Aufgabe der Staatsbürgerschaft mit Enterbung drohen würde. Das ist von mir spekuliert.

UPDATE: Siehe Kommentare: Taiwan diskriminiert Ausländer bei einigen Regelungen, etwa der Beamtenrente (hier bekommen Ausländer nur geringe Einmalzahlung statt monatl. Rente). Das wäre dann sicher ein gravierender Nachteil, dass man auch die R.O.C. (Taiwan)-Staatsbürgerschaft behalten könnte.
Sollte der taiwanische Staat eigenen Staatsbürgern tatsächlich die R.O.C.-Staatsbürgerschaft automatisch zurückgeben, wenn sie diese zur Erlangung der deutschen oder einer anderen abgelegt haben, dann könnten sie auch nach deutschem Recht beide behalten. Nur wenn diese neu beantragt werden müsste nicht.

These 3: Der deutsche Staats erstattet das (horrende) Schulgeld für die deutschen Auslandsschulen.

Tatsachen laut meiner Recherche: Absolut nicht. Wer da einen Kniff kennt, teilt ihn mir bitte mit und bereitet sich auf ein Geschenkpaket von Ludigel per Post vor.

Donnerstag, Oktober 19, 2017

Heimatnotizen

Kurz vor dem nächsten Deutschlandaufenthalt Zeit für ein Resumee

Ich gebe zu, kaum etwas hatte mich in der letzten Zeit so beschäftigt, wie Merkels Flüchtlingspolitik. Voller Sorge, wie diverse brotlose männliche Zugezogene die Kriminalitätsrate beeinflussen würden, gerade in Hinsicht meiner alten Mutter, die allein im Reihenhaus sitzt - habe ich mich vor zwei Jahren oder so zum Googeln einschlägiger Stichworte hinreißen lassen. Mit "Refugees Kriminalität" oder dergleichen landete ich bald auf Facebookgruppen, Webseiten und in Foren, die das Bild eines von arabischen und afrikanischen Ausländern belagerten Deutschlands kolportierten, wo man sich vor lauter Kriminalität kaum noch auf die Straße trauen konnte. Damals liebäugelte ich mit der Wahl der damals noch gemäßigten AfD (vor dem Auftrumpfen von Herrenmensch Höcke und der Dominanz von Herrn GAUland).

Dann die Verblüffung bei einem Kurztrip nach Deutschland. Ruhige niedersächsische Kleinstadtstraßen wie immer, von ausländisch aussehenden Leuten weit und breit keine Spur. Die erste Frau, die ich mit Kopftuch sehe ist eine (katholische) Nonne.

Alles im gelben Bereich, kein Grund mit einer Flappe durch die Heimat zu laufen*

Doch wie war es nun bei zwei längeren Aufenthalten in Deutschland? In Stichworten.

- Wie immer hohe Ausländerdichte der osteuropäischen und türkischen Variante im Stadtzentrum der Kleinstadt, wo viele plattenbauähnlichen Wohngebiete liegen. Unverändert. Hier habe ich mich früher schon mal auf Englisch bei meiner Frau beschwert, dass man kaum noch Deutsch bei C&A hört ;-)

- In den ruhigen obere Mittelklasse-Wohnstraßen unseren Reihenhauses sind die ersten arabisch aussehenden Leute zu sehen. Ein Novum. Aber sicher nichts negatives. Eine hübsche junge Frau hat ein wehendes lila Kopftuch elegant um den Kopf geschlungen. Nett.
Im Zentrum mittlerweile viele Kopftücher bei den Damen. Wäre es ein normaler und nicht soziologisch-patriarchalisch induzierter Trend würde ich sagen: Mal was neues, aber designmäßig können die Damen von der erwähnten jungen Frau mit dem lila Kopftuch lernen. Mir bleibt ein leicht unangenehmes Gefühl im Hinterkopf, denn hier ist mehr sozialer und religiöser Druck die Schubkraft des neuen "Trends" und nicht etwa das Modegefühl der (oft neubürgerischen?) Damen.

- Die Lokalzeitung weiß in der letzten Zeit von einigen Verbrechen zu berichten, die es so früher nicht gab. Nicht missverstehen, Überfälle zu nächtlichen Zeiten gab es auch früher schon in der Kleinstadt. Aber jetzt lese ich von einem von mehreren südländisch aussehenden Herren ausgeraubten Teenager auf dem Fahrrad im Naturschutzgebiet schon bei Sonnenuntergang. Ein Überfall auf dem Garagenhof nahe Zentrum schon um 20 Uhr und zu gleicher Tageszeit ein Messerangriff an der Stadtbahnhaltestelle. Und noch mehr Meldungen der Art, allerdings auf einem Zeitraum von 2 Jahren verteilt, das gebe ich gerne zu.

- Treffen bei einem alten Studienfreund. Seine Frau und er empfehlen dem leicht angetrunkenen Ludigel, der natürlich sein Auto stehen lässt, nicht wie früher einfach die 2 Kilometer zu Fuß nach Hause zu gehen, sondern lieber ein Taxi zu nehmen. Sie erwähnen die Leiche, die man vor einem Jahr oder so vorm Asylsuchendenheim gefunden hat, schon monatelang im Gebüsch vermodernd, bis heute unidentifiziert. Und sagen, man ginge halt seit dem Beginn der Flüchtlingswelle nicht mehr abends einfach so raus. Auch ihre Bekannten würden jetzt immer lieber ein Taxi rufen. Ich verzichte auf den bei mir schon liebgewonnen Abendspaziergang nach Haus, der über mein altes Schulgelände geführt hatte.

- Bei einem Grillabend lerne ich den ersten "Flüchtling" persönlich kennen. Er ist ein netter junger Mann und die Anführungszeichen verwende ich nur, weil er als Marokkaner natürlich nicht vor Krieg geflüchtet ist, sondern eben eine Chance in Deutschland sucht. Er ist mit einer Deutschen zusammen und ist ein weltläufiger gebildeter junger Mann, der sicher ein Gewinn für das Land ist. Ich wünsche ihm, dass er bleiben kann und denke wieder einmal, dass wir eigentlich ein Einwanderungsgesetz bräuchten, um weniger Messerstecher (vgl. den Toten vorm Asylsuchendenheim) und mehr Leute wie ihn zu kriegen.

Soweit die Notizen. In früheren Blogjahren wäre jetzt die PC-Korrektheitstruppe über mich her gefallen und ich hätte am Ende noch tagelang Facebook-Bombs zu dem Thema bekommen und alle hätten wieder "Nazi" geschrien. Ruhig wie das Blog geworden ist, wird es wohl unkommentiert bleiben ;-) Gegen vernünftige Diskussion wäre natürlich nichts einzuwenden.

* Bild aus dem hannoverschen Zoo

Dienstag, Oktober 17, 2017

Finanzielles Aufräumen

Ludigel kehrt mit eisernem Besen

Für das Jahr 2018 und ab sofort habe ich eine grundlegende Sanierung sämtlicher Finanzen auf den Stundenplan geschrieben. Sowohl bei meinem eigenen Geld wie bei dem meiner Eltern, das ich nach dem Tode meines Vaters nun verwalte. Es ist verblüffend wie viel Unsinn die Leute mit dem Geld anstellen.

Die Commerzbank hatte das Geld meiner Eltern in einer Vermögensverwaltung, allerdings hatte der Crash 2008 etwa 1/3 aller Werte vernichtet. Ich war nun davon ausgegangen, dass die diversen Erholungen in den letzten Jahren da wieder etwas zurück gebracht hätten. Doch Fehlanzeige. Die Commerzbank hatte das Geld so "geschickt" verwaltet, dass gute Fonds entweder nur mit Minisummen vorkamen - oder aber schlechte Fonds wie ein Horror-Rohstoffpapier immer wieder jedwede Gewinne kompensierten. Durch sonstigen Nullzins hatten meine Eltern daher bereits die Hälfte ihres Kapitals aufgebraucht. Toll auch eine Beteiligung an einem geschlossenen Immobilienfonds, der zum Ziel hatte, der Telekom eine neue Zentrale in Darmstadt zu bauen. Das Vorhaben gelang auch, allerdings hat sich der Fonds zwischenzeitlich in eine AG gewandelt, die dann wiederum komplett pleite ging, so dass gerade um die 2% der Kapitals nach Insolvenz zurück flossen. Es ist eines der Mysterien des Kapitalismus, dass die Telekom trotzdem die Zentrale bewohnt und die Geldgeber aber ihr Geld los sind. Das hat schon etwas magisches.

Gute Beratung also von der Commerzbank. Dort hat man offenbar die Lebenserwartung meiner Eltern prognostiziert und dann das Kapital so unmöglich angelegt, dass es sich bis zum max. Lebensalter auf Null reduziert hätte. Die aktuelle Beraterin konnte es auf den mittlerweile nicht mehr vorhandenen Vorgänger schieben. Sicher nicht ihre Schuld. Aber mit der Subventionierung der Commerzbank versuche ich nun Schluss zu machen. Den Horror-Rohstofffonds habe ich mit 30% Verlust im Depot verkauft und derzeit trenne ich mich von all den stagnierenden Fonds. Bei der unsicheren Lage mit Koreakriegsgefahr (vgl. Nachrichten) ist einfach Geld auf dem Konto das sicherste. Evtl. gehe ich später wieder in die besseren Fonds. Also genau die, die im Depot nur mit Minisummen vorhanden waren.

Als ehemals selbständiger Handwerksmeister hatte mein Vater ja kaum Rente und meine Eltern mussten vom Angesparten leben. Offensichtlich hat die Commerzbank da ein Potential für sich gesehen.

Die zweite Baustelle sind meine eigenen Finanzen. Hier muss man wissen, dass meine Frau eine sehr gute Managerin in Sachen ihres computerbezogenen Berufes ist und weil sie den starken Drang hatte, unsere Finanzen zu verwalten, habe ich dem Stück für Stück in der Vergangenheit nachgegeben. Ergebnis war die schon mehrfach im Blog erwähnte Kooperation mit dem Manila-Familienzweig, die praktisch alle privaten Aktiva aufgesogen hat, u.a. durch den Kauf von Immobilien und sonstigem. Hier weht nun auch ein komplett anderer Wind. Ich liquidiere dort was noch zu liquidieren ist. Auf das Stichwort Manila reagiere ich wie einst Steve Martin in diesem Film, wo er einen Irren spielt, der bei Erwähnung des Wortes "Putzfrau" immer Leute würgen will. "Tote tragen keine Karos" heißt der Film glaube ich. Ich würge nicht, ich fluche eher. Ziemlich ausdauernd und laut. Den Toast "Philippine Sunshine" bestelle ich nicht mehr im Firmencafé, ich würde ihn sonst an die Wand werfen.

Freitag, Oktober 06, 2017

Kurzinfo: Invasion Taiwans 2020?

Zur Diskussion gestellt

http://www.dailymail.co.uk/news/article-4944902/China-drawn-secret-plans-invade-Taiwan-2020.html

Ein Blogkommentator hat es einmal treffend beschrieben. Meist sind es die Englisch"lehrer" in Taiwan mit ihrer Oft-Nichtausbildung aus dem angelsächsischen Sprachraum, die solche Gedanken hegen. Wenn die Haare grau werden, die Gehälter runter und man nicht mehr dem jugendlichen Image der English Teacher für die Kleinen in Happy-Peppy-Spaßsprachschulen in Taiwan entspricht, dann wird die persönliche Sorge vielleicht auf die nationale Lage projiziert und man sieht die chinesischen Truppen schon fast in Taiwan. Hat eh alles keinen Zweck, also noch ein Taiwan Beer.

Oder ist doch was dran an dem Artikel? Tatsächlich verlieren die Chinesen mehr und mehr die Herzen der Taiwaner. Denn die jungen Taiwaner haben meiner Ansicht nach weit weniger mit China am Hut als die Älteren, die mit den Erzählungen von der tollen Heimat der Eltern oder Großeltern groß geworden sind. Also schnell noch eine Invasion, bevor die Taiwaner endgültig zum Ausland werden?


Dienstag, Oktober 03, 2017

Ruhigere Zeiten

Nach großen Trubulenzen in der letzten Zeit ist es wieder ruhiger.

Ende 2016 war eine chaotische Zeit für mich hier in Taiwan angebrochen, die man hier im Blog mitverfolgen konnte. Viele Artikel sind einstweilen wieder gelöscht, das gebe ich gerne zu. In Deutschland erkrankte mein Vater und ich begann böses zu ahnen. Gleichzeitig hatte meine Frau den starken Drang, ihren Wohnsitz nach Manila auf den Philippinen zu verlegen, wo ihre Schwester mit einem lokalen Mann dort ein Geschäft betrieb. Ziel war durch eine soziale und finanzielle Interaktion gemeinsam erfolgreiche Geschäfte zu machen. Ich gebe zu, eine Zeitlang war ich da auch optimistisch. In den Stories über vergangene Geschäfte dort in Manila taucht immer wieder ein Kontrollverlust in der ein oder anderen Form auf. Und welcher Teutone schmeichelt sich nicht selbst der Organisiertheit und Planungsfreudigkeit? Schnell merkte ich aber, dass ich dort gar nichts kontrollieren konnte. Wenn die sehr intelligenten und geschäftstüchtigen Taiwaner und Sino-Philippinos mit ihrer intimen Kenntnis der lokalen Businesswelt aufeinander treffen braucht man keinen Deutschen, auf dessen Ideen man hört. So strebten wir eine Weile auseinander, Junior und Frau lebten in Manila und ich wieder in Niedersachsen; auch eben als Nachlassverwalter. Das war für uns eine sehr aufreibende Zeit.

Nun hat sich das Kapitel Manila wohl mittlerweile erledigt und meine Frau und ich fanden den Kompromiss, einstweilen wieder in Taipei zu leben. Auto viel kleiner (245 auf 99 PS), Wohnung kleiner aber schicker (möbliert, weil aller Hausrat weggeschmissen oder verschenkt) und fast alles ist wieder beim alten. Ich versuche, in Manila getätigtes Investment zurück zu rollen. Ich nenne Manila gerne die "Geißel meiner mittleren Lebensjahre" und ein Ende ist nicht abzusehen.

Nun genieße ich einstweilen die Normalität. Die Todesschwadronen in Manila und ihr Echo in der Weltpresse lösen bei mir nur noch den wohligen Schauer aus, mich damit nicht mehr beschäftigen zu müssen. Obwohl das dort immer noch gebundene Kapital sicher mit jedem Quentchen Chaos etwas weniger wird. Aber gedanklich habe ich das alles schon längst abgeschrieben. "Zwang zur Jugendlichkeit" könnte man es nennen. Passives Alter mit Aufbrauchen des Angesparten kann ich mir schlichtweg nicht leisten.

Witzige Randnotiz: Als ich nach dem Tode meines Vaters und dem zeitweisen geographischen Verlust von Frau und Kind in Deutschland saß und einem - sehr entfernten - Verwandten mein Leid bei dem ein oder anderen Bier* zu viel klagte, wie sehr die Philippinos den ludigelschen Wohlstand strapaziert hatten - da nutzte der entfernte Verwandte die Gelegenheit und verschwand mit der ein oder anderen Armbanduhr aus meiner Sammlung. Eine witzige Randnotiz die auch eine Lebenslektion beinhaltet, nämlich in Sachen Verwandtschaft nicht auf Nationalität oder Geographie zu achten. Der junge Mann eines liebgewonnen Familienflügels hat viel durchgemacht im Leben, so wurde mir gesagt. Na ja, vielleicht helfen da vier Armbanduhren. Eine an jedem Fuß- und Handgelenk liefert vielleicht die nötige Zerstreuung. Und immerhin beschert er mir ein neues Hobby. Ich schicke ihm alle paar Wochen eine Zahlungserinnerung in sarkastischer Form (er hat sie mit meinem Einverständnis mitgenommen und wollte das Geld überweisen) und er antwortet dann immer mit gar schrecklich dramatischen Geschichten, warum er wieder nicht zur Überweisung gekommen ist. Oder reagiert putzig beleidigt. Beides amüsiert mich so, dass es schon das reinste Hobby geworden ist. Ich hoffe, nicht alle der Geschichten sind wahr. Aber ich ertappe mich dabei, immer wieder auf seine neuste Erzählung zu warten. Ich werde ihm gleich noch mal eine Zahlungserinnerung mit Seitenhieb auf seine beteuerte Ehrenhaftigkeit schicken. Wenigstens ein bisschen Spaß will ich für mein Geld haben.

Wenn ich einst im hohen Alter mit Geld von meinem Verwandten und dem manilesischen Invest überhäuft werde - dann muss ich diesen Artikel schnell wieder löschen.

So, jetzt wird es aber Zeit für die neueste Geschichte aus dem fernen Deutschland ;-)


* und alles was sich noch im Keller finden ließ. Inklusive massenhaft Überbleibsel von 80er-Jahres-Feten



Montag, September 25, 2017

Kicher, ein Ausländerkind (Taiwaner im Stalkingmode)

Manchmal kriegt man einfach zu viel Aufmerksamkeit

Als ich im Jahre des Herrn 2004 auf die Insel Formosa aka Taiwan kam, waren wir Ausländer noch eine richtige Attraktion. Fast überall wurde man angestarrt. Sogar in Taipei blieben manchmal Gruppen von Leuten stehen und einer davon zeigte aufgeregt auf meine Wenigkeit und alle gafften, nicht selten mit offen stehendem Mund. "Waiguoren" (Ausländer) oder "Laowai" (etwa: Ausländerhäuptling) oder "Adogah" (gespr. Adoah*, etwa: Langnase) hörte man allenthalben. Man(n) genoss es vielleicht, wenn einem die taiwantypisch miniberockten jungen Frauen hinterher starrten, aber man fand es merkwürdig, Komplimente von Männern zu bekommen, die einen dann auch noch antaschten. Es war bizarr, wenn mein deutscher Wohlstandsbauch von einer ganzen Gruppe von Kolleginnen und Kollegen in der taiwanischen Firma als super-groß wie der von Bud Spencer bezeichnet wurde, während weitaus dickere Kollegen mit Faßbauch daneben standen und sich mit freuten.
Es war nervig aber üblich, wenn solche anfängliche echte oder schon feixende Freundlichkeit in Dauerstalking und bully-haftes Verhalten überging. Wenn etwa der freundliche Kantinenmensch in der dritten Woche mit dem Finger auf mich zeigte und auf taiwanisch etwas davon erzählte, er könne mir "helfen eine Frau zu finden und zum Tee einzuladen". Wohlgemerkt nicht zu mir redete sondern zu allen anderen Kollegen in der Schlange, von der ich keine Sau kannte und die mich alle rotköpfig auslachten.
Es war nervig, wenn das anfänglich freundlich-neugierige Kantinenpersonal alsbald immer bei mir etwas zu meckern hatte (Desert-tropft, Teller zu voll), während Taiwaner unbeachtet mit sich biegenden Tellern und tropfenden Deserts von Dannen zogen. Die Kantine wurde zum Spießrutenlauf; heute gehe ich nicht mehr hin. Der mit dem "Tee" wurde gefeuert, nachdem ich ihn auch vor allen Kollegen anranzte. Oder versetzt. Spaß gemacht hat mir das alles nicht.

 Dies und folgende: 737-Lane NeiHu, Taipei

Dafür kamen kurzberockte Kolleginnen in den Cubical, fütterten mich mit Keksen und warfen manchmal ihren Minirock hoch, wenn sie nach privaten Deutschstunden fragten. Die eine hatte einen Kussmund auf dem Slip an der entsprechenden Stelle, die andere ein Herz und Love. Hatte alles seine zwei Seiten. Mit Frau eine Reihe hinter mir war dann einmal der Arbeitstag vorschnell zu Ende nach dem Rockflug.

So gab es überall Licht und Schatten, halb offen aggressiv nur in einem Diner, der von Festlandchinesen betrieben wurde und die mich als Kunden gar nicht wollten, obwohl meine Frau immer die leckeren Nudeln von ausgerechnet da wollte. Man wurde entweder glorifiziert (was schnell ins Verkaspern überging) oder mindestens ein bisschen verachtet. Normal angesehen wurde man eigentlich nie. Die Presse war immer voll mit Stories von bösen Ausländern, die entweder ihren Hund gegen einen Busch in einer Straße pinkeln ließen (Skandal! TV-Bericht!) oder Verkehrsunfälle hatte (die bis heute nicht beendete Story um Zain Dean - monatelang TV-Hit Nr. 1).



Um 2010 herum wurde es dann ruhiger. Meine Theorie ist, dass die Taiwaner anfangs uns "weiße" Ausländer "ganz doll lieb" hatten und dachten, wir seinen halt Clowns zu ihrer Belustigung und irgendwie doof-drollig. Während sie uns aber nach jedem "Skandalbericht" in der Presse ein bisschen weniger lieb hatten. Und so hat man seit ein paar Jahren eigentlich seine Ruhe in Taiwan und wird normal behandelt. Oder haben sie nur aufgehört zu lächeln und hassen einen jetzt insgeheim? Ich weiß es nicht. Wenn ich heute irgendwo lang schlappe, gibt es kein "Hello" und "Can you teach my kids English?" mehr. Ich werde einfach nicht beachtet und gelegentlich gibt es einen bösen Blick habe ich so das Gefühl. Aber relativ selten. Wie sind die Erfahrungen von anderen? Das würde mich interessieren.

 (früher hätten sie mich angeguckt und gekichert ;-)

Anlass ist der sonnabenddliche Besuch auf der vollen 737-Lane. Zwei etwa 16 Jährige standen neben uns an der Fressbude. Sie zeigten laufend zu meinem kleinen Sohn (6) herüber und tuschelten und kicherten. Besonders freundlich wirkte das nicht. Dann äfften sie meine Frau nach, als diese "let's go" sagte. Dackelten uns grob hinterher, immer auf meinen Sohn zeigend und kichernd. Meine gesteigert bösen Blicke veranlassten beide Jungmänner zum kurzzeitigen Abdrehen und sofortigen Weggucken, nur um dann weiter zu machen, wenn sie sich unbeobachtet fühlten. Taiwaner können bis zum Exzess passiv-aggressiv sein und dies über Wochen und Monate durchhalten, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Offen konfrontativ sind sie nie, hängen aber an einem wie die Kletten wenn man es zulässt. Auf "weiche" Signale reagieren sie nie, nur auf kurzzeitiges "Ausflippen" meinerseits. Das habe ich schon richtiggehend einstudiert, um sie damit zu vertreiben - musste es aber schon seit Jahren nicht mehr benutzen. Das war jedenfalls das einzige das wirkt. Untereinander reagieren Taiwaner auch auf kleinste Signale des Missfallens habe ich das Gefühl, um den gefürchteten Gesichtsverlust zu vermeiden. Aber bei Ausländern haben sie "Gesicht gewinnen" im Kopf. Darunter versteht man sich auf Kosten eines anderen vor der eigenen In-Group zu profilieren. Bislang hat sich noch jeder Taiwaner, mit dem ich mich auf nähere Sozialkontakte eingelassen habe irgendwann als kleiner Showmaster vor anderen auf meine Kosten profiliert. Und ich stand oder saß in einer Traube voller rotköpfiger und kichernder Taiwaner. Oder sie heißen mich an meinem langjährigen Arbeitsplatz willkommen, obwohl sie gerade erst angefangen haben bei der Firma oder ähnliches Zeug.

Ich habe offen gestanden einen Sozialkontaktbann erlassen um peinliche Situationen zu vermeiden. Obwohl ich dachte, heute bräuchte man so etwas nicht mehr, weil man eher als Normalo angesehen wird. Aber das Erlebnis vom Wochenende lässt mich zweifeln. Na gut, Zeit habe ich für kichernde oder nicht kichernde Taiwaner eh keine mit Sohn und Job.

Frau hat das Problem gelöst. Sich zwischen Sohn, mich und die beiden Jungs gestellt und sie angeguckt. Sofort war Ruhe. Wie gesagt, auf die schwachen Signale von anderen Taiwanern (aka "richtige Menschen") reagieren sie sofort.

Hauptsache Ruhe. Meine oberste Maxime. Und deswegen eben auch ein taiwanerfreier Freundeskreis - will sagen eigentlich gar keiner in Taiwan. Aber Ruhe ist eben auch so ein wertvolles Gut in so einer hektischen Stadt wie Taipei.




* Bedeutung hier umstritten: entweder aus dem japanischen stammend und ursprünglich "A-dog" bedeutend und als pseudoenglisches Schimpfwort für Weiße verwendet oder eben aus dem Taiwanisch/Hoklo kommend und "große Nase" bedeutend. Oft einfach als Hoklo-Wort für Ausländer verwendet


Quintessenz: Heute wird man meist in Ruhe gelassen, normal behandelt oder eben ignoriert. Früher war man eher Star oder Clown für die Taiwaner. 

Donnerstag, September 21, 2017

Für Auslandsdeutsche: Briefe vom Rechner aus verschicken (Update)

Nun sagen Sie nicht, "Post vom Rechner aus verschicken" gibt es schon seit den 90ern auch für Privatleute, nennt sich Email. Was ich meine ist, einen guten alten Papierbrief von Deutschland aus zu versenden. Praktisch wäre das insbesondere deswegen, weil ich über das Startup "Digitalkasten.de" meine Post, sofern sie wirklich über die Deutsche Post und nicht etwa private Dienstleister wie Citipost verschickt wird, eben auch im Browser lesen kann. Meine durchwachsenen Erfahrungen hierzu sind hier zu lesen: https://osttellerrand.blogspot.tw/2017/07/briefe-digitalisiert-kriegen.html

Doch nervig war es eben, auf die Post zu antworten, musste ich das doch immer von Taiwan aus tun, wenn es nicht mit einer Email getan war. Doch Google-Suche ergab Hilfe: Bei epost.de kann ich über die Deutsche Post auch Briefe online schreiben und die Post schickt sie gegen Gebühr mit meiner normalen deutschen Absendeadresse ab, auch Jpegs und PDFs kann man hochladen. Toll. Offenbar muss man sich per Postident indentifizieren. Das ging schmerzfrei über eine Vorgangsnummer und eine Smartphone-App. Eine nette Dame im Videochat fordert dann zu etwas Akrobatik mit dem Perso oder Reisepass vor der Smartphonekamera auf. Will sagen man muss mit dem Perso auch Wedeln wegen des Hologramms etc.

Als ich mich früher einmal für eine Kreditkarte identifizieren sollte, hatte die Bank leider einen Video-Postident nur für EU-Staaten zugelassen, so dass ich das nicht machen konnte. Die umfirmierte CITIBANK hatte dann allerdings diese Bank gekauft und die Citibank kannte mich schon, so dass sich alles in Wohlgefallen aufgelöst hatte. Immer wird Postident über Video also nicht akzeptiert; jedenfalls damals.

Doch zurück zum Thema: Die Epost kann auch genau wie Digitalkasten.de die Post im Browser anzeigen, wenn man das für 24 Euro bucht (Digitalkasten: 20 Euro) und ermöglicht einem auch das Erhalten einer Gratis-Faxnummer und die Browsersicht auf die empfangenen Faxe. Für letzteres nutze ich simple-fax.de, was übrigens einwandfrei funktioniert; einmalig 25 Euro gezahlt und offenbar unendlich lang bekomme ich Faxe als Email. Beide Dienste können auch Faxe versenden.

Sonst brauch der Auslandsdeutsche nur noch einen guten Paket-Weiterleiter, so dass man mit deutscher Adresse bei Amazon und Ebay alles bestellen kann und für Porto plus kleine Bearbeitungsgebühr das Paket auch an den Assturban der Welt weitergeleitet bekommt: alles außer Kaffee und Alkohol. Waffen, Tiere etc. natürlich auch nicht: Mailboxde.com, ein Super-Unternehmen.

Fehlt bloß noch ein guter Mobilfunkanbieter ohne Grundgebühr, der keinen Mindestumsatz bei den Gesprächen verlangt und buchbare Datenpakete hat, die man wieder abbestellen kann. Hier kann ich Blau.de sehr empfehlen.

UPDATE: Seit neuestem blockiert Blau.de offenbar taiwanische Internetprovider. Jedenfalls komme ich weder mit Handy noch in der Firma auf die Blau.de-Seite. Es wird ein Drop der Verbindung ohne Rückmeldung gemacht, so dass der Browser lange versucht zu laden. Die Lösung ist über ein kommerzielles VPN oder einen kommerziellen Proxy zu gehen, so dass Blau.de (oder der entsprechende Provider) keinen taiwanischen Absender meiner Datenpakete sieht. Als zahlender Kunde habe ich da auch kein schlechtes Gewissen, schließlich will sich Blau ja vor chinesischen Hackern schützen und ein solcher bin ich wahrlich nicht. Verursacht wieder unnötige Zusatzkosten.